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Schießsportverein steht im Jubiläumsjahr überraschend ohne Majestät da

Wenn der König die Gefolgschaft verweigert

Bad Münder. So etwas nennt man dann wohl den im gesellschaftlichen Leben eines Schützenvereins größtmöglichen anzunehmenden Unfall: Wenn im Jubiläumsjahr der Schützenkönig nicht nur seine Königskette zurückgibt, sondern auch gleich seinen Austritt aus dem Verein verkündet – und die Vereinsstatuten keinen Nachfolger zulassen. So geschehen beim Schießsportverein Bad Münder.

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Jens Rathmann Redakteur zur Autorenseite

Beim Königsschießen und der Proklamation im Mai war die Schützenwelt auf der Anlage an der Süntelstraße noch in Ordnung. 23 Vereinsmitglieder, gestandene Schützen, schickten sich an, zum 50-jährigen Bestehen des SSV die Königswürde zu erringen. Die Intensität des Wettkampfes zeigte sich in gleich mehreren Stech-Durchgängen. Erst im vierten Stechen, die Teilnehmerzahl hatte sich auf vier reduziert, setzte sich ein Schütze ab: Hartmut Jäschke setzte den entscheidenden Treffer – und der SSV hatte einen neuen Schützenkönig. Dachten zumindest der Vorsitzende Lothar Jaschinski und sein Vertreter Günther Meyer, die gemeinsam mit Schießsportleiter Volker Ehrchen zur Proklamation des neuen Königshauses antreten ließen. Jäschke wurde die Königskette umgehängt, er lächelte mit Jugendkönigin Geena-Marie Pipial und Königin Yvonne Jaskolski fürs Erinnerungsfoto, freute sich mit anderen Vereinsmitgliedern über seine ausgezeichnete Schießleistung. Doch dann die Ernüchterung beim SSV: Jäschke wollte nicht König sein. Er sei überrumpelt worden, habe in 22 Jahren im SSV nie König werden wollen, nie nach der Würde gestrebt, erklärte er auf Nachfrage dieser Zeitung.

Im Vorstand rieben sich die Verantwortlichen verwundert die Augen. Die Königskette und selbst eine alte Königsscheibe kamen zurück, Jäschke meinte es offenbar ernst. Vorgestern beriet der Vorstand noch einmal – und kam zu dem Schluss, die Sache auf sich beruhen zu lassen und im Jubiläumsjahr halt ohne König zu feiern. „Ärgerlich, aber nicht mehr zu ändern“, sagt Presssprecher Gerd Gehlen. Für ihn persönlich bitter: „Ich wollte gerne im Jubiläumsjahr König werden und hätte die Kette gerne getragen.“ Aber Gehlen war nur der zweitbeste Schütze des Tages.

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