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Ukrainisches Ensembleüberzeugt 200 Gäste in Bad Eilsen mit gregorianischen Chorälen

Wie das Kurtheater zum Kirchenschiff wird

Bad Eilsen (sig). Spartanisch ging es zu. Keine Dekoration, keine Requisiten - als Hintergrund nur der blanke eiserne Vorhang. Und aus dem Halbdunkel traten sieben vermummte Gestalten in das Bühnenlicht. Sie trugen braune Mönchskutten, und ihre Köpfe versanken förmlich in den gleichfarbenen Kapuzen. Diese Schlichtheit hatte den Vorteil, dass man sich voll auf die Darbietungen der ukrainischen Gruppe "Gregorianika" konzentrieren konnte. Und das lohnte sich!

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Gut 200 Besucher waren in das Kurtheater gekommen. Einige erinnerten sich vielleicht noch daran, dass dieses Gesangsensemble bereits vor drei Jahren in Bad Eilsen zu Gast war - damals im Kursaal. Die intime Atmosphäre des Theaters war aber zweifellos geeigneter für ihren Auftritt. Dunkel und mystisch sind diese Klänge, die speziell in großen Kirchenschiffen noch an Eindringlichkeit zunehmen. Dort und in den Klöstern war im Mittelalter ihre musikalische Heimat, auch wenn der bereits im sechsten Jahrhundert lebende Papst Gregor als Namensgeber dient. Er hatte eine Neuordnung der Liturgie veranlasst. Über sein kirchenmusikalisches Schaffen ist nichts näher bekannt. Was einst fester Bestand der Liturgie der Gottesdienste war und unter anderem im französischen Kloster Solesmes zur großen Blüte geführt wurde, das war auch ein wichtiger Bestandteil des Konzertes im Bad Eilser Kurtheater. Zumindest ein Großteil des Programms bestand aus Chorälen und anderen geistlichen Liedern. Das Programm begann mit einem gesungenen Mönchsgebet und enthielt im ersten Teil unter anderem das "Ave verum", das "Ave Maria" und das "Vater unser". Mit "Knight in shining armour" und "Shangri La" zeigte das Ensemble anschließend aber auch, dass ihm moderne populäre Kompositionen nicht fremd sind. Nach der Pause, in der im Foyer des Theaters so manche CD den Besitzer wechselte, beschränkte sich der Chor ausschließlich auf sakrale Musik. Dazu gehörten das "Kyrie Eleison", das "Ave verum corpus" und "Ora et labora". Ganz bewusst als Schlussstück hatte das Ensemble eine Komposition mit der Bezeichnung "Tibet" gewählt. Sie soll die Erinnerung wach halten an ein unterdrücktes Volk und an dessen tief verwurzelten Glauben. Es gab noch als deutsche Zugabe das Abendlied "Guten Abend, gute Nacht", das mit großer Einfühlsamkeit dargeboten wurde. Ein mit viel Beifall aufgenommener Abschluss eines Konzertes, das durchaus noch etwas länger hätte dauern können. Die einstimmigen gregorianischen Choräle, bereichert durch großartige solistische Leistungen, erreichten trotz ihrer Schlichtheit durch ihre stimmliche Präzision, ihre Tiefe und Kraft eine beachtliche Ausdrucksstärke. In einem Pressebeitrag zu dem neuen Programm der ukrainischen Gruppe steht, es schlage eine Brücke zwischen der Mystik des gregorianischen Mittelalters und der Ekstase der Gegenwart. Ekstatisch wurde es im Kurtheater nicht, wohl aber herrschte eine nachdenkliche Stille, große Aufnahmebereitschaft und Dankbarkeit für überzeugende sängerische Leistungen des 2004 von dem ukrainischen Dirigenten Mychailo Jatsinjak gegründeten Ensembles.

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