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Vor Gericht: 5400 Euro Geldstrafe

Zu blauäugig - Schulfreund will alles richten

Bückeburg (ly). Wie gut, dass es den Schulfreund gab. Ein Glück, dass er sich mit Steuern auskannte. "Du brauchst dich um nichts zu kümmern", soll der frühere Klassenkumpel einem Bückeburger (47) zur Gründung einer GmbH geraten haben, die durch Vorträge des 47-Jährigen Gewinne erwirtschaften so llte. Gewinne? Reichlich Schulden haben sich angehäuft. Mittlerweile ist die Gesellschaft insolvent. Und den Bückeburger, als Geschäftsführer nun einmal verantwortlich für den Laden, kommt diese Pleite nun auch strafrechtlich teuer zu stehen.

Das Amtsgericht hat ihn wegen Insolvenzverschleppung, Bankrotts und Verletzung der Buchführungspflicht zu 5400 Euro Geldstrafe verurteilt. In seinem Fall sind das fünf Monatseinkommen. "Wer sich nur auf den guten Freund verlässt, nimmt billigend in Kauf, dass die Firma den Bach runtergeht", schrieb Richter Armin Böhm dem zerknirschten Angeklagten ins Stammbuch. "Sie hätten sich kümmern müssen." Angeblich fehlte dem 47-Jährigen dazu wegen gesundheitlicher und anderer Probleme die Kraft. "Ich war damals reichlich neben der Spur und froh, dass mir in der Situation jemand unter die Arme gegriffen hat", erinnerte er sich vor Gericht. "Die Welt war mir im Grunde egal." Nur zu gerne ließ sich der Bückeburger die Geschäfte aus den Händen nehmen. Das Stammkapital soll ebenfalls der Schulfreund aufgebracht, sich dafür aber auch vorübergehend einen Dienstwagen im Wert von 33 000 Euro gegönnt haben. Dass eine Zweigstelle in Ostdeutschland gegründet und zwei oder drei Mitarbeiter eingestellt wurden, will der Bückeburger nicht gewusst haben. "Alles ist ohne mein Wissen geschehen", versichert er. "Und dass am Ende des Jahres eine Bilanz aufgestellt werden muss, war mir so nicht klar. Ich wurde als dummes Schaf missbraucht." Mag ja sein, "aber Unwissenheit schützt vor Strafe nicht", so Staatsanwalt Dieter Liese. Wenn es denn so war, hat der Bückeburger vor all dem wohl die Augen verschlossen. Oder er war blauäugig. Nach der Gründung der zwischenzeitlich umgezogenen Gesellschaft (gegründet Ende 2005) konnte zumindest am letzten Stammsitz Bückeburg von einem Geschäftsbetrieb kaum die Rede sein. Dafür gingen die Verbindlichkeiten bald in die Zehntausende, 17 Gläubiger klopften an. Als die GmbH im Mai 2007 zahlungsunfähig wurde, meldete der 47-Jährige nicht sofort Insolvenz an. Er hat auch keine Bilanz aufgestellt oder Bücher geführt. Während der Gerichtsverhandlung eingestellt wurden elf Fälle, in denen Beiträge zur Sozialversicherung nicht abgeführt worden sind. Eine zusätzliche Verurteilung in diesen Punkten wäre kaum weiter ins Gewicht gefallen.

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