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GEW-Kreischef: Freude völlig legitim

Warnung vor Fahne - Lenz: "Eigentor"

Landkreis. "Ein klassisches Eigentor produziert" hat der Bundesvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nach Einschätzung des Kreisvorsitzenden der Lehrergewerkschaft, Friedrich Lenz. Die offiziell vorgebrachten Warnungen der GEW-Oberen vor der Nationalhymne und dem Fahnenkult in Zeiten der Fußball-WM seien offenbar "einigen übermäßig besorgten Kollegen" zuzuschreiben, so Lenz in einer Pressenotiz.

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Damit hat Lenz auf die Kritik der Jungen Union anÄußerungen der Bundes-GEW reagiert, angesichts des Vorherrschens traditioneller nationaler Symbole gänzlich undifferenziert einen gedanklichen Zusammenhang zur längst (und zum Glück) vergangenen hohen Zeit des Nationalstaates hergestellt zu haben. Dies sei, so Lenz selbstkritisch, zum einen unhistorisch, da dieses Fähnchenschwenken in einer neuen, gänzlich anderen Wirklichkeit stattfinde, in der dem Nationalstaat von verschiedener Seite seine Grenzen aufgezeigt würden. Zum anderen sei zu bedenken, dass das Auftauchen nationaler Symbole und das Gerede vom wiederkehrenden Patriotismus auch über die üblichen Verdächtigen in den meinungsbildenden Medien im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft gezielt inszeniert wurde. Die GEW Schaumburg plädiere, so Lenz, für Gelassenheit, was das augenblickliche Vorherrschen von Symbolen betreffe, die landläufig mit Patriotismus in Verbindung gebracht werden. Jetzt, nach Ende der WM, werde man sehen, ob es sich hierbei um den Ausdruck eines tieferen Werte- und Einstellungswandels in der Bevölkerung handelt oder aber lediglich um ein bloßes Spielen mit Symbolen abseits ihres alten inhaltlichen Kerns, veranlasst durch die völlig berechtigte Freude daran, eine Fußball-WM im eigenen Lande erleben zu dürfen. Angesichts dieser Einschätzung rät die GEW der Jungen Union auch davon ab, im vorliegenden Zusammenhang vorschnell tiefergehende soziologische Erklärungsversuche für das quasi natürliche menschliche Bedürfnis nach Patriotismus zu bemühen. Dies, so Lenz, könne sich schnell als Trugschluss erweisen, der für die künftige Praxis bestimmter politischer Kreise ebenfalls einem Eigentor gleichkäme. "Warten wir doch einfach einmal ab, wie viel von diesen Formen angeblichen Patriotismus nach der WM im Alltagsleben weiterhin auftauchen", so Lenz. Es könne sich möglicherweise schnell zeigen, dass es der Masse der Menschen während der WM beim Zugriff auf die nationalen Symbole weniger um ein positives Bekenntnis zum eigenen Land ging als vielmehr um ein Mittel, um ihrer Freude am Sportereignis sinnbildlichen Ausdruck zu verleihen. Dies, so Lenz, sei völlig legitim und vielleicht gar nicht untypisch für die so genannte Postmoderne, eine Zeit, in der überlieferte Gegenstände und Symbole in neue Zusammenhänge gestellt werden.

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