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Vor Gericht: Auf Erntefesten Gäste verprügelt / Bewährung mit strengen Auflagen

"Wie ein Kampfhund": Gericht nimmt Schläger an die kurze Leine

Obernkirchen/Bückeburg (ly). Ein Bier reicht. Danach hat ein Obernkirchener "eine Aggressionsschwelle wie ein Kampfhund und geht auf andere Leute los", so Staatsanwalt Dr. Malte Rabe von Kühlewein. Nach einem Urteil des Bückeburger Jugendschöffengerichts wird der 20-Jährige jetzt ganz eng an die Leine genommen.

Der Heranwachsende bekommt einen Bewährungshelfer, muss sich einer halbjährigen Therapie gegen seine Aggressionen unterziehen und zwei Opfern jeweils 180 Euro Schmerzensgeld zahlen. Zugleich verhängte Richter Dr. Dirk von Behren 16 Monate Jugendstrafe mit Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung, Bedrohung sowie eines Verstoßes gegen das Waffengesetz. Ein Mitläufer (18), ebenfalls aus Obernkirchen, kommt mit 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit und 180 Euro Schmerzensgeld davon. "Mitgefangen, mitgehangen", erklärte von Behren. Beide Männer sind wiederholt vorbestraft, dem älteren attestierte der Richter "schädliche Neigungen". Was im Kopf des 20-Jährigen vorgehe, wisse das Gericht auch nicht, wie es während der Urteilsverkündung hieß. Die Taten seien öffentlich begangen worden, "wie in einer Arena". Besonders in einem von drei Übergriffen erkannte Staatsanwalt Rabe von Kühlewein zudem "eine Abscheulichkeit, die ich lange nicht erlebthabe". Auf dem Vehlener Erntefest hatte der Obernkirchener einen schmächtigen Schüler (15) Ende August vergangenen Jahres mindestens eine halbe Stunde lang mit einem Messer gequält und in Todesangst versetzt. Als sein Kumpel den Aggressor beschwichtigen wollte, erwiderte dieser nur ungerührt: "Lass mich, ich will meinen Spaß haben." Das Opfer erlitt Schnittwunden. Eine Woche später rastete der 20-Jährige erneut aus, diesmal auf dem Erntefest in Gelldorf. Er verprügelte einen anderen Gast mit einem Schlagring und versetzte dem Mann obendrein einen Fußtritt in den Rücken. Rund einen Monat danach traten beide Obernkirchener gewaltsam in Erscheinung. Während einer privaten Geburtstagsfeier in der Bergstadt verprügelte das "unheilige Duo" (Rabe von Kühlewein) einen Partybesucher auf offener Straße. Das Opfer musste anschließend eine Woche ins Krankenhaus. Dass der 20-Jährige nicht ins Gefängnis muss, verdankt er wohl einzig und allein seinem Alter. Als Heranwachsender unter 21 Jahren kam der Schläger noch einmal in den Genuss des eher moderaten Jugendstrafrechts, bei dem der Erziehungsgedanke im Vordergrund steht. Noch eine Körperverletzung - dann ist es trotzdem so weit. Für den Fall hat Richter von Behren bereits den Widerruf der Bewährung angedroht.

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