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Reduzierung der Vergütung für Filialbetreiber stößt auf Kritik – auch in Bad Münder

Wenn die Post das Geschäft verdirbt

Bad Münder. „Das war einer der größten Fehler, die wir je gemacht haben.“ Wenn Thomas Schubert auf seine Erfahrungen mit der Deutschen Post zurückblickt, kann er weit zurückschauen. Seit 2004 ist er Partner der Post und betreibt Filialen, in Bad Münder „Tom Store“ an der Petersilienstraße. Noch, denn die Post hat seine Verträge zu Ende Februar 2016 gekündigt. Und Schubert ärgert sich, zum vergangenen Jahreswechsel überhaupt in eine Vertragsänderung mit der Post eingewilligt zu haben.

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Seit Jahren dünnt die Post kontinuierlich ihr Filialnetz aus und setzt beim Verkauf von Briefmarken und bei der Paketannahme auf die Kooperation mit Lebensmittelläden und kleinen Einzelhändlern. Sehr viele wickeln auch Bankgeschäfte für die Postbank ab – und sehr viele kritisieren wie Schubert derzeit die neuen Konditionen. Die Post hat bei ihren Agenturnehmern Verträge durchgesetzt, nach denen stärker als bisher auf Provisionsbasis gearbeitet wird. Insbesondere im Bereich der Finanzdienstleitungen wirkt sich das aus – sie werden nicht mehr pauschal, sondern pro Transaktion fallweise vergütet. Das wiederum, so Schubert, führe zu deutlichen Mindereinnahmen. Eine Wahl habe er nicht wirklich gehabt: „Wenn ich nicht unterschrieben hätte, hätte ich die Kündigung erhalten. Unterm Strich wäre ich damit finanziell allerdings besser gefahren“, sagt er. Die Kündigung sei schließlich erfolgt, nachdem er sich nicht in der Lage gesehen habe, während der Öffnungszeiten seines Geschäfts an einem „Forum“ für Filialbetreiber teilzunehmen. Ein Sprecher der Post wollte auf Anfrage dieser Zeitung nicht zu den Gründen für den Standort- und Betreiberwechsel in Bad Münder Stellung nehmen: „Das gehört zum vertraglichen Binnenverhältnis, darüber reden wir nicht.“

Als Schubert 2007 die Postfiliale im damaligen Extra-Markt an der Wallstraße übernahm, war für ihn der Rahmen noch in Ordnung. Er sei vom damaligen Gebietsleiter eindringlich gebeten worden, neben seinem Geschäft in Hannover noch ein weiteres in Bad Münder zu betreiben, sagt Schubert. Extra hatte zuvor die Zusammenarbeit mit der Post aufgekündigt.

In den vergangenen Jahren seien die Bedingungen aber immer stärker zu Ungunsten der Agenturbetreiber verändert worden, kritisiert Schubert. Das Prinzip, auf das die Post bei vielen Partnerfilialen setzt: Das Postgeschäft wird an ein bestehendes Geschäft angedockt. Schubert eröffnete also ein Schreibwarengeschäft, um den Rahmen für die Postleistungen zu haben. „Sonst wäre das als Scheinselbstständigkeit gewertet worden“, erklärt er. Dass mit Schreibwaren in Bad Münder angesichts der bereits vorhandenen Anbieter kaum Geld zu verdienen war, sei ihm wie dem damaligen Post-Gebietsleiter klar gewesen. Mit den neuen Verträgen wurde das allerdings zum massiven Problem, denn schon in den Vorbemerkungen zum neuen „Partnervertrag“ wird deutlich, dass das Postgeschäft als Marketingmaßnahme zur Unterstützung des Hauptgeschäftes zu verstehen sei. „Als Frequenzbringer für das Geschäft – doch gleichzeitig erwartet die Post, dass Post-Kunden bevorzugt bedient werden und das Hauptgeschäft hinten an gestellt wird“, so Schubert. Und: Eine urlaubs- oder krankheitsbedingte Schließung ist nicht möglich, da die Verträge sie nicht vorsehen.

Kritisiert wird diese Erwartung auch vom Postagenturnehmerverband pagd. „Die wirtschaftlichen Risiken des Filialbetriebes werden an die Unternehmer ausgelagert. Gleichzeitig wird die ohnehin schon wenig auskömmliche Vergütung reduziert“, erklärt dessen Vorsitzender Carsten Kaps. Seiner Auffassung nach missbrauche die Post, das ehemalige Staatsunternehmen, ihre Marktmacht und nutze die wirtschaftliche Situation vieler Postfilialen schamlos aus. „Sie wälzt Kosten und wirtschaftliche Risiken bei der Versorgung der Bevölkerung mit Universaldienstleistungen auf die Filialbetreiber ab“, erklärt er. Denn dass das Geschäft nicht auskömmlich ist, zeigen seiner Auffassung nach auch die Fälle, in denen Kommunen in Ermangelung bereiter Geschäftsinhaber selbst eine Postfiliale übernommen hätten – und mit mehr als 20 000 Euro pro Jahr bezuschussen mussten. „Die Re-Verstaatlichung eines privatisierten Staatsbetriebes“, urteilt Kaps.

Die Verträge, die Post und Agenturnehmer abschließen, seien rechtlich nicht anzugreifen, sehr wohl aber moralisch. „Wer eine Filiale übernehmen möchte, sollte sich gut beraten lassen“, sagt Kaps.

Schlecht beraten fühlt sich hingegen Filialbetreiber Schubert. Ein Beispiel: Auf Anraten der Post habe er eine vom Unternehmen empfohlene Versicherung abgeschlossen, um das Risiko von Einbrüchen und Überfällen abzudecken. Als sein hannoversches Geschäft vor zwei Jahren dann tatsächlich überfallen wurde, deckte die Versicherung von geraubten 14 000 Euro tatsächlich nur 1000 Euro ab. Schubert: „Und die Post kannte die entsprechende Klausel in den Verträgen nicht.“

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