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„Weserbergland-Tag für Hochsensible“ findet gute Resonanz

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Autor:

Christoph Huppert

Es ist das „Gefühl, anders zu sein“, das hochsensible Menschen stark belastet. Herbst: „Sie sind ängstlicher, vorsichtiger, verletzlicher, auch überstimuliert und schnell erschöpft.“ Gerade angesichts der rapide zunehmenden Reizüberflutung haben es Hochsensible nicht leicht. Hochsensibilität sei dabei keine psychische Erkrankung, sondern eine genetische Disposition, die vielfach ererbt werde, so Herbst. Nicht notwendigerweise seien dabei etwa hochsensible Kinder zugleich auch hochbegabt. „Das geht nicht einher“, so Herbst, die in ihrer Praxis hochsensible Menschen betreut.

Was manchmal wie ADS, ADHS bis hin zum Autismus aussehe, könne eine Hochsensibilität sein. Ein Test bringt Klarheit. „70 Prozent sind introvertiert, eher verschlossen, haben einen starken Rückzugswunsch und meiden Veränderungen.“

Überhöhte Selbstansprüche und Entscheidungsschwäche

In drei Vorträgen erfuhren die Teilnehmer in Brullsen, wie Hochsensibilität erkannt werden kann und welche Signale des Körpers dabei beachtet werden müssen. Hochsensible haben einerseits ein sehr gutes Einfühlungsvermögen in andere, sind gute Zuhörer, die Stimmungen und Emotionen, Gedanken und Körperlichkeit intensiv wahrnehmen, müssen jedoch andererseits lernen, sich gegen andere Menschen abzugrenzen. „Sie müssen einen emotionalen Schirm aufspannen“, rät Andrea Herbst den Betroffenen, „so kann ihre emotionale Verwundbarkeit vermieden werden.“

Überhöhte Selbstansprüche, Selbstzweifel und Entscheidungsschwäche sind weitere Kennzeichen von Hochsensibilität. Ständige Fragen wie „Habe ich was falsch gemacht?“ „Wie habe ich auf andere gewirkt?“ oder „Was ist, wenn das nicht klappt?“ quälen die Betroffenen.

„Hier nutzt ein Gedankenstopp, ein Worst-Case-Szenario oder eine Umwertung der Situation, das „Refraimen“, bei dem alles in einem neuen Kontext gesehen wird“, so Herbst.

Dass auch die Gestaltung von Räumen hochsensibles Verhalten beeinflussen kann, zeigte die Innenausstatterin Susanne Schreiber-Beckmann aus Celle auf. Beleuchtung, Raumklima, Atmosphäre, Temperatur, Geruch, Formen und Farben und viele andere Faktoren tragen zum subjektiven Wohlbefinden bei. „Und auch die elektromagnetische Strahlung spielt eine Rolle“, so Schreiber-Beckmann.

„Mich interessiert besonders wie sich das in meinem Berufsalltag bemerkbar macht“, so eine Pädagogin aus Hemmingen. „Es gibt bestimmt einen Zusammenhang zwischen Hochsensibilität und Burn-Out.“

Und auch die Frage nach den Auswirkungen auf Partnerschaften wurde ebenso ausgiebig diskutiert wie das Thema vererbter Hochsensibilität bei Kindern. „Die sind einer Überstimulation hilflos ausgeliefert“, so Herbst. „Ängstlichkeit, Schreckhaftigkeit, schnelle Ermüdung bis hin zur Aggression sind warnende Anzeichen. Wir sind deshalb hier ganz besonders aufgerufen, wichtige Regeln zu beachten, damit nicht aus einem gesunden hochsensiblen Kind später ein persönlichkeitsgestörter, traumatisierter oder depressiver Mensch wird.“

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