weather-image
Im letzten Jahr starb die Mutter von Kevin (12) und Conny (10) / Vater kümmert sich nicht

Wenn Oma und Opa die Eltern ersetzen...

Landkreis (bes). Einälteres Ehepaar, Hartz-IV-Empfänger, hat seine beiden Enkelkinder bei sich aufgenommen. Die Mutter der beiden war vor einem Jahr gestorben, der Vater hatte die Familie zuvor verlassen. Ein Fall für die "Aktion Weihnachtshilfe" unserer Zeitung.

0000508831.jpg

Kevin sitzt auf dem Drehstuhl, die Beine angezogen, und lacht. Sein Großvater steht im Türrahmen und muss auch lachen. Der Zwölfjährige hat gerade erzählt, wie die beiden zusammen Fußball geguckt haben. Opa hat auf Energie Cottbus getippt, Kevin auf den HSV, seinen Lieblingsverein. "Opa hat gesagt, gleich fällt für Energie ein Tor, dann aber gab es das 2:1 für Hamburg. Ecke Piotr Trochowski und Tor Mladen Petric." Kevin lacht wieder. Seine Großmutter sitzt neben ihm auf einem Hocker und schaut ihm zu, wie er sich mit dem Stuhl dreht. "Gleich kommt Conny aus der Schule", sagt sie zu den beiden und blickt zur Uhr an der Wand. Als sie sich umdreht, bleibt ihr Blick an einem Foto in der Ecke hängen. In den Augenwinkeln von Leni S. bilden sich langsam Tränen. Auf dem Bild ist ihre Tochter zu sehen, die vor einem Jahr an einer verschleppten Influenza starb. Im Januar 2007 bekam die junge Frau Husten und Unterleibsschmerzen. Der Arzt hatte sie untersucht, aber nichts entdeckt, erzählt Leni S. stockend. "Das Schlimmste daran ist, dass die Kinder es miterlebt haben", sagt sie verzweifelt. "Kevin steht oft in seinem Zimmer und grübelt. Er spricht aber nicht darüber", erzählt sein Opa. "Er frisst es in sich rein. Seine Schwester ist da anders. Conny spricht viel darüber." Nach dem Tod der Mutter erhielt Leni S. das Sorgerecht für die Kinder zugesprochen. Seitdem sind sie und ihr Mann Klaus für die beiden da. Für alle vier ist jeder Tag eine Herausforderung, auch weil ihnen die materielle Situation immer wieder Probleme bereitet. Leni und Klaus S. bekommen Hartz IV, Kevin und Conny Kindergeld und Halbwaisenrente. Nach Abzug der Miete, für welche die Kinder keinen Zuschuss bekommen, bleiben noch 210 Euro pro Monat für die Kinder übrig. Knapp 7 Euro pro Tag, die für Kleidung, Essen, Schulsachen und die kleinen Wünsche der Kinder reichen müssen. "Connys Klasse will bald ins Theater. Soll ich da einem neunjährigen Mädchen sagen: Du kannst nicht mit, wir haben das Geld nicht", fragt Leni S. mit einem Schulterzucken. Dennoch schaffen sie und Klaus es immer irgendwie, dass Kevin und Conny an den Aktionen teilnehmen können. Das bestätigt auch die Mitarbeiterin der "Tafel" des Deutschen Roten Kreuzes,die sich um die Familie kümmert. Von dem leiblichen Vater der beiden Kinder erwarten Leni S. und ihr Mann keine Hilfe, weder materiell noch bei der Erziehung seiner Kinder. "Er ist hochverschuldet und kann keine Alimente zahlen", erzählt die Großmutter. "Als Conny ein Jahr und Kevin drei Jahre alt waren, hat er die Familie verlassen. Kevin hat ihn einmal gefragt, wieso er damals gegangen ist. Aber da hat er nur abgeblockt." Und auch auf die Frage, warum er sich acht Jahre lang nicht um seine Kinder gekümmert hat, habe er abgeblockt, erzählt sie. "Er hat Kevin sogar beim letzten Telefonat beleidigt und gesagt, er sei ein kleines Licht", entfährt es ihr. Und wieder hat Leni S. Tränen in den Augen.

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare