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"Bad Nenndorf ist bunt": Keine Gegenveranstaltung zu Aufmarsch?

Zeichen gegen Terror von rechts

Bad Nenndorf (tes). Neonazis haben für den 2. August zum dritten Mal einen "Trauermarsch" durch Bad Nenndorf zum Wincklerbad angemeldet. Die Initiative "Bad Nenndorf ist bunt!" (BNib) will diesem Treiben der Holocaust-Leugner und vorbestraften Gewalttäter nicht widerspruchslos zusehen und hat erneut ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt. Der Beschluss, am Tag der Kundgebung nichts zu unternehmen, stieß jedoch auf Widerstand. Ein junger Schaumburger warnt, Bad Nenndorf dürfe den Protest nicht zugereisten Linksextremisten überlassen.

Jannek Heitmüller

Im vergangenen Jahr sind Bürger der Stadt, der Samtgemeinde und des Landkreises in mehr als 20 Veranstaltungen unter dem Motto "Bad Nenndorf ist bunt" der Propaganda der Neonazis entgegengetreten. "Auf diesem Weg wollen wir weitergehen", betont Jürgen Uebel, wohlwissend, dass noch einiges verbesserungswürdig ist. So konnte bisher kein Konsens gefunden werden, ob es am 2. August eine Gegenveranstaltung parallel zum Aufmarsch geben wird. Im kleinen Kreis sei laut Uebel zuvor einstimmig beschlossen worden: "Wir machen nichts am Tag der Kundgebung." Am Vorabend der Nazi-Demo ist eine Kundgebung mit Einzelaktionen an Wincklerbad und Bahnhofsstraße geplant. "Vielleicht auch eine Talkrunde mit prominenten Teil- nehmern", ergänzte Udo Husmann, Vorsitzender des SPD-Samtgemeindeverbands. Junge Nazigegner halten hingegen eine Aktion am gleichen Tag für unverzichtbar und die parteiunabhängige Bürgerinitiative für prädestiniert, dies zu organisieren. Der Terror der Neonazis habe längst neue Dimensionen erreicht, berichtete ein besorgter Bürger (Name der Redaktion bekannt). Nach dessen Erfahrung gebe es im Moment viele Übergriffe in Nenndorf. "Wir sind nur noch bei Helligkeit unterwegs", informierte er über die angespannte Lage. Auch angesichts konkreter Bedrohungen auf den Internetseiten der Neonazis appellierte dieser an alle Nenndorfer: "Wir müssen an einem Strang ziehen." Er plädierte für eine räumliche und zeitliche Trennung von Aufmarsch der Rechtsextremisten und Gegendemonstration, um die Schülergruppen nicht mit Linksextremen in einen Topf zu werfen. Diese Darstellung werde ihnen nicht gerecht. Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Marina Jalowaja unterstützte diesen Wunsch: "Das Programm verliert seinen Sinn, wenn wir an diesem Tag nichts machen." Deren Befürchtung, viel Gutes gehe sonst verloren, teilte DGB Regionssekretär Steffen Holz nicht. Immerhin sei es gelungen, alle Schulen an der Initiative zu beteiligen. Allerdings sei bisher keine Übereinkunft zum Vorgehen am 2. August möglich gewesen, verwies Holz auf Kommunikationsprobleme. "Wir hatten das Gefühl, man wollte uns nicht dabei haben." Uebel erinnerte an das gemeinsame Ziel und erklärte, die Initiative sei offen, das vorgebrachte Konzept zu diskutieren: "Was zusätzlich kommt, wird sich zeigen." Zum Auftakt der Aktivitäten von "Bad Nenndorf ist bunt!" besuchten drei Klassen der Stadtschule und 260 Schüler des Gymnasiums (GBN) jeweils eine Sondervorstellung des Films "Die Welle" im Kino Bad Nenndorf. Unsere Zeitung hat GBN-Schüler nach ihrer Einschätzung befragt: Könnte die kollektive Umerziehung zum Erfüllungsgehilfen eines totalitären Regimes auch in Schaumburger Schulen funktionieren? "Das hätte auch bei uns passieren können", sagt Marlen Hülsebus (14) und lobt die lehrreiche Wirkung des Films. "Jetzt nicht mehr", meint Merten Neumann (15). Er sehe sich nach dem Film auf jeden Fall sensibilisiert. Gruppenbildung gebe es auch am GBN, erklärt Jannek Heitmüller (15), "aber wir grenzen niemanden aus."

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