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Civitaner fördern Präventionsprojekt / Informationsveranstaltung zum Thema „sexueller Missbrauch“

„Wir haben die Gruppe emotional voll erreicht“

Bad Münder (hzs). Den Eltern, die zur Informationsveranstaltung in die Aula der Grundschule Bad Münder gekommen waren, schwante Böses, als sich der nette Fotograf Tom an Julia heranmachte. Und tatsächlich. „Zieh doch mal dein Turnzeug aus“, fordert der von der völlig verunsicherten Neunjährigen.

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„Finger weg von Julia“, so heißt das Theaterstück, das Regina und Klaus Gwiasda in fantasievoller und vor allem kind- und altersgerechter Weise als Kombination von Puppen-, Schauspiel und Mitmachaktion den Zuschauern präsentierten. Mit ihrem „Mathom“-Tournee-Theater haben sich die beiden Schauspieler aus Melle auf Kindertheater-Produktionen spezialisiert und engagieren sich dabei vorrangig für Präventionsarbeit gegen sexuellen Missbrauch von Kindern. „Finger weg von Julia“ eignet sich für Kinder ab fünf Jahre.

„Die von den Münderaner Civitanern geförderte Theateraufführung besteht zum einen aus der Elterninformation am Vorabend und zum anderen aus einer Schulaufführung am nächsten Morgen“, erklärt der Münderaner Grundschulrektor Christoph Schieb.

Nicht nur Ortsbürgermeisterin Petra Joumaah und der stellvertretende Stadtbürgermeister Hans-Ulrich Siegmund zeigten sich von der Intensität des Spiels und der dramatischen Geschichte um Julias schlimmes Erlebnis betroffen. „Man hat gemerkt, wie das allen unter die Haut ging“, so Schieb.

„Wir zeigen den Eltern, wie wir die Kinder am nächsten Morgen über das Thema aufklären“, erklärte Regina Gwiasda. „Unser Ziel ist es, die Kinder damit in ihrer Persönlichkeit zu stärken und ihnen zu sagen, dass sie auch das Recht haben, nein zu sagen.“

Beim Informationsabend mit dabei waren auch einige Experten von Polizei und Kinderschutzbund. Die Hildesheimer Kinder- und Jugendpsychologin Dr. Brigitta Roy-Feiler etwa ist als Gutachterin in Missbrauchsprozessen tätig. „Die Hinweise auf Missbrauch sind oft versteckt, die Folgen schwerwiegend und sehr langfristig“, warnte sie die Eltern.

„Wir hoffen, dass wir das Stück auch noch an anderen Grundschulen in Bad Münder und in der Region zeigen können“, so die amtierende Civitan-Präsidentin Hille Fischer-Willadsen.

Aufmerksam verfolgten die Erst- und Zweitklässler sowie die Sprösslinge des Schulkindergartens das Geschehen auf der Bühne. „Wir haben die Gruppe emotional voll erreicht“, bilanzierte Irmela Grothe vom Civitan Club erfreut.

Im Anschluss versammelten sich die Dritt- und Viertklässler in der Aula. Auch wenn die Aufführung ein sehr ernstes Thema fokussierte, wussten Klaus und Regina Gwiasda ihr Publikum zu unterhalten, insbesondere indem sie es immer wieder in das Geschehen einbezogen. Schließlich sollte das Stück keine Angst machen, sondern die Mädchen und Jungen ermutigen, sich zu wehren und gut auf sich aufzupassen. Nach der jeweils rund einstündigen Aufführung nutzten die Schüler die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

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