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ver.di ruft in Rinteln zum Streik auf / Kollegen demonstrieren in Hannover

"Wir machen diese Salamitaktik beim Jobabbau nicht mehr mit!"

Rinteln (ur). Ungerührt vom kalten Nieselregen versammelten sich gestern am frühen Morgen Beschäftigte von Krankenhaus, Bauhof und Straßenmeisterei vor ihren jeweiligen Arbeitsstätten, um unter roten Gewerkschaftsfahnen und Streikplakaten zu bekunden, dass die Kampfmaßnahmen in der laufenden Tarifauseinandersetzung zwischen ver.di und den öffentlichen Arbeitgebern inzwischen auch Rinteln und den Schaumburger Südkreis erreicht haben.

Die einen sahen der gemeinsamen Fahrt mit zwei wohlgefüllten Bussen von Rinteln zur Großkundgebung nach Hannover mit fröhlicher Entschlossenheit entgegen, bei anderen dokumentierte schon das grimmige Mienenspiel, dass hier wirklich Menschen antraten, die um den langfristigen Erhalt ihrer Arbeitsplätze in sozial vertretbaren Rahmenbedingungen kämpfen. "Schreibt bloß nicht, dass es uns nur um die 18 Minuten Mehrarbeit geht", ruft ein vielleicht Fünfzigjähriger von der Straßenmeisterei den Journalisten zu, die sich am Abfahrtsort eingefunden haben. "Unsere Arbeitsbedingungen werden schon seit Jahren scheibchenweise verschlechtert, und diese Salami taktik muss endlich mal ein Ende haben." Sein Nachbar pflichtet ihm bei: "Es wird doch bei uns kaum noch ausgebildet, und vonÜbernahmegarantien für den Nachwuchs ist schon lange keine Rede mehr: Das wird von den Arbeitgebern voll auf Stellenabbau gefahren!" Sie fühlen sich als Opfer der Sparpolitik - aber als Opfer, die keineswegs gewillt sind, eine solche Entwicklung einfach hinzunehmen: "Wir werden den Tarifpartnern in Hannover unsere Entschlossenheit zeigen und sind noch lange nicht am Ende unserer Möglichkeiten." Dennoch versichern die Gewerkschafter, die Ausein andersetzung mit Augenmaß zu führen: "Der Winterdienst ist abgesichert, auch wenn man vielleicht manchmal etwas länger warten muss, bis alle Straßen geräumt sind." Und die Kollegen vom Krankenhaus betonenübereinstimmend: "Kein Patient wird unter den Streikaktionen über Gebühr auf Versorgung und Behandlung warten müssen." Das Einladen der Marschverpflegung ist beendet, die letzten Männer in ihren leuchtend roten Wetterjacken steigen ein, und die Busse aus Rinteln rollen los in Richtung Hannover, wie einige hundert Busse mehr aus anderen Städten und Kreisen. Im Verkehrsfunk wird unterdessen nachdrücklich vor Verkehrsbeeinträchtigungen im Raum Hannover gewarnt - schließlich hat parallel zur Großdemonstration mit zentraler Kundgebung in der Landeshauptstadt auch die CeBIT ihre Pforten geöffnet, immerhin die größte Computermesse der Welt.

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