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Ein atomarer Unfall direkt vor der Haustür in Grohnde: Krisenstab beim Landkreis wäre zuständig

Was wäre wenn? Der Notfallplan für den GAU

Bad Münder (jhr). Nach der Atomkatastrophe in mehreren japanischen Kernkraftwerken sind viele Menschen besorgt. Was geschieht, wenn in einem deutschen Atomkraftwerk wie Grohnde – von einigen münderschen Ortsteilen aus immerhin gut sichtbar – ein Unglück passiert? Dafür gibt es seit vielen Jahren spezielle Notfallpläne. Diese sind gerade wenige Tage vor dem Erdbeben in Japan aktualisiert worden, sagt Landkreis-Sprecherin Sandra Lummitsch.

Das AKW Grohnde liegt in der „Zentralzone“ (kleiner Kreis), Hameln gehört noch zur „Mittelzone“ im Radiu

Sollte in Grohnde Strahlung austreten, läge das Katastrophenmanagement beim Landkreis Hameln-Pyrmont, sagt Lummitsch. Zum Stab, der im Krisenfall zusammentreten würde, gehören rund 60 Mitarbeiter aus ganz unterschiedlichen Zuständigkeitsbereichen. „Die Pläne werden regelmäßig überarbeitet und den Richtlinien angepasst“, versichert die Sprecherin.

Neben der Detailplanung des Stabes existieren auch öffentlich zugängliche Katastrophenpläne. Das Problem: Kaum ein Bürger kennt sie. Der Landkreis hält sie als Informationsbroschüre vor, aber auch im Internet finden sich Erläuterungen wie beispielsweise die allgemeinen Ausführungen zum „Katastrophenschutz in der Umgebung des Kernkraftwerkes Grohnde“.

Auf den ersten Seiten der Broschüre werden zunächst einmal die hohen Sicherheitsstandards der Kernenergie in Deutschland gelobt. Danach folgt der Notfallplan – und der hat es in sich: Über Sirenen, Rundfunkdurchsagen, Lautsprecherdurchsagen von Feuerwehr und Polizei sowie über die Internetseite des Landkreises wird die Bevölkerung gewarnt. Die „Verhaltensregeln im Falle einer unfallbedingten Freisetzung von Radioaktivität“ empfehlen im Freien unter anderem das Bedecken der kompletten Körperoberfläche. Ein Tuch vor Nase und Mund soll die Inhalation radioaktiver Stoffe vermeiden helfen, außerdem sollten sich die Menschen quer zur Windrichtung bewegen und das nächste bewohnte Haus aufsuchen. Im Haus wird empfohlen, einen gut geschützten Innen- oder Kellerraum möglichst ohne Fenster aufzusuchen, Rundfunkgeräte einzuschalten und vorübergehend auch gefährdete Passanten aufzunehmen.

Eine Passage der Broschüre widmet sich auch der Einnahme von Jodtabletten. Da radioaktives Jod zu den Stoffen gehört, die bei einem kerntechnischen Unfall freigesetzt werden können, muss es so schnell wie möglich eingenommen werden – die Schilddrüse muss damit gesättigt sein, bevor Strahlung eindringt. Das Land hat die Landkreise angewiesen, vorsorglich Jodtabletten zur privaten Bevorratung an die Bevölkerung auszugeben, die im Radius von zehn Kilometer Entfernung von Kernkraftwerken wohnt.

Bad Münder liegt zwischen dem 10- und dem 25-Kilometer-Radius – und damit in der Zone, die im Fall eines Unfalls zur Evakuierung anstehen kann, wie Lummitsch erläutert. Auch um das Kernkraftwerk Fukushima wurde die Evakuierungsgrenze immer weiter ausgedehnt, derzeit liegt sie bei 20 Kilometern. Die Landkreis-Sprecherin macht aber deutlich, dass für eine Evakuierungsentscheidung viele unterschiedliche Faktoren bedacht werden müssen – unter anderem auch die Windrichtung. Das heißt: Nicht der gesamte Bereich im Umkreis von 25 Kilometern muss betroffen sein. Evakuierungsrouten und Aufnahmebereiche werden im Bedarfsfall bekannt gemacht“, heißt es in der Broschüre des Kreises.

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