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„Wir haben nicht Angst, wir haben Respekt“

Von Mitte August bis Mitte Januar kommt das erste Kontingent zum Einsatz, ab Januar bis Mitte des Jahres 2011 kommt die zweite Truppe nach Nordafghanistan. 80 Prozent dieser Einsatzsoldaten stammen aus der Medem-Kaserne in Holzminden, die restlichen Soldaten sind Spezialisten aus dem gesamten Bundesgebiet. Mit der zweiten Truppe wird nach jetziger Planung auch der Kommandeur des Panzerpionierbataillons, Oberstleutnant Thomas Lühring, dabei sein.

Die schnelle medizinische Versorgung vor Ort ist ein wichtiger A

Von Frank Müntefering

Schwerpunkt des Einsatzes 2011 wird der Aufbau einer Pionierschule in Afghanistan sein. Dafür müssen Ausbilder und Soldaten in Mazar-e-Sharif gestellt werden. Die Pioniere sollen die afghanische Nationalarmee ausbilden. Weiterhin stellt Holzminden Einzelpersonal für multinationale Stäbe in Afghanistan. Insgesamt 18 Monate ist das Bataillon in Holzminden durch Auslandseinsätze gebunden. 220 Soldaten sind davon betroffen und gehen in den Einsatz. Die Vorbereitung dafür läuft auf Hochtouren, berichtet Oberstleutnant Lühring. Im August werden die ersten 80 Soldaten, dabei vier Soldatinnen, in das Einsatzgebiet verlegt.

Im zweiten Halbjahr 2011 muss Holzminden zusätzlich einen Pionierzug für das ORF-Bataillon (Operational Reserve Forces) auf dem Balkan stellen. Zum Pionierzug gehören 33 Soldaten. Schwerpunkt des Einsatzes bleibt Afghanistan. Hier gehen nur Zeit- und Berufssoldaten in den Einsatz.

Die Pioniere werden gemeinsam mit den Fallschirmjägern des Fallschirmjägerbataillons 313 aus Seedorf im Einsatz sein. Die Panzerpioniere bereiten sich seit Anfang des Jahres intensiv auf den Einsatz vor. Dabei gibt es unterschiedliche Ausbildungsstufen. Zunächst werden die typischen Handfertigkeiten der Soldaten (Schieß- und Sprengausbildung, Sanitätsausbildung, Ausbildung auf Panzern und weiteren geschützten Fahrzeugen) geübt. Schwerpunkt der Sanitätsausbildung ist die Erstversorgung am Einsatzort.

Bei der Übungseinheit „Häuserkampf“ sichern zwei Sol
  • Bei der Übungseinheit „Häuserkampf“ sichern zwei Soldaten die Umgebung.

Wichtig ist, ein Höchstmaß an Kohäsion zu erreichen und somit auch das Zusammenspiel aller Soldatinnen und Soldaten für den Einsatz zu optimieren. Die Zusammenarbeit und der Zusammenhalt wird erst in der Gruppe, dann im Zug, in der Kompanie und schließlich im Bataillon aufgebaut und intensiviert. Dazu kommt intensive Gefechts-, Patrouillen- und Konvoi-Ausbildung.

Die Bundeswehr reagiert auf die aktuelle Situation im Einsatzgebiet. Einsatzorientierte Ausbildung ist die Vorgabe: Was ist beispielsweise bei Sprengfallen zu tun? Die Kampfmittelräumer, Spezialisten des Bataillons, werden an der Pionierschule in Ingolstadt mit den neuesten Räumsystemen vertraut gemacht. „Die Schulung muss nachhaltig sein, am Gerät muss perfekt ausgebildet werden, dass gilt auch für die Kraftfahrer, die auf Fahrzeugtypen wie zum Beispiel Eagle, Dingo und TPZ ausgebildet werden“, sagt Oberstleutnant Lühring. „Die Männer müssen das im Einsatz in allen Situationen wie im Schlaf beherrschen.“

