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Test der Redaktion / Nach einer einfachen Anfrage können schon mal Tage vergehen

Wie schnell antworten unsere Behörden?

Hameln. Wie viel Zeit lassen sich Behörden und kommunale Unternehmen mit der Beantwortung einer einfachen Frage? Reagieren sie schnell, wie man es von einem Dienstleister erwartet? Lassen sie Tage verstreichen, ehe sie sich gegenüber dem Bittsteller Bürger zu der gewünschten Auskunft bequemen? Die Redaktion wollte es genau wissen, hat zehn Institutionen per E-Mail angeschrieben und auf die Antwort gewartet – mal länger, mal kürzer, und auf zwei warten wir bis heute noch.

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Autor:

Brigitte Niemeyer

Acht unserer Mails haben wir an einem Montag, zwei an einem Mittwoch abgeschickt, alle an die offizielle Behörden- oder Unternehmensadresse, alle um die Mittagszeit. Und in allen haben wir uns als Neubürger der Stadt ausgegeben. Das Amtsgericht Hameln antwortet so flink wie kein anderer Adressat und straft damit zumindest auf den Service bezogen den Spruch Lügen, wonach die Mühlen der Justiz langsam mahlen. Zwischen unserer Frage, wann und wo wir Einsicht ins Grundbuch nehmen können, und der Antwort mit Zeit- und Ortsangabe vergehen nur 46 Minuten. Etwas länger braucht die „Behörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften“, kurz: das Katasteramt in der Falkestraße. Auf unsere Frage, wann und wo wir uns über die in Hameln üblichen Grundstückspreise informieren können, erhalten wir nach einer Stunde und 29 Minuten einen freundlichen Einzeiler mit erfrischend unbürokratischem Inhalt zurück: „Für weitere Informationen rufen Sie mich einfach an oder vereinbaren Sie einen Termin mit mir.“ Auch noch gut in der Zeit liegt die Stadt Hameln. Exakt zwei Stunden dauert es, bis unsere Frage, wo und wann wir die Ummeldung erledigen können, mit dem Hinweis auf die Öffnungszeiten des Bürgeramtes beantwortet wird.

Die Klimaschutzagentur Weserbergland nimmt sich zwar sieben Stunden und 26 Minuten Zeit, doch aus dieser vergleichsweise längeren Spanne zwischen Frage und Antwort darauf zu schließen, die von Landkreis, Kommunen und Energieversorgern getragene Gesellschaft sei schon kurz nach ihrer gerade erst erfolgten Gründung dem sprichwörtlichen Behördentrott verfallen, wäre ungerecht. Die Antwort-Mail trifft nämlich um 20.29 Uhr ein, womit widerlegt wäre, dass Verwaltungen und ihnen ähnliche Organisationen vor allem eines tun: nämlich pünktlich den Griffel fallen lassen. Wann und wo wir uns über Maßnahmen zur Senkung des Energieverbrauchs in unserem 40 Jahre alten Eigenheim informieren können, wollten wir von der Agentur wissen. Die Antwort fällt viel umfangreicher aus, als wir erwartet hatten. Sie enthält neben den Öffnungszeiten und einer Telefonnummer auch gleich eine Reihe von Fragen, auf die man sich als Ratsuchender vorbereiten sollte.

Nachdem die Mail der Klimaschutzagentur eingegangen ist, herrscht in unserem elektronischen Briefkasten erst mal eine Weile Stillstand – bis sich nach 20 Stunden und 30 Minuten das Job Center Hameln-Pyrmont meldet. Und uns auf unsere Bitte um Nennung eines Ansprechpartners und Termins für eine Beratung wissen lässt: ohne persönliches Erscheinen am Empfang des Job Centers geht hier gar nichts.

Fast einen Tag (exakt 21 Stunden und 50 Minuten) lässt sich die Kreisabfallwirtschaft des Landkreises mit unserer Frage allein, wie das in Hameln mit der Müllabfuhr und den Gelben Säcken funktioniert. Die Antwort ist dann ausführlich und endet mit dem freundlichen Angebot. „Haben Sie weitere Fragen, so sprechen Sie mich bitte an.“ Nahezu zwei Tage (46 Stunden und 33 Minuten) gehen ins Land, bis sich die Agentur für Arbeit zu einer Antwort bequemt. Wir fragten nach einem Ansprechpartner, der uns bei der beruflichen Neuorientierung weiterhelfen kann – und werden auf vier Internetseiten sowie eine Servicenummer der Agentur verwiesen. Nach sage und schreibe annähernd vier Tagen (90 Stunden und 49 Minuten) und irgendwie lustlos reagieren schließlich auch die Stadtwerke Hameln auf unsere Anfrage, wer uns wann Auskunft über Strom- und Gastarife der GWS geben könnte. Die Antwort erschöpft sich in einem Satz: „Anbei die aktuelle Preisliste der Stadtwerke, für weitere Antworten stehen wir Ihnen gerne weiter zur Verfügung.“

In den Schatten gestellt werden die Stadtwerke nur noch vom Finanzamt und vom Landkreis Hameln-Pyrmont. Vor gut vier Wochen haben wir die E-Mails an die beiden Behörden abgeschickt. Auf eine Antwort warten wir bis heute. Dabei wollten wir beim Landkreis nur in Erfahrung bringen, wann und wo wir als Hamelner Neubürger unser Auto ummelden können. Und auch unser Anliegen gegenüber dem Finanzamt war schlicht: Wir wollten nur wissen, an wen wir uns wegen Fragen zu unserer Steuererklärung wenden können. Das Schweigen aus einer der letzten Bastionen unnahbarer Obrigkeit preußischen Zuschnitts heißt vermutlich so viel wie „Gehen Sie gefälligst zum Steuerberater.“ Die Geldeintreiber der Nation, so könnte man die zahllosen Einträge leidgeprüfter Steuerbürger im Internet interpretieren, haben scheinbar ein sehr spezielles Verhältnis zur Zeit. Für Beratungen finden sie keine; für Steuerbescheide mit einer Nachzahlung lassen sie sich keine; und für solche mit einer Steuerrückerstattung nehmen sie sich so viel wie irgend möglich.

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