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Konzert im festlichen Schmuck der Jakobikirche / Am Ende herzlicher Beifall

Weihnachtliche Romantik und vokale Glanzlichter mit Verzögerungen

von Ulrich Reineking

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Rinteln. Eine romantische Weihnacht sollte es werden - und das bereits zum zweiten Mal. Die Voraussetzungen für diesen Konzertabend in der Jakobikirche waren schon von der Optik her denkbar günstig. Das weihnachtlich geschmückte und recht gut besuchte Gotteshaus, die bestrahlte Schuke-Orgel auf der Empore, dann so umwerfend liebenswerte Mädchen wie Sophia und Charlotte Wollschläger als singende und Gedichte vortragende Engelchen mit einem fantastischen Haarschmuck, der sie wie schwedische Lucia-Prinzessinnen strahlen ließ. Dazu die warm-kräftige Stimme der Sopranistin Annette Pflug-Herdrich und das jugendliche Timbre ihrer gut vorbereiteten Schülerin Julia Steinsiek. Und am Klavier und an der Orgel griff mit dem St. Petersburger Dmitry Grigoriev ein junger Instrumentalist in die Tasten, der sich von der Bewältigung technischer Probleme bei seinen Stücken hinreichend gelöst hat, um sein Repertoire wirklich interpretieren zu können. Auch Willi Ehlerding am Kontrabass stellte mit dem farbigen Wohlklang seines Instruments und dessen souveräner Gestaltung eine Bereicherung für dieses Programm dar. Dass trotz des glanzvollen Rahmens und der hervorragenden Besetzung mitunter nur wenig von der avisierten weihnachtlichen Romantik aufkam, lag zum einen am wenig flüssigen Ablauf. Immer wieder gab es kleine und kleinste Pausen im Ablauf: da musste etwa der Weg von der Empore in das Parkett und zurück bewältigt werden, ohne dass diese quälend langen Momente von Echtzeit vor Publikum durch eine souveräne Moderation aufgefangen werden konnten. Die charmante Annette Pflug-Herdrich hätte sich hier unbedingt personelle Entlastung verschaffen müssen, denn schließlich agierte sie ja nicht "nur" als Sängerin und musikalische Leiterin, sondern musste auch noch ihren Schülerinnen Hinweise geben, sich um das Zuziehen des Vorhangs kümmern und demonstrierte so über den eigenen solistischen Part hinaus eine latente Präsenz, mit der wohl wirklich jeder überfordert gewesen wäre. Als Höhepunkte im musikalischen Programm seien genannt die weihnachtlichen Wiegenlieder von Grieg in der anrührenden Ausgestaltung von Pflug-Herdrich, die filigrane "Träumerei" von Tschaikowsky, die Grigoryev seelenvoll und perfekt zugleich interpretierte und der harmonische und zugleich voluminöse Wechselgesang der erst 16-jährigen Julia Steinsiek mit ihrer Gesangslehrerin in den Bach-Kantaten. Beim inniglichen "Guten Abend, gute Nacht" von Brahms griffen beim anrührenden Gesang von Sophia Wollschläger einige Zuhörer auch schon mal zu ihren Taschentücher und als sie mit ihrer jüngeren Schwester Charlotte auch noch mit einigem mimischen Aufwand das Gedicht "O Weihnachtszeit" interpretierte, gab es im Publikum manch bewegtes Schmunzeln. Welche Funktion im zweiten Teil des Programms die doch arg elegische "Melodia" von Max Reger hatte, mochte sich dem aufmerksam lauschenden Publikum auch im perfekt-solistischen Spiel von Grigoryev nicht erschließen, doch immerhin wurde dies mit dem gefühlvollen "Maria am Rosenhag" im Zusammenwirken von Pflug-Herdrich und dem Pianisten wieder aufgefangen. Am Ende gab es herzlichen und wohlverdienten Beifall.

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