weather-image
15°
Karl-Heinz Krause braucht rauschgifthaltiges Medikament / Bückeburger verklagt seine Krankenkasse

Weiter im Kampf gegen das Gesundheitssystem

Bückeburg (rc). Karl-Heinz Krause lässt in seinem Kampf gegen das deutsch e Gesundheitssystem nicht locker. Mehr als ein Jahr lang versucht er inzwischen, an ein individuell hergestelltes Medikament zu kommen, das dem Rollstuhlfahrer mit seiner angeborenen Spastik spürbar das Leben erleichtern würde. "Dronabinol" heißt das Medikament. Es enthält einen rauschgifthaltigen Wirkstoff, der ihn wesentlich ruhiger und entspannter machen würde - wie er bereits mehrfach am eigenen Leib erfahren hat.

0000509904.jpg

Wenn es denn das Deutsche Arzneimittel- und Verordungsgesetz nicht geben würde. Denn das Medikament hat keine positive Bewertung durch den Bundesausschuss. Damit darf "Dronabinol" zwar vom Arzt verschrieben werden, aber nur auf Privatrezept. Karl-Heinz Krause müsste es also selbst bezahlen. Und das kann er als Bezieher von Sozialleistungen nicht, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung schildert. Eine Flasche mit 100 Milliliter kostet 226,86 Euro. "Das reicht für einen guten Monat, aber wovon soll ich das bezahlen?" Nachdem unsere Zeitung vor gut einem Jahr diesen Fall an dieÖffentlichkeit gebracht hatte, halfen Karl-Heinz Krause in den vergangenen Monaten großzügige Spender über die Runden. Mehrmals bezahlte eine ungenannt bleiben wollende Stadthägerin das Medikament. Auch der Sozialbund war zweimal mit dabei. "Aber jetzt geht nichts mehr, beide haben auch kein Geld mehr oder können und wollen nichts mehr spenden." Davor hatte er das Medikament von seinem Hausarzt verschrieben bekommen. Bei einer Routineprüfung stellte die AOK aber fest, dass das Medikament verordnet worden war. Und wollte - von dem Hausarzt - ihr Geld zurück, immerhin eine Summe von 1080,76 Euro. Noch heute streiten Arzt und Kasse um die Zahlung. Dass der Hausarzt das Rezept nicht mehr ausstellt, "ist klar", stellt Krause fest. Um dennoch - langfristig gesichert - an sein Medikament zu kommen, hat Krause inzwischen einen Rechtsanwalt eingeschaltet, der für ihn Klage vor dem Verwaltungsgericht Hannover erhoben hat. Die Kasse solle dem Antrag Krauses auf die Übernahme der Kosten für das Dronabinol in Höhe von monatlich 161,62 Euro stattgeben. Sein Mandant leide unter einer angeborenen Spastik. Das Medikament habe spürbar positive Einwirkungen auf den Krankheitsverlauf. Der Gesundheitszustand habe sich deutlich verbessert, ohne das es zu Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen wie bei anderen verordneten Medikamenten kommt. Außerdem sei Karl-Heinz Krause austherapiert, greift der Anwalt ein häufig genutztes Argument von Krankenkassen auf, wenn es um die Verschreibung und Kostenübernahme solcher Medikamente wie "Dronabinol" geht. Und: "Die Kosten für einen wirksamen Standard sind genauso hoch wie die Kostenübernahmefür Dronabinol." Gegebenenfalls sei ein Sachverständigengutachten über Krauses Gesundheitszustand einzuholen. Die Antwort der AOK an das Verwaltungsgericht: Die Klage sei abzuweisen, da es im Moment gar keinen abgelehnte Kostenübernahme-Bescheid gebe. Erst müsse ein entsprechendes Rezept seitens eines Arztes ausgestellt werden, damit der Sachverhalt überhaupt entschieden und ein Widerspruchsverfahren durchgeführt werden könne. Krause: "Finden Sie einmal einen Arzt, der ein solches Rezept ausstellt, wenn er weiß, dass sich die Krankenkasse das Geld von diesem Arzt holt? Ich weiß nicht, wie das gehen soll. Das alles ist eine Riesenschweinerei." Wann das Verwaltungsgericht entscheidet, ist noch offen. Allzu schlecht scheinen die Chancen für Karl-Heinz Krause jedenfalls nicht zu stehen. Immerhin wurde ihm von den Hannoveraner Richtern Prozesskostenbeihilfe gewährt. Und die wird in der Regel erst nach Prüfung des Sachverhalts und der Chance auf positiven Prozessausgang gewährt...

Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare