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Und Ministerpräsident kritisiert Gebaren mancher Firmen

Wulff hält Plädoyer für das globale Miteinander

Stadthagen (jl). Vor einem rund 500-köpfigen Auditorium hat Ministerpräsident Christian Wulff am Freitagabend in der St.-Martini-Kirche Position zu den christlichen Werten bezogen, die seiner Meinung nach Politik heute und morgen bestimmen sollten, und zu den Themen, die ihm offenbar ganz besonders am Herzen liegen.

Das Christliche in der Politik heute definierte der Referent so: Auch eine offene, plurale Gesellschaft brauche einen "Mindestvorrat an gemeinsamen Wertvorstellungen, braucht eine Kenntnisüber die Grundlagen und die Bindekräfte ihres inneren Zusammenhalts, Sie braucht wenigstens eine grobe Vorstellung davon, wohin sie will, woran sie sich orientiert". Sonst sei sie nicht überlebensfähig. Auch wenn die Quellen nicht genau erkennbar seien, seien christliche Werte und Tradition wesentlicher Bestandteil des moralisch-rechtlichen Systems unserer Gesellschaft. Wulff signalisierte ausdrücklich ein offenes Ohr für Anregungen aus der Kirche. Er machte deutlich, dass christliche Grundwerte wie die Achtung der Menschenwürde, die Nächstenliebe, Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit, Verantwortung und Solidarität Maßstäbe bei der Gestaltung von Politik und Gesellschaft sein müssten. Deshalb "müssen wir unser Land so gestalten", dass Schwache einen wertvollen Teil der Gesellschaft bilden können, das "die Furchtsamen durch die Politik ermuntert und unterstützt werden, "sich für unser Gemeinwesen einzusetzen", und die "Mutigen" müssten in ihren Bemühungen bestätigt und bestärkt werden. "Als Frage des 21. Jahrhunderts" nannte der Katholik und CDU-Politiker die Organisierung des "Miteinanders" - gegen Abschottung gegen Parallelgesellschaften. In diese Richtung zielt nach seinen Worten auch die Einführung des Islam-Unterrichts an Niedersachsens Schulen. Wulff könnte sich durchaus vorstellen, dass es mit der drittgrößten Glaubensgemeinschaft bald ähnliche Verträge über das Miteinander von Staat und Kirche geben wird wie seit Jahrzehnten mit der evangelischen und katholischen Kirche. Wert legte der Referent darauf, dass Staat und Gesellschaft so verantwortungsvoll gestaltet werden, "dass zukünftige Generationen eine Welt vorfinden, auf der sie auf- und weiterbauen können". Dahin passt sein Plädoyer für die Windkraft. Dazu gehört auch sein Bekenntnis zur "gelebten Solidarität" mit den ärmeren Ländern. Unter "Nachhaltigkeit" muss auch seine Forderung gewertet werden, im "Interesse der Generationensolidarität möglichst bald unsere Sozialsysteme, aber auch die öffentlichen Haushalte, unseren Arbeitsmarkt und unser Bildungssystem globalisierungsfest und demografiefest zu machen". Zum Stichwort Arbeitsmarkt kam eine deutliche Kritik am Gebaren mancher Firmen: "Es gibt heute die Verantwortung der Unternehmen für den sozialen Zusammenhalt und Frieden. Das ist nicht Aufgabe der Politik alleine." Es könne nicht angehen, überzählig gewordene Mitarbeiter einfach in die Arbeitslosigkeit und damit in völlig überforderte Sozialsysteme zu entlassen und auf der anderen Seite, die Politik aufzufordern, dieseSysteme endlich zu reformieren.

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