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Ingeborg und Bernhard Kretschmer feiern Diamantene Hochzeit / "Uns geht es gut, wir sind absolut zufrieden"

Wie Kommissar Zufall zwei Menschen zusammen führte

Bückeburg (bus). Die Eheleute Ingeborg und Bernhard Kretschmer haben jetzt das seltene Fest der Diamantenen Hochzeit gefeiert. Das Paar bewohnt seit mehr als einem halben Jahrhundert eine adrett eingerichtete Doppelhaushälfte an der Bückeburger Jägerstraße. Zum Haus gehören ein Wintergarten und eine große Gartenfläche. Das mit der räumlichen Vielfalt und Größe sei nicht immer so gewesen, versichern die Jubilare - "am Anfang stand uns ein Raum von knapp zwölf Quadratmetern zur Verfügung."

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Die von dem Ehepaar im Nachhinein scherzhaft als "Luxuswohnung" bezeichnete Unterkunft - ein Zimmerchen mit Anderthalbschläfer, Tisch, Ofen und Waschschüssel - war in Vehlen zu finden, wohin es die Familien der aus Schlesien kommenden jungen Leute verschlagen hatte. Obwohl Ingeborg und Bernhard in der Heimat nur wenige Kilometer voneinander entfernt gelebt hatten, waren sie sich dort niemals begegnet. Das änderte sich erst, als der Teenager Kretschmer aus US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte. Der Krieg hatte dem Soldatenübel mitgespielt. Kretschmer musste die Reise ins Schaumburgische auf Krücken antreten; der linke Arm und das rechte Bein blieben im Feld. Dennoch geriet die Rückkehr zu einem durchaus erfreulichen Ereignis. "Es war mein 20. Geburtstag als ich bei meinen Eltern ankam", blickt der Senior zurück,"und gleich in der ersten Stunde des ersten Tages in Vehlen traf ich eine Frau, die mir auf Anhieb sehr gefallen hat." Die Frau hörte damals noch auf den Nachnamen Link, beherrschte das Stenotypieren aus dem "FF" und stellte ihr Können der Kriminalpolizei zur Verfügung. Dass Kommissar Zufall am 21. September 1946 zwei Menschen zueinander gesellte, die ein Leben lang nicht voneinander lassen wollten, kam schnell ans Licht. Nur zwei Jahre nach dem ersten Treffen läuteten in der Vehlener Kirche die Hochzeitsglocken. Und sechs Jahrzehnte drauf vermittelt das Paar den Eindruck, dass wenig vom frühen Glück verflogen ist. "Uns geht es gut, wir sind absolut zufrieden", sagen die Jubilare. "Wir müssen alle jeden Tag ein paar Federn lassen", verdeutlicht der Ehemann, "aber es sieht so aus, als ob wir mit ausreichend Federn zur Welt gekommen sind." Der zu 100 Prozent Schwerbeschädigte ist dank Auto und Elektro-Rollstuhl mobil, fasst im Garten mit an und kümmert sich um den reibungslosen Verkehr auf einer ziemlich umfangreichen Modelleisenbahnanlage. Er habe gerade als Rollstuhlfahrer zahlreiche positive Erfahrungen gemacht, berichtet Bernhard Kretschmer. 18 Sportabzeichen belegen die Agilität des 82-Jährigen. Für die ein Jahr ältere Ingeborg Kretschmer erweist sich als Jungbrunnen, dass mittlerweile drei Enkelkinder die Familienszenerie beleben. Zukunftspläne?: "Jetzt peilen wir erstmal in Ruhe die Eiserne Hochzeit an, was danach kommt, müssen wir dann mal sehen."

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