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Die Bürgermeister-Kandidaten: Astrid Semler hat mit ihrem Mann ein Unternehmen aufgebaut / Teil 2

Wer Visionen hat, der schafft auch Arbeitsplätze

Obernkirchen. Den Slogan für ihr Unternehmen hat Astrid Semler mit ihrem Ehemann Ralf bewusst gewählt. Was als eine kleine witzige Wortspielerei daherkommt, hat einen ernsten Hintergrund: "We kehr für you" - auf Deutsch also: Wir sorgen für Sie.

Lesen macht fit: Astrid Semler im Büro unter dem Dach ihres Haus

Autor:

Frank Westermann

Gewählt haben beide den Slogan für ihren gemeinsam verwirklichten Traum von der Selbststständigkeit vor elf Jahren. Beide hatten schon länger das Ziel, sich selbstständig zu machen. Und darauf haben sie zielstrebig hingearbeitet, haben nicht blauäugig einfach ihren Job gekündigt und etwas auf gut Glück angefangen, nein, "wir haben uns viele Gedanken gemacht, was wir überhaupt anbieten können", erinnert sich Kandidatin Semler. Und sie haben diverse Fortbildungen besucht, ehe sie zunächst nebenberuflich einen Hausmeisterservice-Betrieb gründeten. Ralf Semler übernahm die Gartenpflege-und die Winterdienstaufträge, seine Ehefrau reinigte Treppenhäuser. Schon damals, so Semler, "war und ist es unser Ziel und durchaus auch unsere Vision, Arbeitsplätze zu schaffen und Menschen zu helfen." Visionen, das ist ein Wort, das im Gespräch mit der 1957 in Rinteln geborenen Kandidatin des öfteren fällt. Sie hatte und hat welche, Visionäre, die ein Ziel in der Zukunft anpeilen, sind ihr sympathisch, für Visionäre hätte sie als Bürgermeisterin stets eine offene Rathaus-Tür. Den Ausspruch"Wer Visionen hat, der sollte zum Arzt gehen", lehnt sie völlig ab: Er stehe für eine Beamtenmentalität - mit dieser Einstellung seien Probleme nicht lösbar. Und Probleme, die haben sie und ihr Mann zu Beginn ihrer gemeinsamen Firma mehr als genug gehabt. "Wir hatten häufig Gelegenheit, aufzugeben", erinnert sich Semler. Dazu gehörten Finanzierungsprobleme in Expansionszeiten oder Probleme mit unzuverlässigen Mitarbeitern. Eine Lösung wäre gewesen, die Größe des Betriebes zu beschränken, "so dass mein Mann und ich im wesentlichen allein gearbeitet hätten. Das entsprach nicht unserem Ziel." Ohne ihre Vision von der Schaffung von Arbeitsplätzen durch Dienstleistung, gibt die 49-Jährige gern zu, "hätten wir nicht durchgehalten." Aber sie haben weitergemacht. 1998 kündigte Ralf Semler bei der Firma Heye, weil die Arbeiten nebenberuflich nicht mehr zu bewältigen waren, über die erste Mitarbeiterin 1998 wuchs der Stamm auf 20 in diesem Jahr. Die Expansion drückte sich auch im Fahrzeugbestand und natürlich auch der Ausweitung des Verwaltungsapparates aus. 2000 wurde ein Buchhalter eingestellt, seit 2005 befindet sich das Büro unter dem Dach ihres Hauses. "Ich kann", so Semler, "mich heute weitgehend aus dem Betrieb zurückziehen." Auf Menschen zugehen, mit ihnen sprechen, ihr Vertrauen gewinnen, das kann Astrid Semler. Und doch, so erzählt sie, sei sie anfangs doch ein bisschen schüchtern gewesen, wenn sie mit "großen" Unternehmern gesprochen habe. Die Resonanz sei fast immer die gleiche gewesen: Die Unternehmen - jedenfalls die guten und erfolgreichen - halten es genauso wie sie: "Problem erkennen, Problem angehen, Problem lösen." Und weit müsste man in Obernkirchen ja wahrlich nicht gehen, um ein Beispiel für einen gesunden Betrieb, der es aus kleinsten Anfängen bis an die Spitze des Weltmarktes geschafft hat, zu finden: Die Firma Bornemann, die in einer kleinen Schmiede begonnen hat. "Unternehmer sind Visionäre -diese Eigenschaft benötigen sie - und wir alle - für eine erfolgreiche Zukunft." Was sie meint, ist klar: Auch die Politik der Stadt und die Verwaltung braucht visionäre Menschen - daher kandidiert sie. Mit ihrer Verwaltungserfahrung von 29 Jahren wird sie wissen, wovon sie spricht. "Im Geschäftsaufbau, den ich von der Pieke auf mitgestaltet habe, durfte ich lernen, Krisen durchzustehen. Daraus bin ich gestärkt hervorgegangen." Und, vielleicht weit wichtiger, sie hat ihre Visionen dabei behalten.

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