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"Braucht der Markt Grenzen?" - Chefökonom der Deutschen Bank referiert auf dem Schloss

Zu viel Mitspieler, zu wenig Regelsetzer

Bückeburg (rc). Staat und Politik in Deutschland sind zuviel Trainer und Mitspieler und zuwenig Regelsetzer. Das hat Dr. Norbert Walter, Geschäftsführer der Deutschen Bank Research und Chefvolkswirt der Deutschen Bank Gruppe, auf Schloss Bückeburg gesagt. Er sprach dort zum Thema "Ob wir dem Markt Grenzen geben müssen oder nicht?" Geladen hatte die Carl Friedrich von Weizsäcker-Gesellschaft um ihren Geschäftsführer Dr. Bruno Redeker. Hausherr Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe konnte einen kleinen, illustren Kreis von hochrangigen Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und der Kirche begrüßen.

Braucht der Markt Grenzen? Dr. Norbert Walter (v.l.) referierte

Die Vortrags-Frage beantwortete der Chefvolkswirt mit einem klaren "Ja", obwohl er gleich die Gegenfrage aufmachte, was eigentlich mit "Grenzen" gemeint sei. Der Markt funktioniere nicht ohne Voraussetzungen, die immer wieder neu geschaffen werden müssten. "Der Markt braucht Verfasstheit, Verfasstheit muss geschaffen werden." Das habe schon der Schotte Alan Smith formuliert. Smith (1723 bis 1790) war ein Moralphilosoph, gilt aber auch als Begründer der klassischen Volkswirtschaftslehre, eines seiner Bücher gilt als Wegbereiter der Nationalökonomie. "Ein Mann, an den man sich erinnern muss", meinte Walter, gerade in heutigen Zeiten, wo die Wenigsten ein Sachbuch lesen, sondern - ohne viel Substanz - mit Brocken oder Modulen um sich werfen würden: "Hackfleisch statt Struktur". Die Verfasstheit des Marktes müsse so sein, das sie auf einem realistischen Menschenbild aufgebaue. Im Smith' schen Sinne gelte die Eigenliebe als Antrieb, ihre Entartung seien Gier oder Faulheit. Die Gesellschaft sei gefordert gewesen,über Schranken nachzudenken. Zur Regelung der Demokratie und des Staates sei die Gewaltenteilung eingeführt worden. Als vierte Schranke sei später der Wettbewerb hinzugekommen: "Bäcker backen Brötchen, weil sie damit ein gutes Einkommen erzielen." Dieser Markt müsse allerdings geregelt werden. Denn, so Walter: "Wo sich zwei Unternehmer zum Frühstück treffen, bilden sie ein Kartell." Schranken oder Grenzen seien notwendig: "Preise müssen wirkliche Preise sein." Regierungen seien gefordert, sich als Ordnungsgeber/Gestalter anzusehen und "das sollten sieim Wettbewerb tun". Zuviele Regeln? Darin sieht Walter nicht unbedingt ein Problem: "Unternehmen konzentrieren sich nicht dort, wo ihnen die geringsten Regeln gesetzt werden." Walter erinnerte daran, dass nur die Gesellschaft funktioniere, die sich an "family", "private property" und "honesty" orientiere - in dieser Rangfolge. Der Westen sei "entschlossen" dabei, "family" zu vergessen und werde sich falsch entwickeln. Im Islam sei diese Entwicklung zwar genau umgekehrt, dabei würden aber "private property" und "honesty" vergessen - und mit den Frauen die Hälfte der Gesellschaft. "Der Markt braucht Ordnung" war die klare Aussage des Chefökonoms der Deutschen Bank. Die Deutschen hätten ein völlig falsches Staatverständnis. Der Staat interveniere zu viel und spreche oder setze zu wenig Sanktionen aus oder um. Der Staat nehme im Bereich der Wirtschaft Hoheitsaufgaben nicht wahr, sondern korrigiere Fehlentwicklungen hinterher. Seine Aussage: "Der Staat muss Regelsetzer sein." Nicht Umverteiler wie in der heutigen Landwirtschaft, wo die EU-Agrarpolitik zum Gegenteil einer Marktwirtschaft geführt habe: sowohl nach innen als auch nach außen.

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