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Vor Gericht: Malergehilfe kommt vielleicht nie wieder frei / Sicherungsverwahrung möglich

Zehn Jahre für den Würger vom Bornbrink

Bückeburg (ly). Rein als freier Mann, raus in Handschellen: Zu zehn Jahren Haft wegen Totschlags hat das Schwurgericht gestern den Würger vom Bornbrink verurteilt. Damit steht fest, dass der Bückeburger (43) seine damalige Geliebte (49) in deren Wohnung beim Geschlechtsverkehr erwürgt hat, wahrscheinlich am späten Abend des 9. Oktober 2006.

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Drei Wachtmeister führten den gefesselten Malergehilfen nach dem Schuldspruch aus dem Saal. Mehrere Frauen umringten ihn, darunter seine Lebensgefährtin und eine frühere Sexpartnerin. Auf der anderen Seite des Raumes war der Schwester des Todesopfers, die als Nebenklägerin auftrat, ihre Erleichterung nach sieben kräftezehrenden Verhandlungstagen anzumerken. Nun kann sie aufatmen, denn vielleicht kommt der Würger nie wieder frei. In diesem Fall sei nachträgliche Sicherungsverwahrung möglich, wie die Vorsitzende Richterin Dr. Birgit Brüninghaus erklärte. Eine Entscheidung darüber falle vor der geplanten Haftentlassung. Mit dem Urteil konnte die Maßregel nicht angeordnet werden, weil zwischen demTotschlag und der letzten Gewalttat davor, einer äußerst brutalen Vergewaltigung, mehr als fünf Jahre gelegen hatten. So will es das Gesetz. Sicherungsverwahrung beginnt nach der Haft und ist grundsätzlich unbefristet, muss aber mindestens alle zwei Jahre überprüft werden. Ein Prozessgutachter hatte den Angeklagten (18 Vorstrafen) als gemeingefährlich eingestuft. "Er ist eine tickende Zeitbombe", schloss sich Richterin Dr. Brüninghaus der Einschätzung von Staatsanwalt Dr. Malte Rabe vonKühlewein an. "Ein Mann mit zwei Gesichtern", wie die Vorsitzende noch hinzufügte. Zeugen hatten den 43-Jährigen als freundlich und hilfsbereit beschrieben. Derselbe Mann jedoch hat eine frühere Lebensgefährtin in den Bauch getreten und gewürgt, eine andere Frau am Hals gepackt und über ein Sofa geworfen, wiederholt Angst verbreitet. Und er hat ein Vergewaltigungsopfer durch Fausthiebe übel zugerichtet. Das Urteil hörte der Angeklagte ohne äußere Regung. So kennt man ihn. Drei Wochen lang hatte er es nicht geschafft, ein Wort des Bedauerns über den Tod seiner früheren Geliebten zu äußern. Umso ausgiebiger tat dies dafür die Richterin. "Sie war attraktiv, patent und stark": Birgit Brüninghaus beschrieb die frühere Kleinenbremerin als Frau aus ordentlichen Verhältnissen, die gutbürgerlich gelebt habe, 25 Jahre verheiratet war, zwei Kinder hatte "und einen schönen Beruf als Krankenschwester, in dem sie beliebt war". Doch dann habe sie den Halt verloren. Die Ursache mag eine Krankheit gewesen sein, vielleicht auch Alkohol, vielleicht beides. Zuletzt jedenfalls lebte die 49-Jährige in einer verdreckten Wohnung ohne Strom und Warmwasser, sie trank zu viel und hatte wechselnde Männerbekanntschaften. Am Ende standen Panik, Angst und Luftnot - bis zu 30 Minuten lang: "Ihr Tod war sehr schmerzhaft", sagte Brüninghaus. "Wie grausam, die arme Frau." Mehrere Gutachter hatten den Todeszeitpunkt recht genau bestimmt. Der Angeklagte hat zugegeben, während dieser Zeit zum Sex bei seiner Geliebten am Bornbrink gewesen zu sein. Die Vorwürfe bestritt er bis zum Schluss. Bei seiner Festnahme am 15. Oktober hatte er Kratzspuren im Gesicht. Geplant war die Tat nach Überzeugung des Gerichts nicht, vielmehr ein spontaner Entschluss. "Den Tod nahm der Angeklagte billigend in Kauf", hieß es. "Dem Todeskampf stand er gleichgültig gegenüber." An der Leiche waren weitere DNA-Spuren von bis zu vier Männern gefunden worden. Diese Männer müssen das Opfer jedoch nicht angefasst haben. Dass die Verteidigung gegen das Urteil Revision einlegt, gilt als sicher.

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