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Wie Parteien vor der Landtagswahl um Stimmen werben

Im Bürgergespräch: Christian Grascha (von links) und Tobias Berger wollen Viktor Bock überzeugen. FOTO: MISCHER
Mischer

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Ralf T. Mischer Redakteur zur Autorenseite

SPRINGE. Christian Grascha, Parlamentarischer Geschäftsführer der FDP-Landtagsfraktion, beiger Trench-Coat und schwarze Brille mit viereckigen Gläsern, klemmt einen Stapel Wahlkampfbroschüren zwischen Daumen und Zeigefinger, knipst sein Lächeln an wie eine Taschenlampe und spricht auf dem Markt einen Passanten an: „Guten Tag.“ Tobias Berger, FDP-Landtagskandidat aus Springe, im gelben Ölzeug, reicht dem Mann mit der Schiebermütze eine Broschüre. Der streckt seine Hand aus, nimmt sie an. Wahlkampfendspurt in der Innenstadt.

„Die Stimmung ist sehr positiv“, sagt Grascha auf die Frage nach der Reaktion der Wähler, wenn sie von ihm angesprochen werden. Er macht dafür nicht nur – aber auch – „die Friedhofsruhe nach der großen Koalition“ verantworlich. Entsprechend hungrig auf neue Politikansätze seien die Bürger. „Wie bewerten Sie die Verhandlungen zur Jamaika-Koalition“, fragt der Bürger. Graschas Antwort kommt ohne Zögern: „Wenn wir unsere Inhalte nicht hinkriegen, dann gehen wir in die Opposition.“ Der Mann von der Straße zieht eine Braue hoch, lächelt verschmitzt: „Und wer soll dann regieren?!“

Beim Thema Wahlkampf reden derzeit alle über Digitalisierung, Web 2.0, Soziale Netzwerke und Twitter-Nachrichten. Auf der Straße aber nutzt das wenig. Hier ist der Augenkontakt gefragt, sind die Kommunikationskompetenz und die rhetorischen Fähigkeiten wichtiger als die Zahl der Facebook-Freunde.

Grünen-Kandidatin Nicole van der Made setzt nicht auf Amtsträger ihrer Partei aus Hannover, um Springer zu überzeugen – sondern auf die grüne Jugend. Die ist mit speziellem Werbematerial, Grünem Tee, Gummi-Bärchen und Traubebenzucker, eigens aus Hannover angerückt. Und hat den Regenschirm dabei nicht vergessen. Den brauchen sie auch, denn an diesem Dienstagmittag gibt es nur wenige Minuten, während derer kein Regen vom Himmel fällt.

„Da muss man durch“, sagt Nicole van der Made, die Grüne Direktkandidatin für Springe, „ich stehe schon kurz vor der Grippe“. Sagts – und drückt einer jungen Frau, die vorbei eilt, einen Flyer in die Hand. Im Vorbeigehen nimmt sie das Flugblatt entgegen und ist schon wieder weg.

Bei der Ansprache junger Leute setzt Timon Dzienus (21) , Sprecher der Grünen Jugend in Niedersachsen, auf das Thema Wahl-Alter. Auf einem selbstgemalten Plakat wird für eine Herabsetzung des Mindestalters für die Landtagswahl geworben: Ab 16 Jahren sollen Jugendliche in Niedersachsen über die Zusammensetzung des Landtages mit entscheiden dürfen, fordert Dzienus.

„Während der gesamten Wahlkampfzeit – sowohl beim Bundes- als auch beim Landtagswahlkampf – haben wir sehr nette Gespräche geführt, die inhaltlich sehr intensiv waren“, sagt Christiane Wiehler.

Für die Völksenerin ist es nicht der erste grüne Wahlkampf, an dem sie sich beteiligt. „Aber die Stimmung ist diesmal wirklich gut“, sagt sie. Van der Made ergänzt, dass es besonders Verbraucherthemen seien, auf die sie von den Menschen positiv angesprochen werde. Und Dzienus räumt ein, dass manche Menschen irritiert seien, dass immer noch – oder schon wieder Wahlkampf sei. „Aber sie daran zu erinnern, dass sie bitte wählen gehen, ist für mich Motivation genug, um mich auch bei so einem Wetter an den Stand zu stellen.“

Information

Auch bei der SPD-Kandidatin Kerstin Liebelt reiht sich Termin an Termin: Heute ist sie um 6.30 Uhr am Bahnhof in Völksen und verteilt Laugenstangen an die Pendler, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Anschließend ist sie beim Wochenmarkt in Eldagsen und will danach von Tür zu Tür gehen. Am Donnerstag ist sie ab 6.30 Uhr am Bahnhof in Bennigsen. Freitag steht der Besuch auf dem Wochenmarkt in Springe auf dem Programm von 9.30 bis 12 Uhr. Und: Um 9.30 Uhr bekommt sie Unterstützung vom Bezirksvorsitzenden Stefan Schostok. Am Sonnabend hat sie von 7 bis 8 Uhr in Völksen einen Stand in der Nähe der Bäckerei, Steinhauerstraße. Um 8.15 Uhr geht es für sie nach Eldagsen zum NP-Markt und um 9.15 Uhr zum Rewe-Markt Bennigsen, wo sie ebenfalls einen Stand hat.

CDU-Kandidat Torsten Luhm wird heute ab 7 Uhr in Bennigsen am Bahnhof frische Äpfel verteilen, es folgt der Bahnhof in Völksen bereits um 6 Uhr. Und am Freitag wird der Kandidat während der Marktzeiten in der Innenstadt vertreten sein.

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