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Sparkasse und Volksbank geben gemeinsam Machbarkeitsstudie für Steinangerbebauung in Auftrag

"Wir müssen wissen, woran wir sind!"

Rinteln (wm). Sparkasse und Volksbank wollen gemeinsam bei zwei Gutachtern eine Machbarkeitsstudie für eine Steinangerbebauung in Auftrag geben - auf eigenes Risiko, auf eigene Kosten.

Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz hatte den Verwaltungsausschuss darüber informiert - entscheiden muss dieses Gremium nichts. Denn die Situation ist anders als noch vor drei Jahren: 2003 war die Initiative noch vom Verwaltungsausschuss ausgegangen, der Planungsauftrag aber letztlich nicht erteilt worden, nachdem sich die Fraktionen wie die Parteibasis in die Diskussion eingemischt hatten. Die stellvertretenden CDU-Fraktionsvorsitzenden Dagmar König und Günther Maack hatten noch am Mittwoch beantragt, die Stadt solle den Verkauf der Steinangerflächen selber in die Hand nehmen. Denn ein Auftrag an Bankinstitute bedeute "automatisch einen nicht gewollten Vermarktungsauftrag". Am Donnerstag zog Dagmar König den Antrag zurück: Sie habe inzwischen neue Informationen. Sparkassenvorstandsmitglied Günther Klußmeyer erläuterte die Motive beider Geldinstitute: Eine mögliche Bebauung des Steinangers stände logischerweise immer in Wechselbeziehung und Abhängigkeit zu anderen Baugebieten: "Wir müssen einfach wissen, woran wir sind, bevor wir weitere Baugebiete anbieten. Es macht einen Unterschied, ob der Steinanger weiter auf der Tagesordnung steht oder nicht." Volksbankvorstand Joachim Schorling hält die Befürchtungen der CDU ohnehin für wenig relevant. Denn wie die Gutachten auch immer ausfallen, ohne die Gremien der Stadt ginge ohnehin nichts. Er sieht auch das Ergebnis der von der CDU initiierten Diskussionsrunde skeptisch: Dass die Anwohner am Steinanger keine Veränderung wünschten, sei zu erwarten gewesen. Und eine Bürgerbeteiligung gebe es automatisch, wenn ein Bebauungsplan aufgestellt werden sollte. Klußmeyer wie Schorling betonten, die Gutachter würden in keiner Richtung festgelegt, es gehe nicht darum "bestimmte Interessen durchzusetzen", sondern abzuklären, was machbar ist - deshalb habe man einen "örtlichen" und einen Gutachter aus Celle beauftragt. Bei Gesprächen mit Baudezernent Reinhold Koch, die in der Sparkasse geführt worden seien, habe sich herauskristallisiert, ein "Mix" könnte die beste Steinangerbebauung werden, also generationenübergreifendes Wohnen, vielleicht Stadthäuser, dazu spezielle seniorengerechte Wohnungen. Koch betonte gestern auf Anfrage, geklärt werde in den Gutachten auch, "wie viel Bebauung der Steinanger überhaupt verträgt". Schützenhilfe haben die Befürworter einer Steinangerbebauung jüngst von gleich zwei politisch unabhängigen Experten erfahren: Der Gutachterausschuss für Grundstückswerte bei der Behörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften (GLL) stufte den Steinanger als "attraktive Wohnlage"ein. Dort gebaute Seniorenwohnungen seien - nach wie vor - mit Erfolg zu verkaufen oder zu vermieten. Diplom-Ökonom Matthias Günther aus Hannover vom Pestel-Institut für Systemforschung mahnte zudem an, mit einer "Bestandsverwaltung" sei keine Stadtentwicklung möglich. Die Weserstadt brauche mehr Bürger und damit weiteren zentrumsnahen, modernen, attraktiven Wohnraum. Als Wahlkampfthema werden sich die Gutachten allerdings für keine Partei mehr eignen. Beide Gutachten, versicherte Günther Klußmeyer, würden erst Ende September vorliegen - nach den Wahlen.

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