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Freibad und Eisbahn veraltet, Festhalle marode / "Haben kein Konzept"

Wirtschaftsbetriebe Stadthagen: Defizit klettert auf 760 000 Euro

Stadthagen (ssr). Rund 760 000 Euro wird die Stadt Stadthagen im laufenden Jahr als Verlustabdeckung in ihre Wirtschaftsbetriebe stecken. Die Kalkulation bis zum Jahr 2012 sieht einen jährlichen Zuschuss von rund 720 000 Euro vor. Politisch gewollt war vor fünf Jahren - im Vorfeld des Baus des neuen "Tropicana" - eine mittelfristige Deckelung auf etwa 500 000 Euro. Doch diese steht weiter in den Sternen.

Mit aktuell rund 500 000 Euro Zuschussbedarf pro Jahr macht das Freizeitbad "Tro picana" den Löwenanteil des Defizits aus (siehe Kasten). Im kommenden Januar wird nach Angaben von Helmut Kirchhöfer, Geschäftsführer der Wirtschaftsbetriebe, eine moderne Wasseraufbereitungsanlage installiert. Diese soll sich nach drei Jahren amortisiert haben und dann die jährlichen Betriebskosten um knapp 50 000 Euro senken, indem sie 15 000 Kubikmeter Frischwasser einspart. Weitere Einsparungen sind in jüngster Zeit laut Kirchhöfer durch Ausgliederung der Reinigung und des Wellness-Bereichs erreicht worden. Zudem seien die Tarifsteigerungen der vergangenen Jahre durch Straffung beim Personal zumindest ausgeglichen worden. Zur Einnahmeseite: Beim Start des neuen "Tropicana" Mitte 2006 hatte es laut Bürgermeister Bernd Hellmann "äußerst moderate Einführungspreise" gegeben, um "möglichst schnell wieder an den Markt zu kommen." Vor sechs Monaten gab es eine Erhöhung, doch diese Preise seien "weiterhin gewollt familienfreundlich und sozialverträglich, eine weitere Steigerung ist im Moment überhaupt kein Thema." Vor dem Start des "Tro picana" war gutachterlich mit 300 000 Besuchern pro Jahr kalkuliert worden. In der Realität sind es 2007 wie 2008 jeweils knapp 280 000 Besucher gewesen. Kirchhöfer: "Die Konkurrenzsituation ist deutlich schärfer als vor fünf Jahren." "Was bei den Kosten optimiert werden konnte, haben wir optimiert, da bleibt nur noch Feinjustierung", zog Hellmann Zwischenbilanz. Was heißt: Mit zwischen 450 000 und 500 000 Euro Defizit pro Jahr beim "Tro picana" ist auf jeden Fall weiterhin zu rechnen: "Wenn man ein solches Freizeitbad will, muss man sich dazu halt bekennen." Wer das Defizit der Wirtschaftsbetriebe spürbar senken wolle, fuhr Hellmann fort, müsse also auf Wellenfreibad, Eisbahn und Festhalle schauen. Die Technik des Freibades ist laut Kirchhöfer älter als 30 Jahre, da wäre eine Modernisierung denkbar, die anschließend Betriebskosten spart. Die Eisbahn ist in absehbarer Zeit abgängig. Nochbis Mitte 2009 läuft ein Betriebsvertrag mit E.on. "Danach", sagte Hellmann, "ist von der Null-Lösung bis zur großen Variante, eventuell auch in der Altstadt, alles denkbar." Bei der maroden Festhalle "muss was passieren", sagte der Verwaltungschef: "Ob das aber eine kleine oder eine große Lösung wird, da möchte ich mich derzeit öffentlich nicht aus dem Fenster lehnen." Nicht nur für die letztgenannte, sondern für alle diese Fragen hätten die Stadtverwaltung und die Geschäftsführung der Wirtschaftsbetriebe "kein endgültiges Konzept", bekannte Hellmann: "Ich will nicht spekulieren, in welche Richtung das am Ende alles geht." Aber: "Wir haben Ideen, und die werden wir den Ratsfraktionen und dem Aufsichtsrat vorlegen. Wir haben einen zeitlichen Fahrplan, bis wann wir von der Politik Weichenstellungen erwarten." Erste Signale könnten schon im städtischen Etat für 2009 sichtbar werden.

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