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Niedersächsische Landesforsten setzen im Deister bei Nienstedt seltene Holzernte-Methode ein

Wenn Buchen am Seil aus dem Wald rauschen

Nienstedt (jhr). Wie Gondeln an einer Seilbahn kommen sie aus dem Wald gerauscht: Buche für Buche, Stamm für Stamm. Am Wallmann-Weg bei Nienstedt ernten die Niedersächsischen Landesforsten derzeit auf eine sehr ungewöhnliche Weise Holz. Die Stämme werden über weite Strecken mit einem Seilkran transportiert.

Ernst Althuber steuert den Seilkran.

Verantwortlich für den reibungslosen Ablauf ist Ernst Althuber – der 65-Jährige sitzt am Hebel seines Krans und lässt die schweren Stämme zu Tal rauschen. Er fährt sie am Seil bis zu einem Waldweg, wo sie ein Bagger mit Greifarm aufnimmt und zur weiteren Verarbeitung ablegt. Beim Transport am dicken Stahlseil haben die schweren Stämme kaum Bodenkontakt, genau der Grund, warum die Landesforsten in der Hanglage die aufwändige Seilkran-Konstruktion einsetzen. „Der Waldboden ist in diesem Bereich besonders sensibel, ein 28-A-Biotop. Wenn wir mit schwerem Gerät wie Traktoren oder Harvestern hineinfahren würden, würden starke Erosionsschäden entstehen“, erklärt Forstamtsdezernent Jochen Matthaei.

So fällen Forst-Mitarbeiter die von Revierförster Jürgen Werner markierten Stämme, legen sie dabei gleich in die richtige Richtung. „Wie ein Fischgrät-Muster entlang der Schneise, in der dann das Seil läuft“, so Matthaei. Das dicke Stahlseil wird dann an einem stabilen Baum am Hang befestigt und zu Althubers Kran-Fahrzeug auf dem Waldweg hin gespannt. Der 65-Jährige zählt zu den wenigen Unternehmern in Deutschland, die die Seiltransport-Technik anbieten. Gelernt hat der gebürtige Salzburger sein Handwerk in Österreich und der Schweiz, bevor er vor 37 Jahren nach Deutschland kam. In bergigem, unzugänglichem Gebiet wird die Seilkran-Technik sehr viel häufiger angewendet als in der Deisterregion.

Entnommen werden rund 140 bis 150 Jahre alte Buchen, jedoch nicht der gesamte Bestand – „den verbleibenden Bäumen bleiben so optimale Wachstumsbedingungen“, erläutert auch Joachim Hansmann, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Landesforsten. Die geernteten Bäume werden erst nach dem Seiltransport entastet und aufgearbeitet, weshalb der Wallmann-Weg während der Ernte für Waldbesucher auch gesperrt ist. In rund zwei Wochen sollen die Arbeiten beendet sein.

…vorher von Björn Hoffman von Ästen befreit.
  • …vorher von Björn Hoffman von Ästen befreit.
Am Waldweg werden die Stämme dann zum Transport vorbereitet&hell
  • Am Waldweg werden die Stämme dann zum Transport vorbereitet…
Am Seil schweben die Stämme vom Hang zum Waldweg – der Wal
  • Am Seil schweben die Stämme vom Hang zum Waldweg – der Waldboden wird durch diese Methode kaum beschädigt. Fotos: jhr/dpa
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