weather-image
Familie freut sichüber überwältigende Hilfsbereitschaft nach Brand in Horsten

Wenn einem die Flammen alles rauben

Horsten (tes). Der 25. Februar 2006, für die Familie Henning ist dieses kein normales Datum mehr. Es ist der Tag, an dem die Flammen ihr so gut wie alles raubten.

Wilhelm Henning sucht, was noch zu retten ist: Familienerbstücke

Die Fenster im Obergeschoss des Mehrfamilienhauses am Ortseingang sind provisorisch mit Folie verklebt, an der Tür klebt ein Zettel: "Bitte klopfen", steht dort handgeschrieben. "Der Strom geht nicht mehr", sagt Wilhelm Henning, als er die Tür öffnet. In seiner Wohnung ist alles schwarz - die Wände, die Teppiche und was von den Möbeln übrig geblieben ist. An den Dachbalken klebt der geschmolzene Brandmelder, die Wandteller sind geplatzt, kein Leben mehr im Aquarium. Die Fische wurden durch die Hitze gekocht. Der Eigentümer steht vor den Trümmern seines Wohnzimmers. Er wirkt gefasst und wartet auf den Versicherungsexperten: "Das meiste lässt sich nicht ersetzen, wie die verkohlten Erbstücke, geschmolzene Taschenuhren, Fotos und Bilder". Henning betrachtet die Reste seiner historischen Sammlerstücke - alles ist ein Raub der Flammen geworden. Das Schlimmste aber ist der Rauchgeruch: "Krebserregend, eigentlich sollten wir ohne Atemschutz nicht hier reingehen", weiß der Hausherr, der seit 40 Jahren Feuerwehrmann ist. "Selbst reinigen dürfen wir wegen der giftigen Dämpfe nicht", das gehe nur mit Schutzanzügen, erklärt er weiter. Die Situation erscheint ungewiss für die Familie: Das Ausmaß der Schäden am Haus könne noch nicht benannt werden, hat Henning erfahren. In der Küche sitzt seine Frau mit den erwachsenen Kindern - überall an und in den Schränken ist Ruß. Der Kriminalermittlungsdienst war da, konnte die Brandursache aber noch nicht feststellen. Im Verdacht stehe der Dimmer im Wohnzimmer, so Henning. Im Moment lebt er mit seiner Frau bei Tochter Frauke einige Häuser weiter. Plakate am Haus kündigen deren 30. Geburtstag an. "Der wird trotzdem gefeiert", lässt sich der Vater nicht unterkriegen. Am Abend des Brandes war die gesamte Familie bei der Geburtstagsfeier seiner Schwester. Eine Familie aus Ohndorf habe das Feuer durch die Fenster im Obergeschoss entdeckt und geklopft und geklingelt: Keiner da. Die Nachbarsjungen hätten geschrieen, und schließlich sei der Schwiegersohn im "Schaumburger Hof" alarmiert worden. Dieser habe der Feuerwehr die Tür aufgeschlossen. "Zum Glück leben wir auf dem Dorf, wo jeder jeden kennt und man sich hilft", richtet Henning einen herzlichen Dank an die aufmerksamen Helfer. Henning ist überwältigt von der Hilfsbereitschaft der Nachbarn: "Wir hätten überall unterkommen können." Spenden oder Möbel benötige die Familie nicht. Er geht davon aus, dass "die Versicherung für die Schäden aufkommt". Die Feuerwehr Horsten will bei der Reinigung der Wohnung helfen, sobald diese freigegeben ist. Hund Elroy hat sich von der Aufregung erholt. In die Wohnung darf er jedoch vorerst nicht. Wann die Familie wieder einziehen kann, ist noch völlig offen. "Aber", so Henning, "die Hoffnung stirbt zuletzt".

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare