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Kurt Römming leistet 100. Blutspende / Vor 43 Jahren mit Feuerwehr angefangen

Wenn ganze Kerle kein Blut sehen können, reicht ein Ritz am Finger

Kleinenbremen/Nammen (ly). Er war ein Mann wie ein Baum, etwa 1,85 Meter groß und stämmig - Modell Kleiderschrank. Bloß Blut konnte er nicht sehen, zumindest sein eigenes. "Kreidebleich wurde der Kamerad", erinnert sich Kurt Römming an den Mitstreiter von der Nammer Feuerwehr.

Rund 43 Jahre liegt die denkwürdige Blutspende in Minden-Meißen nun zurück, für Römmings Kameraden war es die erste und letzte. Der Anblick eines einzigen Tropfens am Finger hatte genügt. Kurt Römming (68) ist bei der Fahne geblieben. Vor kurzem hat der Nammer Kameradschaftsführer in Kleinenbremen zum 100. Mal Lebenssaft gespendet, wie immer rund einen halben Liter plus 50 Millimeter zur Untersuchung. Karl Watermann (71), lange im Vorstand der Löschgruppe und heute Mitglied der Ehrenabteilung, ist auf fast 80 Spenden gekommen, bevor er aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste. Die Nadel für 75 Teilnahmen hat Watermann noch bekommen. "Wenn wir nur solche Spender hätten wie diese beiden, gäbe es keine Engpässe", lobt Christa Rüffer, die für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) die Aktionen in Kleinenbremen organisiert. "Bei den Jungen kommen leider zu wenig nach." Dass Vereinsmitglieder sich zusammentun, begrüßt Rüffer besonders. Angefangen hat das organisierte Blutspenden von Nammer Wehrleuten 1965, damals noch in Meißen. Sieben oder acht Mann stiegen anfangs gemeinsam in einen Bulli, um zum Lokal zu fahren. Seit Ende 1970 geht es in Kleinenbremen zur Ader. Von der Gruppe ist Kurt Römming der letzte noch aktive Spender. Viermal pro Jahr lässt er sich pieksen. Und Römming hat vorgesorgt. "Vor etwa 15 Jahren haben wir durch eine Werbeaktion allein innerhalb der Löschgruppe etwa ein halbes Dutzend neue Freiwillige gewonnen", erinnert er sich. Im Freundes- und Bekanntenkreis macht der Nammer ebenfalls Reklame für die gute Sache. "Für mich war das Spenden immer selbstverständlich", sagt Karl Watermann. "Vielleicht brauche ich selbst auch einmal Blut." Gegen Geld zu spenden war für ihn nie ein Thema. Normalerweise ist mit 69 Schluss. Doch jetzt soll die Grenze bis zum 72. Lebensjahr ausgedehnt werden. Römming will weitermachen. "In den Neunzigern durfte ich einmal sechs oder sieben Jahre nicht spenden", erzählt er. "Sonst wäre ich längst weit über 100." Dem DRK fehlt ständig Blut, und in den Ferien nimmt dieser Mangel erfahrungsgemäß noch zu. Zuletzt habe die Nachfrage nach Blutpräparaten das Spendenaufkommen bei weitem übertroffen, wie es in einer Pressemitteilung des Roten Kreuzes heißt. In Nordrhein-Westfalen engagieren sich bis zu drei Prozent der Bevölkerung als Spender. Für eine ganzjährig ausreichende Versorgung müssten es nach DRK-Angaben allerdings fünf bis sechs Prozent sein.

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