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Wie es bei der Sparkasse in der Küche begann

Von Tomas Krause

Hameln. Für einen Septembertag ist es viel zu kühl, als Sparkassendirektor Fasterling das Schloss zu seiner neuen Wirkungsstätte aufschließt. Die Sparkasse des Kreises Hameln ist im Kreishaus auf dem Pferdemarkt untergekommen. Die zwei Angestellten, die Fasterling zur Seite stehen, warten schon vor dem Fachwerkhaus. Als Kassenlokal des neuen Kreditinstituts dienen die beiden südlichen gelegenen, an das Amtshaus stoßenden Zimmer, Fasterlings eigenes Büro ist vorher die Küche gewesen.

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Von Tomas Krause

Hameln. Für einen Septembertag ist es viel zu kühl, als Sparkassendirektor Fasterling das Schloss zu seiner neuen Wirkungsstätte aufschließt. Die Sparkasse des Kreises Hameln ist im Kreishaus auf dem Pferdemarkt untergekommen. Die zwei Angestellten, die Fasterling zur Seite stehen, warten schon vor dem Fachwerkhaus. Als Kassenlokal des neuen Kreditinstituts dienen die beiden südlichen gelegenen, an das Amtshaus stoßenden Zimmer, Fasterlings eigenes Büro ist vorher die Küche gewesen.
 Es ist Eröffnungstag für die Hamelner Geschäftsstelle und gleich der erste Kunde ist ein prominenter Gast: Das Konto mit der Nummer 1 eröffnet der Landrat des Kreises Hameln, Graf von Pilati, höchstpersönlich. Wenige Monate vorher hatte der Landrat eine weitsichtige Entscheidung getroffen, als er im April 1910 entschied, dass der Landkreis eine eigene Kreissparkasse brauche. Mit diesem Entschluss gab er den Startschuss zur Gründung der „Sparkasse Weserbergland“, die in diesem Jahr 100 Jahre alt wird und ihr Jubiläum heute in allen 30 Geschäftsstellen feiert.
 Doch zunächst beginnt alles ganz bescheiden. Das Institut hat in der Woche täglich fünf Stunden geöffnet und die Geschäfte laufen gut, so dass sich die Leitung ein Jahr später entscheidet, erste Zweigstellen in Groß Berkel und Lauenstein zu gründen. Bis 1934 wächst das Filialnetz auf 15 Geschäftsstellen an, in der Hauptstelle der Kreissparkasse wird es langsam eng. Die Lösung: Ein Neubau muss her. Deshalb lässt die Kreissparkasse das alte Fachwerkhaus abreißen und errichtet an gleicher Stelle einen Neubau, den sie im Juni 1930 bezieht.
 Dann unterbricht der Zweite Weltkrieg alle Arbeiten. Die Belegschaft ist auf ein Minimum geschrumpft, und die Kreissparkasse muss, wie nach dem Inflationsjahr 1923, noch einmal ganz von vorne beginnen. Denn das Vertauen der Sparer, die durch die Umstellung auf die Deutsche Mark viel Geld verloren haben, ist tief erschüttert. Aber durch viel Überzeugungsarbeit und das einsetzende Wirtschaftswunder der 50er Jahre gelingt der Neustart. Die Kreissparkasse kann seine Spareinlagen von 4 Millionen Mark im Jahr 1948 auf 60,2 Millionen bis Ende 1960 steigern.
 An diese Zeit des Aufschwungs erinnert sich Heinrich Peters gut. Aus dem Krieg zurückgekommen, hatte der junge Mann einen Job in einer Klempnerei gefunden. Ein Traum bewegte den heute 83-Jährige: die Fußballweltmeisterschaft 1954 in seinem eigenen Garten verfolgen zu können. Nur das Geld habe nicht ausgereicht, um sich eine Parzelle mit Häuschen in einer Gartenkolonie leisten zu können, erzählt er. Seine Verlobte habe ihn schließlich gebeten, bei der Bank vorzusprechen, um nach einem Kredit zu fragen – viel Hoffnung hatte Peters nicht. Und dann geschah das Wunder: Peters bekam das Geld und auch seinen Garten. Am Übertragungsabend des Finales saß er auf seiner Veranda und stellte das Radio laut. Als Stürmer Helmut Rahn in der 84. Minute im Wankdorfstadion in Bern den Siegestreffer gegen die Ungarn erzielte, hätte Peters am liebsten nicht nur seine Verlobte, sondern auch seinen Berater bei Kreissparkasse umarmt, erinnert er sich.
 In den 60er Jahren beginnen sich die Mühlen in der Finanzwelt schneller zu drehen. Die Technik erhält Einzug in das Bankenwesen und die Sparkasse Weserbergland bekommt ihr erstes „Elektronengehirn“, ein Apparat, der in 200 Millisekunden fehlerfrei Rechnungsvorgänge ausführen kann. Buchungen, die vorher von Hand ausgefüllt wurden, werden nun von Transistoren und Kontakten erledigt; auch die ersten Girokonten und der damit mögliche bargeldlose Zahlungsverkehr entstehen. Als erste Sparkasse in Niedersachsen geht die Kreissparkasse Hameln-Pyrmont 1972 sogar ans Netz und ruft Daten über das Internet ab. Wieder muss die Kreissparkasse ein Platzproblem lösen – die Hauptgeschäftsstelle platzt aus allen Nähten. Also wird abermals neu gebaut, diesmal in der Nachbarschaft. Die Kreissparkasse kauft das Haus am Pferdemarkt 4, gegenüber dem Hochzeitshaus – eine historische Adresse in der Rattenfängerstadt. 1744 diente das Gebäude als Quartier für Prinz Carl von Lothringen, danach gingen Napoleons Offiziere dort ein und aus, bis letztlich der „Club der Harmonie“ einzog und das Gebäude während des Krieges als Lazarett und später als Sitz der britischen Militärregierung genutzt wurde. In den 70er Jahren entstehen außerdem etliche neue Zweigstellen im Landkreis. 1986 fällt an der Stubenstraße der Startschuss für den Um- und Erweiterungsbau der Hauptstelle. Zudem startet der Geldautomat seinen Siegeszug und macht es den Kunden leichter, ihr Geld abzuheben, 24 Stunden am Tag.
 Heute liest sich der Steckbrief der Sparkasse Weserbergland so: Rund 105 000 Kunden im gesamten mittleren Weserbergland, eine Bilanzsumme von 1,5 Milliarden Euro, 30 Geschäftsstellen, 42 Geldautomaten und 373 Mitarbeiter hat das Unternehmen. „Unsere Stärke ist unsere Nähe,“ betont der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Weserbergland, Sparkassendirektor Friedrich-Wilhelm Kaup. Denn schließlich gehe es, wenn es um Geld geht, immer auch um Menschen, um deren Wünsche und Nöte. „Ihnen und den Unternehmen in der Region fühlen wir uns eng verbunden – seit 100 Jahren und auch in Zukunft“, sagt Kaup. Deshalb liege ihm auch die eigene Sparkassenstiftung so sehr am Herzen, sagt der dem Sparkassenchef. Sie unterstützt Jugendliche und Senioren in der Region, investiert Geld in Sport und Kultur und hilft da, wo Hilfe gebraucht wird.
 Am heutigen Samstag will die Sparkasse Weserbergland ihren 100. Geburtstag mit Kunden und Gästen feiern. Deshalb hat sich das Organisationsteam etwas Besonderes einfallen lassen: eine einzigartige Synchron-Party. Gleichzeitig finden in allen 30 Geschäftsstellen von 11 bis 15 Uhr Aktionen statt. Nach Hameln kommt Deutschlands schnellster Wunderkerzen-Maler und zeichnet innerhalb von Sekunden Porträts von den Gästen. Wer sich lieber an der Spielkonsole Wii messen möchte, der sollte nach Hessisch Oldendorf fahren. Dort findet eine große Wii-Olympiade statt. In Börry, Grohnde und Hämelschenburg kommen die Liebhaber ferngesteuerter Autos bei einem Wettrennen auf ihre Kosten und in Coppenbrügge können die Gäste reich werden, zumindest auf dem Papier, beim Goldwaschen vor der Geschäftsstelle. Außerdem lockt die Sparkasse Weserbergland lockt mit einem ganz besonderen Preisausschreiben und verlost zu ihrem Geburtstag einen BMW Mini und eine Kreuzfahrt.
 Die komplette Terminübersicht gibt es im Internet unter:
 4 www.dewezet.de

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