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Wichtigste Entscheidung der kommenden Jahre/Lukrativ gegen sicher: Stadtwerke gegen Konzessionsvertrag

Wer setzt Bad Münder künftig unter Strom?

Bad Münder (st). „Das ist die wichtigste Entscheidung, die wir in den kommenden Jahren zu fällen haben.“ Harald Einecke (CDU) spricht von der Idee, die Energieversorgung in Bad Münder zu rekommunalisieren – die Gründung eigener Stadtwerke steht im Raum. Ende 2012 laufen die Konzessionsverträge mit Eon-Avacon aus, die Stadt sucht mögliche Beteiligungspartner für eine städtische Netzgesellschaft. Die Ratsentscheidung über den Inhalt einer öffentlichen Bekanntmachung nutzten die Fraktionen, um im Vorwege ihre Standpunkte klar zu machen: Stadtwerke oder weiter Konzessionsvertrag.


„Welches Risiko können wir den Bürgern zumuten?“, stellte Uwe-Peter Keil (SPD) die entscheidende Frage. Das Stadtwerkemodell berge zwar Chancen auf Einnahmen, für Dollarzeichen in den Augen sei es aber noch zu früh, so Keil weiter. Eine Entscheidung sollte in aller Ruhe offen und ergebnisoffen diskutiert werden, so Keil. Denn, so Einecke: „Es muss am Ende die beste Lösung sein – und: Wir müssen es können.“ Der CDU-Fraktionschef weiter: „Ich selbst habe des Pudels Kern noch nicht gefunden.“ Wichtig sei jedoch, alle möglichen Konsequenzen genau zu bedenken und sich nicht blenden zu lassen, von Gewinnchancen. „Wir sehen in Springe, dass nicht alles Gold ist, was glänzt“, verteilte Einecke einen kleinen Seitenhieb an die Nachbarstadt.

Während SPD und CDU noch unentschieden sind, haben die Grünen bereits eine klare Meinung zum Thema. „Wir sollten den Schritt zurück zu den Stadtwerken wagen“, sagte Fraktionsvorsitzender Gerhard Fiedler. Die Energieversorger hätten den Bogen bei der Preispolitik einfach überspannt. Mögliche Vorteile einer städtischen Netzgesellschaft zählte Helmut Burdorf auf: „Es kann eine Ansprechmöglichkeit vor Ort geben, guten Service und eine Schwerpunktsetzung auf regenerative Energien.“ Das sei das Pfund zum Wuchern, weniger die „Füllung des Stadtsäckels“ oder der billigste Tarif. Denn so günstig wie verschiedene Billiganbieter würden Stadtwerke kaum sein können. Andreas Seidel (CDU): „Wenn die Stadt auch noch ihren Anteil vom Strompreis abbekommen will, dann macht das den Strom teurer.“

Erfahrungen mit möglichen Vor- und Nachteilen hätten zahlreiche andere Kommunen bereits gemacht – diese sollte sich Bad Münder zunutze machen, findet Einecke. „Wir können was Neues aufbauen, sollten aber sachlich-fachlich an die Sache rangehen“, sagt pro-Brüger-Fraktionschef Helmuth Mönkeberg. Zunächst einmal wird jetzt ein Sonderausschuss gebildet, der den Prozess politisch begleiten soll. Zwei Mitglieder entsendet jede Ratsfraktion in das Gremium.

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