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Wie von gestern und ganz heutig

Von Richard Peter

Hameln.  So ein bisschen als wäre die „arche“ in den Farbkasten gefallen, so prallbunt präsentiert sich die neue und erste Ausstellung der Künstlergruppe im noch jungen Jahr 2010 mit Arbeiten von Gina Gass. Verstärkt noch, weil sich die Galerie am Haspelmathturm ganz naturnah und schneeweiß renoviert präsentiert.

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Von Richard Peter

Hameln.  So ein bisschen als wäre die „arche“ in den Farbkasten gefallen, so prallbunt präsentiert sich die neue und erste Ausstellung der Künstlergruppe im noch jungen Jahr 2010 mit Arbeiten von Gina Gass. Verstärkt noch, weil sich die Galerie am Haspelmathturm ganz naturnah und schneeweiß renoviert präsentiert.
 Natürlich täuscht der erste Eindruck – denn was da so farbintensiv an den Wänden hängt, ist alles andere als farbenfroh. Gina Gass hat sich von russischer Malerei, Landschaften und bitterer sozialer Realität inspirieren lassen. Hat viele Fotos während einer Russlandreise aufgenommen und später im Atelier in Öl auf Holz oder Leinwand festgehalten. Für Gass, die lange in der DDR lebte, bedeutet das auch, wie arche“-Chefin Annemarie Hodges in ihrer Begrüßung sagte: „den Sozialismus abarbeiten“.
 Als wäre die Zeit still gestanden, erinnern die Bilder an das, was als „Russischer Realismus“ in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bekannt wurde. Serows „Pferde am Teich“ etwa oder „Der Rekrut“, Archipows „Waschfrauen“, die „Scheune“ und Lewitans „Mondnacht im Dorf“. Die Beispiele ließen sich endlos fortführen.
 Bei Gina Gass heißt es titelgebend „Auf der Newa“, „Petersburger Impressionen“ – ein nüchterner „Waschraum“, eine „Markt“-Impression, „Wartezimmer“. Aber auch „Verseuchtes Land“ und „Gebeutelte Landschaft“.
 Viele Details, die dahinter die Armut und das Elend erkennen lassen, in dem dieses unendlich reiche Land seit Jahrhunderten gefangen gehalten wird. Genre-Bilder, Landschaften – beides trostlos. Überall Auflösung.
 Reizvolle Hängung in der „arche“ mit verschiedenen Farbgruppen, Farbinseln, wenn nicht solistisch in einzelnen Bildern der düstere Grundton durch eine exponierte Grellfarbe für Spannung sorgt. Bevorzugte Farben, die hervorstechen: Ein verwaschenes Grün, ein eigenwilliger Gelbstich, immer wieder ein kräftiges Rot. Aber auch, wie in ihrer Serie Woman: zarte, pastose Farbgebung wie bei Figurinen.
 Was am meisten erstaunt: wie diese sehr identifizierbare Malweise bei den meisten Besuchern ankommt – auch Erinnerungen auslöst an gesehene, erlebte Bilder. Die Lust am Entdecken weckt.
 So zeigt sich diese in der Malweise wie ein Rückschritt in längst vergangene Bilderwelten wirkende Ausstellung, auch ganz nah und heutig und beweist: dass der reale Bildentwurf immer wieder neu faszinieren kann. Es war eben alles schon einmal da und wie in der Mode: Irgendwann kommt alles wieder.

 4 Die Ausstellung ist bis 14. Februar jeweils mittwochs von 11 bis 13 Uhr, samstags von 10 bis 13 Uhr und sonntags von 11 bis 14 Uhr geöffnet.

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