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Räumdienst: Pflichten von Stadt und Bürgern

Wenn die weiße Schneepracht zum Streitthema wird

Bad Münder (jemi). Die Telefone der Stadtverwaltung stehen in diesen Tagen nicht still. „Knapp 50 Anrufe gehen täglich bei uns ein, die wetterbedingt sind“, sagt Carsten Reiss, der stellvertretende Bauamtsleiter. Bürger beschweren sich, dass die Stadt ihren Räumungspflichten nicht nachkommt. Andere ärgern sich über Nachbarn, die als Hausbesitzer den Gehweg schlampig oder gar nicht säubern. Das Thema Räumdienst-Pflichten beschäftigt die Bürger in Bad Münder derzeit wie kaum ein anderes. Reiss und Kollege Ralph Kempe erklären, wo und in welchen Straßen die Stadt zuständig ist und wann die Bürger selber die Schaufel in die Hand nehmen müssen.

Gehweg Lange Straße: Erst gut geräumt, danach schlecht.

Räumdienst der Stadt: Die Straßen in Bad Münder werden nach Prioritäten geordnet: Ganz oben stehen Straßen mit großen Gefahrenpunkten und Hauptstraßen. Das sind etwa die Bahnhofstraße oder die Süntelstraße. Auf der Prioritätenliste auf Platz zwei stehen Straßen, an denen sich öffentliche Gebäude wie Schulen und Krankenhäuser befinden. Auch an Bushaltestellen werde immer geräumt und gestreut. Erst dann folgen verkehrsberuhigte Straßen. Eigentlich kommen die Räumdienste auch dorthin, wenn es die Kapazität zulasse, so Reiss. Problem sei allerdings sehr häufig, dass die großen Lkw und Unimogs nicht in die Straße kommen. Parkende Autos würden die Straße für die großen Räumfahrzeuge versperren. „Es bringt nichts, wenn der Fahrer 50 Meter in die Straße fährt, eine riesige Schneewand mitten auf der Straße hinterlässt und rückwärts wieder herausfährt“, erklärt Reiss und fügt hinzu: „Hier bitten wir um Verständnis.“ Das Problem sei nur zu lösen, wenn keine Autos am Straßenrand parken. Es sei bei diesem Bedingungen einfach nicht zu gewährleisten, dass alle Stichstraßen geräumt werden. Ein weiteres Problem seien Parkplätze in der Stadt – diese seien ebenfalls zum Teil dick eingeschneit. Dort könne jedoch auch nur geräumt werden, wenn kein Auto an diesem Platz stehe. Das komme jedoch nie vor. Beim Kurpark gelten folgende Regelung: Vor dem Kurpark werden die Straßen so gut es geht geräumt, sagt Reiss. Im Park selber aber nicht. Dieser Bereich spielt jetzt eine untergeordnete Rolle. „Man muss ja jetzt nicht unbedingt in den Park“, so Kempe.

Weiterer häufiger Vorwurf von Bürgern an die Stadt ist folgender Aspekt: Wurde eine Straße geräumt, sind die Gehwege und Einfahrten der Wohnhäuser oft wieder zugeschüttet und müssen von den Hausbesitzern erneut vom Schnee befreit werden. „Das lässt sich nicht vermeiden“, sagt Reiss. Der Räumwagen könne nicht alle paar Meter den Schneepflug hochfahren, ergänzt er. Gefreut haben sich die Mitarbeiter des Tiefbauamts über Landwirte und Unternehmer, die in den vergangenen Tagen ihre Radlader oder Trecker nutzten, um Straßen in ihrer Umgebung frei zu räumen. Es wäre nicht ihre Aufgabe gewesen, aber von der Aktion hätten viele Autofahrer profitiert, meint Reiss.

Eigentum verpflichtet: Die meisten Hausbesitzer wissen, dass sie laut Straßenreinigungsordnung zum Beseitigen von Schnee und Glätte verpflichtet sind. Dieses gilt von 7 bis 20 Uhr. Ein Gehweg muss nicht vollständig vom Schnee befreit werden. Das Gesetz schreibt eine Breite von einem Meter vor. Werden diese Pflichten nicht eingehalten, können saftige Geldstrafen auf den Räum-Sünder warten, warnt Ralph Kempe.

Kommt mit dem Kinderwagen kaum durch den Schnee: Naja Karrasch m
  • Kommt mit dem Kinderwagen kaum durch den Schnee: Naja Karrasch mit Kaja. In einigen Straßen wird nicht geräumt: Schilder weisen darauf hin.
Autofahrer Ismet Muric benötigt einen Anschieber: Nachbarschafts
  • Autofahrer Ismet Muric benötigt einen Anschieber: Nachbarschaftshilfe ist besonders in diesen Tagen erforderlich.
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Kommt mit dem Kinderwagen kaum durch den Schnee: Naja Karrasch m
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Salz-Vorrat: Der Vorrat schwindet laut nach Auskunft des Bauamtes langsam – aber sicher. Für das kommende Wochenende sei aber noch genügend im Lager. Nachschub ist bestellt. Allerdings wollen die Zulieferer der Stadt keine Versprechungen machen, wann wieder Salz zur Verfügung steht. Um Salz zu sparen und die Umwelt zu schonen arbeitet die Stadt mit einer Sand-Salz-Mischung. Problem von Sand: Bei Tauwetter kann er für Verstopfungen im Kanalnetz sorgen.

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