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Der Botanische Garten bietet mit jeder Pflanze eine Überraschung

Zauberhafter Quell der Freude: Der Berggarten in Herrenhausen

Von Jens Meyer

O Weier: Der Berggarten in Hannover-Herrenhausen öffnet immer ne

Hannover-Herrenhausen. Alle reden vom Großen Garten, von der riesigen Wasserfontäne, die bis fast zum Himmel reicht, vom Irrgarten, in dem noch kein Mensch verloren ging, vom Gartentheater, das in diesem Sommer ein „musical“ischer Sommernachtstraum ist, von überbordender Pracht. Das ist auch alles schön und gut, aber wer redet vom Berggarten? Wir und jetzt!

Botanisch gesehen ist dieser Teil der Herrenhäuser Gärten der weitaus imposantere, und das nicht nur für Blumenfreaks und Pflanzenforscher. Hier, auf der anderen Seite der Herrenhäuser Straße, ist so gut wie nichts formal angelegt. Hier schlängeln sich die Wege durch Gewächshäuser, Feuchtbiotope, Themengärten und Sumpfzonen. Aus der Vogelperspektive muss der Berggarten wie eine große Blüte aussehen, die aus Abermillionen kleiner Blüten besteht. Und die Menschen, die darin flanieren, machen es den Bienen und Hummeln gleich und sind mittendrin im Blumenglück. Fehlt eigentlich nur noch, dass sie an den Blütenstempeln saugen.

Wem könnte man das schon verdenken? Rittersporne, weiß- wie schwarzäugig, werden im Berggarten ohne Probleme bis zu zwei Meter noch. Steppenkerzen züngeln wie Flammen aus reich bestückten Staudenbeeten. Mit Blüten, die so groß wie Handbälle sind, bildet der Sternkugellauch unwiderstehliche Landschaften. Goldmohn macht seinem Namen alle Ehre. Verschiedenfarbige Seerosen tupfen Teichlandschaften bunt aus, und während seltene Finkenarten in den Tropenhäusern um die Wette fliegen, hopsen Amseln draußen fröhlich zwitschernd zwischen den Gehölzen umher. Der Berggarten hat sich im Laufe von drei Jahrhunderten zu einem unverwechselbaren Stück Gartenkultur entwickelt, heißt es auf der offiziellen Homepage www.berggarten-hannover.de. Daran gibt es gewiss nichts zu zweifeln.

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Wie das so ist mit botanischen Gärten eines solchen Kalibers – hier ist mal eben die Rede von zwölf Hektar Land, was einer Größe von rund 17 ausgewachsenen Fußballplätzen entspricht –, erfreuen sich nicht nur Hobbygärtner auf der Suche nach neuen Inspirationen an diesem Quell der Blütenfreude, nein, da sind auch die Familien mit Kindern, die Verliebten und Studenten, die Rentner und gestressten Arbeitnehmer, die Professoren und Fabrikbesitzer, die manchmal still, manchmal mit nicht zu überhörender Begeisterung vor sich hinstaunen. Welch großartiges Erlebnis der Berggarten doch ist. In diesem Jahr, obwohl oder gerade aufgrund der recht kühlen Frühlings- und Frühsommertage, erst recht. Zum Beispiel stehen viele der Jahrhundertealten Rhododendren erst jetzt in Blüte, was sie in den Vorjahren schon zwei bis drei Wochen früher getan haben. Und der Tulpenbaum, einer von zahlreichen Solitärbäumen im hinteren Bereich des Gartens, stellt sich schöner denn je zur Schau.

Rhododendren aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhundertes, ein Gingkobaum aus 1826, eine Sumpfzypresse, die bei ihrer Pflanzung 1838 Goethe und Humboldt gewidmet wurde – Bäume und Sträucher geben diesem blühenden Paradies den Rahmen. Aber auch die Wuchskraft der kleineren Pflanzen ist erstaunlich. Gerade in den Sommermonaten Juni und Juli wachsen viele Stauden im Staudengrund zu imposanten, teils meterhohen Exemplaren heran und verwandeln den Berggarten hier und dort in einen Dschungel. Überhaupt: der Staudengrund – die gesamte Westseite spiegelt die unterschiedlichen Regionen Niedersachsens wider. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf den Wildstauden mit ihren jeweiligen Standort- und Lebensbedingungen.

Der Berggarten Hannover-Herrenhausen ist eine grüne Lunge mit vielen farbigen Tupfern. Juni und Juli sind die schönsten Monate, um ihn zu besuchen. Zeit spielt dabei keine Rolle. Man sollte sie sich nehmen, mindestens zwei Stunden. Denn durch den Alltag kann man hetzen – aber niemals durch einen Garten. Schon gar nicht durch einen wie diesen.

Öffnungszeiten: täglich ab 9 Uhr

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