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Packender Vortrag von Forscher Dr. Dirk Neumann / Der Hass auf die Wildtiere wirkt bis heute fort

"Wölfe sind weder böse noch blutgierig"

Bad Eilsen. Einen packenden Abend haben die Gäste einer Veranstaltung im "Haus des Gastes" erlebt: Dr. Dirk Neumann, Inhaber des Tierparks Kalletal, berichtete den Teilnehmern von seiner Wolfsschule und gab Tipps für den Umgang mit Hunden.

Auch das Ehepaar Hey (l.) hat einige Fragen an Wolfsforscher Dr.

"Werwolf, Menschenfresser, Untier": das sind nur einige der Zuschreibungen für ein ehemals verbreitetes Raubwild. Spätestens mit Aufkommen der Aufklärung wurde der Wolf gnadenlos gejagt, in unseren Breiten ist er fast vollständig verschwunden. Der Wolfshass wirkt bis heute: Als vor einiger Zeit freilebende Rudel in Sachsen gesichtet wurden, warnte sogar die "Bild"-Zeitung. Inzwischen wandern immer mehr Wölfe aus Polen nach Deutschland ein. Neumann nutzte den Vortrag deshalb, um mit Vorurteilen aufzuräumen: "Ich möchte Ihnen sagen, das Wölfe weder böse und noch blutgierig sind." Auf der einen Seite werde der Wolf gehasst, auf der anderen der Hund übertrieben geliebt. "Wenn die Wölfe gewusst hätten, wieviele Jäger in Deutschland sie nicht mögen, wären sie weggeblieben", ärgerte sich Neumann mit Blick auf den unlängst getöteten "Problem-Bären" in Bayern. Dass der Wolf durchaus keine Bestie ist, zeigen seine Forschungen im Kalletal schon lange. Der Besitzer des Tierparks unterhält dort eine bundesweit einzigartige Wolfsschule, in der seit 25 Jahren die Unterschiede zwischen Wolf und Hund untersucht werden. Ein Ergebnis des Projekts betonte der Forscher besonders: "Wölfe sind sehr furchtsame Tiere, sie laufen bei jedem Geräusch weg und stürzen sich nicht auf alles, was nach Beute riecht." Ein Romantiker ist der Tierarzt aber keinesfalls - auch wenn die Graupelze keine bösen Ungeheuer sind; wirklich zu zähmen sind sie nicht. Trotz der Vorsicht des Tierarzts kam es deshalb im Kalletaler Tierpark schon öfter zu Unfällen. "Einmal lag ich mehrere Wochen im Krankenhaus - ich hatte mich zu sehr als Kumpel gezeigt", gibt Dr. Neumann sich selbst die Schuld. Inzwischen hat er gelernt, beim Umgang mit Wildtieren Respektperson zu bleiben. Denn: "Ein Spiel mit Wölfen kann meine zarte Haut einfach nicht aushalten." Um das zu gewährleisten, muss er früh Kontakt aufbauen. Seine Wolfswelpen lernen ihn schon im Alter von zehn Tagen kennen, etliche hat er sogar in seinem Bett aufgezogen. "Das Training ist dann der Höhepunkt", macht der "Animateur" deutlich, "die ,Dressur' basiert auf Vertrauen und Belohnungshäppchen". Im Unterschied zum Hund müsse die Beziehung aber immer wieder bestätigt werden, "eine Prägephase wie beim Hund gibt es beim Wolf nicht". Auch die Ansprache ist eine andere. Hunde sprechen als vom Menschen sozialisierte Tiere auch auf unsere Stimme an, Wölfe verstehen nur Körpersprache. Der Tierarzt: "Wenn ich einen meiner Wölfe anschreien würde, würde der höchstens sagen, der hat einen Vogel." Dass es für einen "Fremdsprachler" im Wolfsgehege ungemütlich werden kann, musste ein im Tierpark aufgezogener Huskie erleben. Statt sich als Jungtier in die Rangfolge einzufügen, begrüßte er einen Leitwolf mit aufgestellten Schwanz. "Für den war alles lustig und fröhlich. Nachher mussten wir ihn wieder zusammenflicken", erläuterte Neumann das Kommunikationsproblem. Ein Grund für das gegenseitige Unverständnis sei, dass sich der Hund am Menschen, der Wolf aber an der Gruppe orientiere. Zum Abschluss gab Neumann den Hundebesitzern im Publikum Tipps mit auf den Weg. Sein Rat für den Hundekauf: den Kandidaten schon als Welpen mit nach Hause nehmen (Prägephase). Gegen das Leinezerren helfe aber nur eins: "Ignorieren Sie ihren Hund einfach."

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