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Statt Rockmusik, Theater oder Varieté mal die Naturbühne

Wer was auf dem Kasten hat, lockt die Vögel zum Konzert

Weserbergland. Nur ein Specht zimmert sein Häuschen selber; nun gut, nicht direkt das Häuschen, aber immerhin doch die Bruthöhle. Und weil ihm weder Säge, Hobel noch Feile zur Verfügung stehen, sondern er nur bauen und aushöhlen kann, wie ihm nun einmal der Schnabel gewachsen ist, verdient der Specht Hochachtung. Salopp formuliert ist der Bau einer Bruthöhle nämlich ’ne Sauarbeit und nicht an einem Tage gemacht.

Gemütlich: Nistkästen müssen jetzt aber unbedingt gereinigt werden.
Jens Meyer

Autor

Jens Meyer Leiter Redaktion PR- und Sonderthemen zur Autorenseite

Dem Specht sind viele andere heimische Vögel dankbar für sein fleißiges Schaffen, das schon von weither zu hören ist. – Tock, tock, tock. – Meisen, Fliegenschnäpper, Sperlinge, Kleiber, Wendehälse und Gartenrotschwänze sind in Parks und Wäldern die Nachmieter seiner Bruthöhlen. Auch Stare und Wiedehopf hüpfen hinein, sofern die Einfluglöcher groß genug sind. Sie wählen deshalb gerne die Höhlen von Grün- und Grauspecht aus, die in der Spechtfamilie zu den größeren Exemplaren gehören.

Aber auch der Mensch trägt den Bedürfnissen seiner gefiederten Freunde Rechnung, wenn er in Sachen Vogelschutz etwas auf dem Kasten hat und für Nisthilfen sorgt. So gesehen tut sich einiges auf dem freien Immobilienmarkt der heimischen Flattermänner und -frauen. Für den Kleinanzeigenteil einer jeden Tageszeitung wäre solch eine Fluktuation jedenfalls ein Segen. „Buntspechtwohnung, einfache Ausstattung, frisch renoviert, zu vermieten; Vogelbeerenweg 23.“

Aber dies hier soll keine Geschichte über den Specht sein. Es ist vielmehr eine Einstimmung auf den Frühling. Denn mit den ersten warmen Sonnenstrahlen und der Aussicht auf frostfreie Tage und Nächte machen sich die heimischen Vögel wieder stärker bemerkbar. Nicht, dass sie wie der Star dem Winter entflohen waren, aber Meisen, Finken, Amseln legen jetzt deutlich an Aktivität und Lautstärke zu. Längst sind die heimischen Höhlenbrüter auf Wohnungssuche. Und wo, wenn nicht im sonst an Konzert- und Theaterveranstaltungen so reich bestückten Freizeit-Teil der heimischen Tageszeitung, wäre ihr fröhliches Frühlingsstelldichein wohl besser aufgehoben? Die Naturbühne zwischen Tannengrün und Apfelbaum bietet eben nach wie vor die spannendsten Schauspiele überhaupt.

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Vogelbeobachtung ist aber nicht nur ein Freizeitspaß, sondern dient auch der Bestandsaufnahme. Was fliegt denn da? Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ruft jedes Jahr aufs Neue dazu auf, um Veränderungen in den Populationen festzustellen und zu dokumentieren. Nabu und andere Umweltschutzverbände sind auf diese Weise schon vielen Dingen auf die Spur gekommen, konnten zum Beispiel feststellen, dass die Population der Spatzen – sonst als großartige Trupps selbst in großen Städten unterwegs – teils stark rückläufig gewesen ist. Den Rauchschwalben geht’s zurzeit nicht anders, weil auch ihr Lebensraum eingeengt worden ist.

Zum Vogel des Jahres 2011 ist der Gartenrotschwanz gewählt worden. Duftende Blumenwiesen, üppige Obstbaumblüten und leckeres Obst zum Naschen, dazu ein buntes Gartenleben voller Vögel, Schmetterlinge und anderer Insekten. An solch einem Ort lässt es sich gemütlich entspannen und das Leben genießen – das findet der Gartenrotschwanz, von dem man annehmen müsste, dass er also genug Lebensraum hat, um seinen Fortbestand zu sichern. Hat er aber nicht. Der Gartenrotschwanz ist anspruchsvoll und benötigt kein mit der Nagelschere bearbeitetes Langeweilergrün, sondern fröhliche Vielfalt mit Büschen, Obstbäumen und hübschen, großblütigen Stauden.

Hausrotschwanz und Bachstelze kehren jetzt in die Brutgebiete zurück. Das Rotkehlchen hat hier irgendwo im Gebüsch überwintert. Die Meisen singen bereits wie junge Götter, und wenn die Amseln sich ums Territorium streiten, dann kennen sie kein Pardon: Vom Drama bis zum Chorkonzert bietet die Naturbühne jetzt wieder eine riesige Bandbreite. Eintrittskarten für die Veranstaltungen im Wald, in den Gärten und in den Wohngebieten gibt es nicht im Vorverkauf.

„Ist hier noch was frei?“: Eine Kohlmeise hält Ausschau nach einem geeigneten Brutplatz.

Hat Hunger: Ein Grünfink labt sich an einer Futterstelle an Sonnenblumenkernen.

Auf der Spitze spitze: Ein Spatz pickt sich noch ein paar Restkörnchen aus Verblühtem.

Macht noch keinen Sommer: Die Schwalben kehren schon bald zurück.

Fotos: ey (4), Nabu/Kremer (1)

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