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Eisenbahn: Zwei Befürworter nehmen auf der Hauptversammlung den VVO in die Zange

"Wie Sie damit fertig werden, ist Ihre Sache"

Obernkirchen (rnk). An diese Jahreshauptversammlung werden sich die Mitglieder des Verkehrs- und Verschönerungsvereins wohl noch länger erinnern: Mit der Gewalt eines Dampfzuges in voller Fahrt überrollten Dr. Konrad Bögel und Peter Schultz die rund 20 Anwesenden unter dem Tagesordnungspunkt "Verschiedenes". Inhaltlich ging es um die Frage, inwieweit sich der Verein an der Revitalisierung der Eisenbahnlinie beteiligt.

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Bevor Schultz seine guten Nachrichten verkünden konnte, hatte Bögel die Gesamtlage umrissen. Zwar seien seine im Stadtrat vorgestellten Pläne (wir berichteten) dort "abgeschmettert" worden, aber bei rund "80 bis 90 Prozent" der Bevölkerung finde die Idee Anklang, was auch über 500 gesammelte Unterschriften für den Personennahverkehr auf der Schiene beweisen würden. Jetzt sei eine Begehung der Strecke geplant, "außerdem wollen wir dort einen Zug fahren lassen". Probleme mit diesem Plan sah Bögel nicht: "Wir sind ja Eigentümer." Sofort nach Bögel ergriff Schultz das Wort. Am 21. Februar um 8.30 Uhr werde es eine Besichtigung des Bahnhofes und der Strecke geben, er habe dazu einen Fachmann aus dem technischen Bereich eingeladen, außerdem werde "Ende März, Anfang April" ein Unternehmen aus Salzgitter eine Versuchsfahrt mit Publikum unternehmen. "Der Zug wird kommen", erklärte Schulz und war sich ganz sicher: "Das wird ganz groß." Der Landkreis sei informiert, auch das Wirtschaftsministerium in Hannover, Staatssekretäre, wenn nicht Minister würden nach Obernkirchen kommen, das Fernsehen sowieso, so erklärte Schultz, der sichfreute, dass "wir jetzt hier lautere Töne hören". Allerdings stufte er in diesem Zusammenhang das Gewicht der Bergstadt als "kleines Gekreische" ein. Nur wenn Obernkirchen eine neue "Lebensader" wie die Bahn schaffe, so ergänzte Bögel, habe man eine Chance, den Bevölkerungsschwund aufzuhalten. Er entwarf das Bild einer idyllischen Kleinstadt, in der morgens die Kinder aus dem Hause kommen und froh gelaunt in ihre Bahn steigen. Schultz drückte es so aus: "Die Bevölkerung möchte nicht mehr eingeschlossen sein." Gut 20 Minuten warfen sich Bögel und Schultz die rhetorischen Bälle zu, Zwischenfragen oder gar Widerspruch wurde nicht zugelassen. Als Ursula Hase, kurz zuvor zur neuen Kassenwartin gewählt, gleich zweimal nachfragte, welche Kosten denn auf den Verein zukommen könnten, wurde sie von zwei Seiten zurechtgewiesen: Kein Mensch, so Schultz, wisse, was das koste. Darum gehe es auch gar nicht: "Wir müssen das Zeitfenster weiter öffnen." Das Finanzielle, so erklärte Bögel unmittelbar darauf, "wird immer nur vorgeschoben. Bis Ende 2008 wollen wir wissen, was finanzierbar und machbar ist". Da Bögel in seinem ersten Redebeitrag den Antrag gestellt hatte, dass der VVO die Pläne zur Wiederbelebung der Bahn unterstützen solle, musste abgestimmt werden. Etwa die Hälfte der Mitglieder war dafür, nach Gegenstimmen und Enthaltungen wurde nicht gefragt. Geht es nach Bögel und Schultz, werden die Mitglieder vor allem körperliche Präsenz beweisen müssen: Wenn der Zug präsentiert wird, soll der VVO am Bahnhof einen Info-Stand aufbauen, außerdem sollen am Bahnhof und an den möglichen Haltepunkten Musiker die hohen Herren aus Hannover unterhalten und zugleich für die Fernsehvertreter schöne Bilder von glücklichen Menschen liefern. Zugleich wurde beschlossen, dass der VVO sich innerhalb der Agenda 21 und des Stadtmarketingsprozesses natürlich an dem Projekt beteiligt. Wie Schultz mehrfach erklärte, werde er in den nächsten Wochen jeden Verein in Obernkirchen und jede Institution ansprechen, "auch wenn wir jetzt auf einer anderen Ebene sind". Beim Verkehrs- und Verschönerungsverein sah vorgestern er seine Mission als erfüllt an. "Ich habe Sie informiert. Wie Sie damit fertig werden, ist Ihre Sache."

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