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Überraschende Inszenierung beim Festgottesdienst mit Landesbischof

Wanderer ziehen mit Bollerwagen in die Christuskirche ein

Bad Eilsen (sig). Es sollte ein besonders gelungener Himmelfahrtsauftakt im Konzertgarten des Kurparks werden, ausgerichtet von der evangelischen Kirchengemeinde und vom Heimat- und Kulturverein. So war es jedenfalls geplant. Aus dem Gottesdienst unter dem grünen Dach hoher Bäume ist aber leider nichts geworden. Die Organisatoren haben dem Wettergott schon am Vortage nicht getraut und verlegten das Geschehen deshalb in die Christuskirche.

Bischof Jürgen Johannesdotter

Sie taten gut damit, wie sich am nächsten Morgen zeigte. Ein schnell gedrucktes Plakat auf einer Stelltafel im Konzertgarten wies den Besuchern den Weg. Und das Gotteshaus war dann auch gut gefüllt, als der Posaunenchor Bad Eilsen-Rolfshagen dort bekannte Choräle anstimmte. Auf dem Altar stand ein frischer Fliederstrauß, und links und rechts daneben prangten große Zweige frischen Maigrüns. Alles war eingestimmt auf den Tag und seine besondere Bedeutung. Nur die erhofften Sonnenstrahlen fehlten, die das Innere der Kirche hätten zusätzlich erhellen können. Aber selbst Landesbischof Jürgen Johannesdotter wollte dem verschlossenen Himmel keine Symbolkraft zumessen. Er sang aus vollem Herzen das "Danke für jeden guten Morgen" mit und erlebte danach einen höchst ungewöhnlichen Einzug einer Wanderergruppe, wie sie an diesem Tag üblicherweise in Feld und Flur anzutreffen ist: Männer mit stabilem Schuhwerk, einen Bollerwagen voller Getränke hinter sich herziehend, und mit Wanderstöcken, an denen kleine Blumensträuße baumelten. Eigentlich haben solcherlei Ausflügler alles andere im Sinn, als auf ihrem Weg in ein Gotteshaus einzukehren. In Bad Eilsen war das in diesem Fall einmal anders. Aber dieses inszenierte Beispiel sollte ja auch nur deutlich machen, dass Gott an diesem Tag auch solchen Menschen irgendwo in der freien Natur begegnen kann, dass er bei ihnen ist und sie auf ihrem Weg begleitet. Der Landesbischof, der den Gottesdienst zusammen mit Pastor Lutz Gräber leitete, bedauerte auch, dass die Feier am Himmelfahrtstag nicht im Freien abgehalten werden konnte. "Wir sind wie die Konkurrenz von der Vatertagstour auf schönes Wetter angewiesen", stellte er dazu lächelnd fest. "Himmel ist ein altes Wort für Heimat", erläuterte er zu Beginn seiner Predigt. Und die Himmelfahrt sei ein Beweis der Herrschaft Gottes über diese Welt und deshalb ein frohes Fest. Er ging danach auch auf die Funktion der Familie ein, die leider vielfach in Frage gestellt werde und fehle. Das Bemühen um Frieden im häuslichen Bereich und im sonstigen Alltag, um Frieden zwischen den Generationen und den Völkern bleibe ein allgegenwärtiger Auftrag. Es gelte, Not und Elend und die vielen Grausamkeiten in der Welt zu beenden. Daran zu arbeiten, sei ein Gebot für alle Menschen. Nach dem Festgottesdienst saßen die Besucher noch eine Zeitlang an gedeckten Tischen im hinteren Teil der Kirche zusammen.

Ungewöhnliche Vatertagsgäste in der Christuskirche. Fotos: sig
  • Ungewöhnliche Vatertagsgäste in der Christuskirche. Fotos: sig
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