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Nostalgische Holzschatullen-Sammlung als Verpackungszauber bei "Ella"

Warum Biedermeier Mode birgt...

Rinteln (ur). Nicht nur in Sachen zeitgenössischer Kunst gehört Textilkaufmann Manfred Tiefensee zu den manischen Sammlern: Auch etliche phallusförmige asiatische Lingam-Steine befinden sich in seinem Besitz und sorgen ebenso wie Metallskulpturen für stets gut ausgelastete Regale in Wohn- und Arbeitszimmer.

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Und dann verfiel er auch noch darauf, Biedermeier-Schatullen zu sammeln: Nahezu wöchentlich brachte der Postbote in diesem Jahr Lieferungen mit solch nostalgischen Schätzen ins Haus. Irgendwann fragte ihn Lebensgefährtin und Geschäftspartnerin Monika Dittrich, was er denn um Himmels willen mit all' diesen Holzkisten anfangen wolle. Zwar erkannte auch sie als ausgewiesene Malerin und Buchillustratorin den Reiz dieser kunsthandwerklichen Arbeiten, vermochte aber nicht einzusehen, warum man solche Kleinodien gleich dutzendweise über diverse Internetauktionen beschafft. "Notlüge" von Tiefensee: "Ich will das irgendwann mal zur Deko in unserer Boutique einsetzen..." Die sich anbahnende Beziehungskrise verschärfte sich noch, als er jetzt auch noch begann, Kleinkeramik aus den Werkstätten des schaumburg-lippischen Fürsten Adolf zu sammeln. "Entscheide dich für ein Sammelgebiet, sonst gibt es Ärger", drohte ihn die Chefin des Rintelner Modegeschäfts "Ella" an. Und so gab Manfred Tiefensee klein bei- immerhin mit der kreativen Idee: "Wir können die Biedermeier-Stücke ja als Geschenkverpackung für hochwertige Mode offerieren." Ein Gedanke, der bei der vorweihnachtlich gestimmten Kundschaft bestens ankam: Rock um Rock, Blazer um Blazer fanden inzwischen Platz in den kostbaren Behältnissen, die restauriert sicher etliche hundert Euro kosten würden, im Patina-Charme des Originalzustands aber wesentlich günstiger zu haben sind. Derartige Biedermeier-Schatullen, die etwa um 1815 zu Zeiten des Wiener Kongresses populär wurden, sind zum Teil als kleines Schreibpult eingerichtet, als Schmucktresor, Schachspiel oder auch mal als Nähkästchen - und kamen dann in den Revolutionswirren um 1848 so schnell aus der Mode, wie sie hineingekommen waren. Trotzdem wurden sie offenbar von ihren Besitzern weiterhin in Ehren gehalten, wie die Vielzahl der erhalten gebliebenen Exemplare belegt. Und wecken auch heute noch Begehrlichkeit, wie die positive Resonanz auf dieses ebenso stilvolle wie luxuriöse "Verpackungsangebot" belegt. Das Angebot ist allerdings limitiert - und dürfte die Weihnachtszeit daher wohl kaum überdauern. Ob es dann im nächsten Jahr Seidenschals in fürstlicher Keramik gibt, falls Tiefensee zwischenzeitlich wieder auf neue Sammelgebiete stößt?

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