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Unbekannte beschädigen Polizeistation / Polizei erbittet Hinweise zur Tat

"Wie ein Blitz aus heiterem Himmel"

Obernkirchen (mld). Am Montagabend oder in der Nacht zu Dienstag haben ein oder mehrere Unbekannte drei Fenster der Polizeistation mit Steinen eingeworfen und die Wand des Gebäudes mit blauer Farbe beschmiert. Die Tat muss zwischen 16 Uhr am 8. Dezember und 6.30 Uhr gestern passiert sein, vermutet Polizeihauptkommissar Uwe Schröder. Und er hat einen weiteren Verdacht: Die Beschädigungen könnten im Zusammenhang mit den gegenwärtigen Unruhen in Griechenland zusammenhängen.

Sind die vier Buchstaben (links im Bild) das Kürzel des Täters o

Schröder geht von mindestens zwei Tätern aus: "Vermutlich waren sie Sympathisanten der griechischen Demonstranten." An der Außenwand der Polizeistation wurden mit blauer Farbe das Wort "Greek" (Englisch für "Griechisch") und der Satz "Das war Mord" geschmiert. Hintergrund: In Griechenland sind an diesem Sonnabend Ausschreitungen ausgebrochen, nachdem ein 15-Jähriger tödlich von einer Polizeikugel getroffen worden war. Neben dem Wort "Greek" stehen vier Buchstaben, die Schröder entweder als einen "Tag", also ein unterschriftenartiges Kürzel des Täters - in diesem Fall: "ACAD" -, oder die griechischen Buchstaben Alpha, Zeta und Delta vermutet. Was die Buchstaben bedeuten, steht aber noch nicht fest. Auch in der blauen Farbe sieht Schröder einen Zusammenhang mit Griechenland, dessen Nationalfarben weiß und blau sind. "Es wäre aber nicht die erste Handlung gegen Polizeistationen in Deutschland, die in Zusammenhang mit den Unruhen in Griechenland gesehen wird," sagt Schröder. Bundesweit hätte es in den letzten Tagen schon mehrere Taten dieser Art gegeben. Dies sei aber die erste in der Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg. Zusätzlich zu den Schmierereien wurden drei Fenster der Polizeistation eingeworfen. Ein Kollege Schröders, Polizeikommissar Bernd Steding, hat den Schaden als Erster bemerkt, als er um 6.30 Uhr seinen Dienst antrat: Sein Schreibtisch, der direkt unter einem der Fenster steht, war übersät mit Glassplittern. Ein großer Ziegelstein lag daneben auf dem Boden. Bei den anderen beiden Fenstern wurden die Doppelglasfenster nicht durchschlagen, sondern nur die vorderen Glasscheiben beschädigt. Einen kleineren Stein fanden die Polizisten zwischen den Fenstern, einen weiteren großen Stein im Beet zwei Meter unterhalb des dritten Fensters. Die Ziegelsteine, die für die Tat benutzt wurden, hätten die Täter eigens mitgebracht, mutmaßt Polizeihauptkommissar Schröder: Solche Steine gebe es in der Gegend der Polizeistation nicht. Verdächtige gebe es noch nicht: "Wir haben keine Gruppen oder Einzelpersonen im Auge. Die Tat kam für uns wie ein Blitz aus heiterem Himmel." Auch gebe es noch keine Hinweise aus der Bevölkerung. "Dabei müssen die Täter aufgefallen sein, vielleicht einem Taxifahrer. Das Scheibenklirren war bestimmt gut zu hören." Die Polizei wird sich jetzt mit dem Fachkommissariat 4 in Nienburg beraten, das unter anderem für Taten mit politischem Hintergrund, zum Beispiel beim Umgang mit Links- und Rechtsradikalen oder rassistischen Graffiti, zurate gezogen wird. Um Hinweise wird gebeten: Wer Auskünfte zur Tat oder den Tätern geben kann, möge sich bei der Polizei Obernkirchen unter (05724) 8527 melden.

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