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Mit dem Geländewagen lässt sich das Land im Osten der Arabischen Halbinsel am besten erkunden

Zerrissene Stille im schönen Sultanat Oman

Vor einer Reise in arabische Länder schrecken viele Urlauber zurück. Der Oman ist jedoch von Unruhen kaum betroffen. Das Land ist ein Paradies für Naturliebhaber. Die größte Gefahr bei einem Roadtrip mit Zelt sind Kamele auf der Straße.

Touristenattraktion mitten in der Wüste: In Oasendörfern wie diesem Wadi Bani Awf fühlt sich der Besucher Lichtjahre entfernt vo

Von Annette Reuther

Maskat. Salaiman schläft. Es ist drei Uhr nachts auf dem Flughafen von Maskat. Wer dürfte da nicht mal kurz wegnicken? Aber Salaiman arbeitet für eine Autovermietung, und deshalb ist es ihm peinlich, von Touristen beim Schlummern erwischt zu werden. Er zupft sein Gewand zurecht, schiebt seine Kappe auf den Kopf und drückt seine Brille auf die Nase. Salaiman will ein guter Berater sein. Er will, dass der Tourist sein Land mag. „Welcome in Oman“, sagt er deshalb als erstes. Und ganz oft sagt er: „No problem.“

No problem. Das scheint das Lebensmotto der Menschen im Oman zu sein. Und es bedeutet nicht wie in vielen anderen Reiseländern: Lass mich in Ruhe. Der Reisende will das Auto schon einen Tag früher als gebucht abholen: No problem. Die Fluggesellschaft hat das Zelt beim Zwischenstopp in Istanbul vergessen: No problem. Es ist drei Uhr nachts, und der Reisende hat weder Zelt noch Hotel: No problem. Irgendwie findet sich immer eine Lösung.

Das Land auf der arabischen Halbinsel ist nicht nur ein gastfreundliches Reiseland, in dem der Tourist eher hofiert als übers Ohr gehauen wird. Oman ist auch sicher. Die Kriminalität ist niedrig, die politische Lage stabil, Schreckensmeldungen von entführten Touristen wie im benachbarten Jemen gibt es nicht.

Am Dschabal Schams bietet sich der Blick in den „Grand Canyon“ des Oman.
  • Am Dschabal Schams bietet sich der Blick in den „Grand Canyon“ des Oman.
Das Sultanat bietet seinen Besuchern auch meterhohe Dünen in Wahiba Sands.
  • Das Sultanat bietet seinen Besuchern auch meterhohe Dünen in Wahiba Sands.
An der Ostküste liegt einer der weltweit wichtigsten Brutplätze für Meeresschildkröten.
  • An der Ostküste liegt einer der weltweit wichtigsten Brutplätze für Meeresschildkröten.

In den vergangenen Jahren wurde viel Geld in den Tourismus gepumpt. Schicke Hotels sind entstanden. Täler wurden erschlossen. Aber noch hat der Massentourismus das Land nicht erreicht. Die Schönheit des Omans erschließt sich sowieso nicht im Hotel, sondern beim Reisen auf eigene Faust. Man braucht nur einen Schlafsack, ein bisschen Englisch und ein Auto mit Vierradantrieb. Erfrischungen gibt es immer: In dem scheinbar staubtrockenen Land tun sich überall Bäche, Wasserfälle und Naturpools auf.

Einen guten Ausgangspunkt für einen Roadtrip bietet Nizwa, etwa zwei Stunden von der Hauptstadt Maskat entfernt. Hauptattraktion der Stadt ist der Suk, den man schon von weitem riechen kann. Ziegen, Schafe und Rinder drängen sich dort. Es stinkt zum Himmel, Geschrei und Geblöke, eine Ziege büxt aus. Männer preisen ihre Tiere an, verladen und verhandeln. Wenige Meter weiter schlagen Arbeiter Fischen die Köpfe ab. Haiköpfe, Thunfischköpfe, Sardinenköpfe – alles türmt sich. Eingeschüchtert stehen einige Touristen herum. Einem wird schlecht, er eilt zum Gewürzmarkt, um den Fischgestank mit dem Duft nach Muskat und Kurkuma zu vertreiben. Überlagert wird der Gewürzduft nur vom Weihrauch, der im Oman an jeder Ecke aus kleinen Gefäßen qualmt. Das Harz des Weihrauchbaums wird vor allem im Süden des Landes geerntet und in alle Welt verschifft.

Von Nizwa geht es zum Dschabal Schams, dem höchsten Berg im Oman. Mit mehr als 3000 Metern ist er zwar höher als viele Berge in den Alpen, der Besucher kann aber gemütlich mit dem Auto nach oben fahren. Der Aussichtspunkt unter dem Gipfel ist eine platte Fläche mit Teppichhändlern und einer Ziege namens „George“, die Touristen anbettelt. An der Kante schaut man in den Abgrund: Es öffnet sich ein einzigartiger Blick in eine Schlucht, die als Grand Canyon des Omans bezeichnet wird. Auf schwindelerregenden Wander- und Kletterpfaden sind in der Ferne Menschen zu erkennen.

Nicht weniger abenteuerlich ist es, die Nacht in diesen luftigen Höhen im Zelt zu verbringen. Etwas geborgener fühlt man sich im nahe gelegenen Wadi Bani Awf, im Inneren des Canyons. Nach einer wilden Abfahrt über die zerklüfteten Abhänge findet sich unter Bäumen ein ruhiger Schlafplatz. Die Zivilisation scheint Lichtjahre entfernt.

Auf der Reise in Richtung Süden geht es weiter in die Wüste Wahiba Sands. Verehrer der Rub al-Chali, einer der größten Wüsten der Erde, nennen sie spöttisch „Sandkasten“. Doch die Dünen sind hier meterhoch. Es gibt mehrere Wüstencamps mit Zelten und Verpflegung. Sie bieten von Sandboarding über Kamelreiten bis zu „Dune-Bashing“ – mit dem Auto über Dünen rasen – alles an. Auf das Ökosystem Wüste wirkt sich das fatal aus: Autos und Quadbikes treiben die Wüstentiere aus ihrem Unterschlupf. Und sie zerreißen die Stille, die diesen Ort so besonders macht.

Andernorts hat der Sultan die Gefahr der Menschen und des Tourismus schon erkannt: In Ras al-Dschins, an der Ostküste des Omans, liegt einer der weltweit wichtigsten Brutplätze für Meeresschildkröten. Jedes Jahr wuchten sich hier Zehntausende von Schildkröten an Land, um ihre Eier zu legen. Bis vor einigen Jahren war an diesem Strand das Campen noch erlaubt. Das führte dazu, dass immer weniger Schildkröten kamen. Nun sind der Strand und umliegende Buchten geschützt. Na, bitte: no problem.

Weitere Informationen: Sultanate of Oman, Berlin, Tel. 030/42 08 80 12; im Internet: www.omantourism.de

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