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Vor Gericht: 500 Euro Geldstrafe / Rentnerärgert sich über Fahrstil eines Studenten und schlägt zu

Wildwest-Szenen auf dem Supermarkt-Parkplatz

Bückeburg (ly). Klarer Fall von Selbstjustiz: Weil ihm der Fahrstil eines Studenten nicht passte, ist ein Rentner (67) dem 28-Jährigen anschließend auf dem Parkplatz eines Bückeburger Supermarktes an den Kragen gegangen. Ein Tritt ans Bein und Schläge mit einer Stablampe gegen den Arm sollten den jungen Mann lehren , künftig anders zu fahren.

Dem Rentner ist vielleicht dies eine Lehre: Wegen vorsätzlicher Körperverletzung hat das Amtsgericht ihn jetzt zu 500 Euro Geldstrafe verurteilt. Angesichts der "ganz leichten Verletzungen" des Opfers beließ es Richter Armin Böhm bei 25 Tagessätzen. Dennoch: "Es geht nicht an, dass man das Recht in die eigene Faust nimmt", so Böhm. Vor Gericht legte der angeklagte Bückeburger noch einmal nach, wenn auch nur mit Worten. Trotzdem mussten Böhm und Oberstaatsanwalt Bodo Becker den 67-Jährigen zur Ordnung rufen. Maßlos hatte sich der wild gewordene Rentner am Vormittag des 15. November 2007 über den Studenten geärgert. "O Gott, O Gott", dachte er, als der junge Mann - angeblich - einem toten Vogel auf der Petzer Straße auswich. "Erst fährt er langsam, dann bremst er, dann ein Schlenker über die Mittellinie. Der hat mich zum Wahnsinn getrieben." Und dann der Höhepunkt: "Ich will überholen, da gibt er plötzlich Gas und grinst mich dreckig an. So etwas ist mir in meiner ganzen Fahrpraxis noch nicht passiert." Den Rentner als leicht erregbar zu bezeichen, wäre vermutlich stark untertrieben. "Ich war ganz außer mir", erinnert er sich an die Wildwest-Szenen auf der Straße. "Das ist, als ob einer auf mich schießt." Danach ging's ja noch weiter: Auf dem Parkplatz des Supermarktes kam der 67-Jährige sofort auf 180. Natürlich erregten die hässlichen Szenen Aufsehen. "Aber alle, die da rumstanden und quasselten, wussten gar nicht, worum es ging." Der Student wusste es. Er erstattete Anzeige, worauf derältere Mann zur Polizei musste. "Dort haben sie Fingerabdrücke genommen. Ich wurde behandelt wie ein Massenmörder." Dabei sei die Tat bloß "Kinderkram" gewesen. Von wegen. Der Täter hatte sich am Rande einer gefährlichen Körperverletzung bewegt, und darauf stehen für den Anfang mindestens sechs Monate Freiheitsstrafe. Übrigens hat der Student seine Fahrweise ganz anders in Erinnerung: "Ich fuhr 100, als neben mir ein Auto auftauchte, um bei Gegenverkehr zu überholen. Dann setzte sich der Fahrer wieder hinter mich und blendete auf." Was auch immer passiert ist an jenem Donnerstag: "Wieso kann man da als lebenserfahrener Mann nicht drüber stehen?", fragt Staatsanwalt Becker. "Der Klügere gibt nach, heißt es doch immer."

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