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Serie "Ausland als Chance": Arne Weimann und Krissi Eifler arbeiten ein Jahr in Kanadas "Post-Hotel"

Zehn Methoden, Frühstückseier zuzubereiten

Rinteln/Lake Louise (wm). Was macht man als Hotelfachmann, -fachfrau, wenn die Ausbildung abgeschlossen, weitere Erfahrungen im "Dorint Resort& Spa" in Bad Brückenau gesammelt sind? Für Arne Weimann und Kristin (Krissi) Eifler keine Frage: Wir gehen ins Ausland.

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Am Anfang standen zwei Städte und ein Land auf dem Zettel: Edinburgh, Dublin und Kanada, darunter zwei Rubriken - Vor- und Nachteile. Gewonnen hat das Ausleseverfahren der Kontinent mit den sechs Zeitzonen. Danach die Suche im Internet: Wer hilft? Da kam "Step In, Work and Travel" ins Spiel, eine Organisation in Bad Godesberg, die Schüleraustausch, Auslandspraktikum und eben auch Jobs im Ausland organisiert. Und, noch wichtiger, die seriös ist und einen guten Ruf hat. "Step In" vermittelte den Kontakt mit Chris O'Callag- han. Der sitzt in Vancouver, weiß, wo es Jobs in der Hotelbranche und anderswo gibt und spricht, logisch, nur Englisch - gleich erster Sprachtest für die beiden Kanada-Kandidaten. Als nächste Hürde folgten Interviews mit den Personalsachbearbeitern in den Hotels. Krissi und Arne erzählen, "der Küchentisch war voll gepflastert mit Spickzetteln." Geholfen haben sie wenig, diese Fragen hätten sie einfach nicht erwartet: Sie waren in den Niederlanden? In Amsterdam? Was haben Sie da eigentlich gemacht? Krissi: "Wir haben nur noch gestammelt. No, no, only on der coast, the seaside, not in the town, no drugs!" Es kommt noch dicker: Was machen sie, wenn ihr Kollege morgens schlecht gelaunt am Arbeitsplatz erscheint? Gute Frage, selbst in Deutsch müsste man jetzt eine Minute nachdenken, aber wie erklärt man sich in Englisch? Und schon hakt der Personalmanager da drüben über dem großen Teich nach: "Warum wollen Sie eigentlich diesen Job in unserem Hotel?" Irgendwie, rätseln die beiden noch heute, haben sie es doch gepackt. Das Post-Hotel in Lake Louise in den Rocky Mountains am Rande des Banff National Parks sagt zu. Krissi Eifler soll im Service arbeiten, Arne Weimann in der Küche - die Skisaison in den Rockys ist noch voll im Gang, das Hotel voll belegt. Die To-do-Liste wurde immer länger: Auto abmelden, Zeugnisse komplettieren, Wohnung kündigen, Möbel unterstellen, Telefon abmelden, von Freunden verabschieden, eine Abschiedsrunde im Hotel, ein letztes Gespräch mit Dorint-Chefin Anke Lock. Dann galt es, Informationenüber Kanada zu sammeln: Dort gibt es angeblich keine Schilder "Rauchen verboten". Ganz einfach deshalb nicht, weil das ganze Land ein Nichtraucherland ist. Muss man das glauben? Und eine Packung Zigaretten (25 Stück) kostet 13 Dollar! Krissi nimmt sich fest vor: Die letzte Packung Zigaretten wandert am Flughafen in den Mülleimer. Zumindest Entspannung an der Papierkrieg-Front: "Step In" organisierte Visum, Arbeitserlaubnis, Flugtickets und gab gute Tipps. Dann hieß es packen - auf einer Waage versteht sich. Fluggesellschaften kennen da kein Pardon. Das bedeutete: aussortieren, aussortieren, aussortieren. Das Flugzeug startete in Frankfurt, in Vancouver erwartete die Neulinge Regen und der Jetlag, logisch, wer nach Westen fliegt, steht morgens um drei Uhr (bei uns mittags) senkrecht im Bett und möchte eigentlich mit dem Tagwerk beginnen. Im Greyhound-Bus ging es weiter nach Lake Louise, 90 Dollar kostet das Ticket für 13 Stunden Fahrt. Im Post-Hotel wartete schon der "Human Ressort Manager" und eine Überraschung: Das Personal ist international, Japaner, Schweizer, Deutsche, Australier, Franzosen, Philippiner, Afrikaner und selbstverständlich Kanadier. Die 800 ständigen Einwohner am Ort sind (fast) alle Mitarbeiter in den umliegenden Hotels. Die Landschaft beschreiben die beiden in ihrer ersten E-Mail als "einfach atemberaubend". Und der berühmte Lake Louise? Eine einzige weiße Fläche mit vielen Schlittschuhläufern. 101 Pinnacle Street Unit 11 heißt das neue Zuhause. Ein Personalhaus, das sich Krissi und Arne mit einer Schweizerin und einem Australier teilen. Zum Einleben blieb kaum Zeit: Bereits einen Tag nach der Ankunft müssen die beiden ihre Jobs antreten. Arne gerät in der Küche schnell in Stress, soviel Essen gehen über den Pass (Ausgabestation der Küche). Es wurde ein langer Tag, die Gäste bestellten bis kurz vor Mitternacht. Und der Küchenchef kündigte an, der Rekord stehe bei 283 Gerichten an einem Abend - den werde man schon noch brechen. Vor Feierabend muss jeden Tag die Küche blitzblank geputzt werden - und was macht man dann? Eine Partie Poker spielen, schreibt Arne. Auch für Krissi Eifler, brachte der Service neue Erkenntnisse: In Kanada wird morgens statt Frühstücksbüfett à la Card serviert. Es gibt fünf verschiedene Sorten Toast, zehn verschiedene Arten Eier zuzubereiten, dazu Pancakes und Muffins. Lake Louise ist ein Touristenort, alltägliche Dinge nicht billig, die nächste größere Stadt ist Banff, das Busticket kostet 35 Dollar. Deshalb legen die Personalhausbewohner zusammen, wenn es zum Einkaufen geht. Und noch ein Aha-Erlebnis: "Deutsche Gäste merken schnell, dass wir Landsleute sind und sind froh, deutsch reden zu können." Das erste Lebenszeichen kamübrigens über eine Telefonzelle - die deutschen Handys funktionierten in Kanada nicht. Arne telefonierte mit der Kreditkarte, bis er gelesen hatte: Acht Dollar pro Minute. Jetzt hat er Internet.

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