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Warum Bad Münder auf viele verkaufsoffene Sonntage verzichtet

Bad Münder. Springe darf als Ausflugsort acht mal, Hannover spätestens nach einem jüngst gefällten Gerichtsurteil nur noch vier mal. Und Bad Münder? Als Kurort könnte die Stadt theoretisch fast jeden Sonntag als verkaufsoffen deklarieren. Warum tut sie es nicht?

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VON CHRISTIAN ZETT

Bad Münder. Springe darf als Ausflugsort acht mal, Hannover spätestens nach einem jüngst gefällten Gerichtsurteil nur noch vier mal. Und Bad Münder? Als Kurort könnte die Stadt theoretisch fast jeden Sonntag als verkaufsoffen deklarieren. Einschränkungen gelten nur für bestimmte Geschäfte – und in der stillen Jahreszeit zwischen 1. November und 14. Dezember. Geplant ist eine Ausweitung trotzdem nicht: Bürgermeister Hartmut Büttner spricht von einer maximal langfristigen Perspektive.

„Wenn wir an einen idealen Verlauf der Stadtentwicklung denken, Attraktivität und Gästeaufkommen steigen – erst dann müssten wir als Verwaltung überlegen, wie wir die Händler bei einer Ausweitung unterstützen könnten“, sagt Büttner auf Anfrage.

Bis dahin bleibt es wohl bei den vier Terminen, die Wirtschaftsvereinigung und Einzelhändler jedes Jahr stemmen. Und stemmen ist dabei in der Tat das richtige Wort, findet Wirtschaftsvereinigungs-Vorstand Michael Engel: „Ohne Beiwerk und Formulare geht es nicht.“ Soll heißen: Die Händler müssen den Tag organisieren und für ein Rahmenprogramm sorgen. „Einfach nur das Geschäft aufschließen, das reicht nicht mehr“, sagt auch Juwelier Peter Jakob (Initiative „Einkaufen in Bad Münder“). Also hängen sich die Organisatoren an größere Veranstaltungen wie jüngst den „Tag der Retter“. Oder stellen eigene Begleit-Aktionen auf die Beine – wie den Herbstmarkt.

Dass beide Veranstaltungen in diesem Fall nur drei Wochen auseinanderlagen, zeigt etwa für Buchhändlerin Dudo Wanderer die Grenzen des Engagements auf: „Das war schon schwerer zu stemmen“ – vor allem kleinere Betriebe mit wenigen Mitarbeitern stoßen organisatorisch schnell an ihre Grenzen. Einig sind sich fast alle Händler dagegen, was den Effekt der verkaufsoffenen Sonntage angeht. Wanderer berichtet von vielen auswärtigen Kunden, von ganzen Familien, die in Ruhe die Geschäfte erkunden. Und zusätzlichen Umsatz bringen, wie Engel bestätigt: Die entspanntere Stimmung sorge dafür, dass bei manchem Kunden vielleicht auch das Geld lockerer sitze.

Juwelier Jakob hat sich nach eigener Auskunft gar vom Sonntags-Shopping-Gegner zum Befürworter entwickelt. Nach zahlreichen Gesprächen und Nachforschungen in anderen Kommunen sei für ihn klar: Um ein solches Angebot führt kein Weg herum. „Wir müssen es vor allem unter Werbeaspekten sehen. Der Kunde registriert, wenn man gar nichts macht.“ In Bad Münder, lobt Büttner, sei das zum Glück anders: „Unsere Händler sind engagiert und ideenreich.“

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