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War in dem Altenheim alles in Ordnung?

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Hameln (bha). Die Betroffenheit ist groß. Dass ein betagter Bewohner in einem Alten- und Pflegeheim stirbt, ist für Pflegekräfte Bestandteil des Berufsalltages. Dass jedoch jemand eines unnatürlichen Todes stirbt, wie jetzt in einer Hamelner Einrichtung geschehen, nicht – ein Schock für das Personal, Heimleitung und Mitbewohner, vor allem für die Angehörigen der getöteten Frau und ihres 84-jährigen Mannes, die sich jetzt nach einer neuen Bleibe für den Demenzkranken umsehen. Laut Polizeiangaben steht der Heimbewohner unter Verdacht, seine Frau Samstagmorgen getötet zu haben.
 Wer mit Demenzkranken zu tun hat, weiß, dass einige nicht nur vergesslich, sondern manchmal auch aggressiv werden können, was für das Umfeld eine enorme Belastung darstellt. Fälle aber, in denen Demenzkranke handgreiflich werden und jemanden tödlich verletzen, sind der Heimaufsicht des Landkreises Hameln-Pyrmont bislang nicht bekannt geworden. Heute wird nun vor Ort untersucht, „was aus heimrechtlicher Sicht“ passiert ist, kündigt Michael Wyrwoll von der Heimaufsicht an. Die Heimbetreiber selbst standen den Medien gestern nicht für Fragen zur Verfügung.
 Michael Wyrwoll wurde nach eigenen Angaben gestern Morgen von der Tochter des Mannes und von der Heimleitung über die Geschehnisse informiert. Heute werde nun geprüft, ob es Anzeichen gab, die auf ein potenziell gefährliches Verhalten des Mannes hätten schließen lassen können: ob er adäquat untergebracht war, ob er seiner Krankheit entsprechend behandelt wurde, ob es in der Dokumentation des Pflegepersonals irgendwelche Hinweise darauf gibt, dass der 84-jährige, schwerbehinderte Bewohner für sich und sein Umfeld gefährlich werden könnte. Mit der Einrichtung habe die Heimaufsicht eng zusammengearbeitet, nennenswerte Beanstandungen habe es in der jüngsten Vergangenheit nicht gegeben, sagte Wyrwoll auf Anfrage der Dewezet und führt aus: „Beanstandungen gibt es immer mal, und dieses Heim hatte früher einen sehr schlechten Ruf, aber es hat sich erheblich verbessert.“
 Entgegen der Polizei, die ein Drittverschulden nach eigenen Angaben ausschließt, betont Uwe Behnsen, der Strafverteidiger des mutmaßlichen Täters, dass auch in diesem Fall die Unschuldsvermutung zu gelten habe. „Er ist nicht rechtskräftig verurteilt“, sagt Behnsen über seinen Mandanten und verweist darauf, dass es zu diesem Zeitpunkt weder gentechnische Untersuchungen gegeben habe noch lägen andere definitive Ermittlungserkenntnisse vor. „Die Polizei geht von einer Beziehungstat aus“, aber das stehe alles noch nicht fest, teilte der Fachanwalt für Strafrecht dieser Zeitung gestern Abend mit. Das müsse erst noch geprüft werden.
 Nach Einschätzung des Mediziners Dr. Manfred Gogol könnten „weitere psychische Erkrankungen“ dazu führen, dass Demenzkranke handgreiflich werden und andere gefährden. Bei Demenz alleine komme es wohl vor, dass Erkrankte ihr Umfeld beschimpfen und bei Körperkontakt auch mal eine Hand wegschöben. „Ich habe aber noch nicht erlebt, dass ein dementer Mensch eine Waffe genommen hat“, sagt Gogol. Bei einer wie von der Polizei unterstellten Tötung, würde „einiges dafür sprechen, dass weitere psychische Erkrankungen“ dabei eine Rolle spielen. Gogol ist Chefarzt für Geriatrie am Krankenhaus Lindenbrunn in Coppenbrügge und Experte für Alterskrankheiten wie Demenz. Er erinnert sich an einen Fall in Hannover vor etwa 14 Jahren, als ein an Demenz Erkrankter, der zudem schizophren war, eine Krankenschwester niedergestochen habe. „Das ist dann eine zufällige Konstellation“ von mehreren Umständen. Im wahnhaften Erleben könne es dann zu solchen Taten kommen.
 Grundsätzlich führt Demenz dazu, dass das Erinnerungsvermögen beeinträchtigt wird und Menschen desorientiert sind. Veränderungen in ihrem Leben tragen laut Gogol zu noch größerer Desorientierung bei. Es könne dazu kommen, dass die Patienten dann eine ausreichende Impulskontrolle nicht mehr gewährleisten könnten. Zu genannten Veränderungen könnte „auch ein Streitgespräch“ zählen oder der Umzug in ein Krankenhaus oder in ein Pflegeheim. „Wir sprechen dann von Delir, wenn eine kognitive Einschränkung“ mit einem weiteren äußeren Einfluss zusammentrifft und zum Wahn führt. Das könne ein Infekt sein, eine schwere Erkrankung, manchmal auch der Umstand, dass zu wenig getrunken worden sei. Einrichtungen, die Demenzkranke betreuen, müssten immer einschätzen können, wie hoch das konkret vorliegende Gefährdungspotenzial ihrer Patienten ist.

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