In die Ausbildung werden immer wieder aktuelle Informationen aus dem Einsatzgebiet eingearbeitet. Wie wurden die Soldaten angegriffen, wie wurde reagiert, wie können wir uns besser in solchen Gefahrensituationen schützen? Bevor die Soldaten in den Einsatz gehen, erfolgt auch eine gründliche Vorbereitung im persönlichen, sozialen und mentalen Bereich, macht Lühring deutlich. „Wir fühlen uns auch für die Familien unserer Soldatinnen und Soldaten verantwortlich.“

Oberstleutnant Lühring hat eine klare Einschätzung des Einsatzes in Afghanistan: „Wir haben nicht Angst, wir haben Respekt, weil wir wissen, in welche Bedrohungslage wir gehen.“ Nur bestmöglich ausgebildete und bestmöglich ausgerüstete Soldaten sollen in den Einsatz geschickt werden.

Doch nicht nur die soldatische und einsatzorientierte Ausbildung ist dabei wichtig. Für Lühring spielt das psychosoziale Netzwerk eine gewichtige Rolle, das er für seine Soldaten ausgebaut hat. Mit Psychologen, Truppenarzt, Pastor, Sozialarbeiter werden Gespräche geführt. „Was ist zu beachten, wenn ihr in den Einsatz geht? Welche Dinge gibt es im Vorfeld zu Hause zu regeln?“, so der Kommandeur.

Auch für die mentale und psychologische Betreuung des schwierigen Einsatzes gibt es neue Unterstützung. Im Zentrum für Innere Führung in Koblenz wurden sogenannte Peers ausgebildet. Soldaten, die im Konfliktfall erste Ansprechpartner für Soldaten sind. Dabei handelt es sich um erfahrene Soldaten, die im Idealfall schon mehrfach im Einsatz waren.

Eines hat Oberstleutnant Lühring den Soldatinnen und Soldaten immer wieder eingeschärft. „Nur gemeinsam im Team kann die Herausforderung gemeistert werden, und wir dürfen nicht in berechenbare Routine verfallen, sie kann tödlich sein. Es darf keine Nachlässigkeit geben.“

Aus dem Bataillon geht als erstes eine Panzerpionierkompanie nach Afghanistan. Sie wird aus dem Feldlager Kundus heraus mit dem Ausbildungs- und Schutzbataillon operieren. Auch wird man längere Zeit außerhalb des Lagers sein. Im Rahmen der neuen Strategie soll vermehrt in die Fläche gegangen werden. „Partnering“ ist angesagt, es soll zusammen mit den Soldaten der afghanischen Nationalarmee gehandelt werden und mehr Präsenz in der Fläche gezeigt werden.

Dort werden die Soldaten auch Tage oder Wochen in Außenposten oder Basislagern leben und arbeiten, mit afghanischen Soldaten. Natürlich, so Lühring, haben sie dann eine eingeschränkte Lebensweise. Zusammen mit den Holzmindener Pionieren sind amerikanische, schwedische und norwegische Soldaten im Einsatz.

Für Oberstleutnant Thomas Lühring gibt es für die bevorstehenden Einsätze zwei wichtige Vorgaben: Bestmögliche einsatznahe Ausbildung und insbesondere im Einsatz „Zusammenstehen und aufeinander achten“. Dazu dient die intensive Vorbereitung für die Holzmindener Panzerpioniere, bevor es nach Afghanistan geht.

Holzmindener Soldaten müssen nach Afghanistan. Es gibt einen neuen Auftrag für das Panzerpionierbataillon 1. Für die Neuaufstellung von zwei Ausbildungs- und Schutzbataillonen müssen die Holzmindener Panzerpioniere nacheinander zwei Kompanien schicken. Einsatzgebiet ist die Region um Kundus. Derzeit bereiten sich die Soldaten in Holzminden auf den Einsatz vor.

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