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Vor Gericht: Hohe Haftstrafe für Vergewaltigung eines Mithäftlings

Wie der "Boss" für Disziplin sorgt und dreieinhalb Jahre kassiert

Bückeburg (ly). Es bleibt dabei: Ein früherer Häftling der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bückeburg, der einen anderen Gefangenen hinter Gittern vergewaltigt hat, muss dafür dreieinhalb Jahre nachsitzen. So hat jetzt das Landgericht entschieden und damit ein Urteil des Amtsgerichts aus erster Instanz bestätigt.

Richter Friedrich von Oertzen, Vorsitzender der Berufungskammer, charakterisierte den angeklagten Russlanddeutschen (37) als "im Knast geachteten Mann und durchsetzungsfähigen Menschen, der in der JVA offenbar mit großer Vorsicht betrachtet wird". Staatsanwalt Reinhard Meffert: "Er war der Zellenboss." Der zwischenzeitlich anderswo inhaftierte 37-Jährige sei in Bückeburg "eine große Nummer" gewesen. So hätten sich während einer Weihnachtsfeier andere Häftlinge um ihn geschart, und beim Eintreiben von Schulden habe ein Wort des sehnigen Mannes genügt. Im Januar 2005 führte der "Boss" eine "Disziplinarmaßnahme" (Meffert) in eigener Sache durch, die offenbar stundenlang dauerte. Motiv: Der 37-Jährige fühlte sich von seinen beiden Zellengenossen genervt und wollte Macht demonstrieren. Zuerst musste sich das spätere Vergewaltigungsopfer, ein körperlich weit unterlegener und seelisch schwer angeschlagener Mann bis auf die Unterhose ausziehen. Dann musste der Kleinkriminelle die Zelle putzen, wurde geschlagen, getreten, bedroht, mit dem Kopf in die Kloschüssel gedrückt und schließlich zum Oralverkehr gezwungen. Im Knast rutschte er danach auf die unterste Stufe der Hierarchie. Allein schon deshalb hielt die Kammer es für ausgeschlossen, dass der Zeuge die Vergewaltigung erfunden haben könnte. Unfassbar, aber Richter von Oertzen würde es "nicht wundern, wenn er eines Tages mit eingeschlagenem Schädel aufgefunden wird". Nach dem Vorfall waren beide Männer getrennt worden, um sie später in andere Anstalten zuverlegen. Opfer-Anwältin Monika Brünger hat "selten einen derart gebrochenen Mann gesehen" wie ihren Mandanten. Gegen den offenbar hochgradig gefährlichen Deutschrussen (zwölf Vorstrafen), der in Fußfesseln vorgeführt und von zwei Wachtmeistern keine Sekunde aus den Augen gelassen wurde, ist übrigens schon wieder ein neues Verfahren anhängig. Dem Vernehmen nach geht es um räuberische Erpressung. Mutmaßlicher Tatort: die Zelle.

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