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Weder Wasserfilter noch Schnaps-Destille, sondern eine Wäschepresse

Wahre Fülle von Rückmeldungen: Kenner lösen Fundstück-Rätsel

Landkreis (who). Das Rätselraten hatte ein schnelles Ende. Am vorigen Samstag stellte unsere Zeitung auf Seite 33 ein Fundstück vor, verbunden mit der Bitte an unsere Leser, bei dessen Identifizierung zu helfen. Eine wahre Fülle von Rückmeldungen hat schnellstens zur Aufklärung geführt. Das zylindrische Gerät, das die Rintelner Ackerbürger von einem Gönner geschenkt bekommen haben, ist eine Wäschepresse.

In diesem Gerät presst Wasserdruck das Wasser aus der Wäsche. Fo

Die Mehrzahl der Einsender erkannte in der merkwürdigen Konstruktion eine Vorrichtung zum Auspressen von frisch gewaschener Wäsche.

So hatte S. Einars (Vorname und Wohnort nicht vermerkt) als erster Einsender sofort richtig gesehen: „Bei dem abgebildeten Gerät handelt es sich um eine Wäschepresse, die wohl in den 1960er Jahren im Gebrauch war. Diese Pressen waren der Vorläufer des Schleudergangs an der modernen Waschmaschine und funktionierten recht einfach.“

An dieser Stelle eine kurze Beschreibung des Ackerbürger-Fundstückes: Die äußere Vorrichtung besteht aus einem Metallzylinder mit losem Deckel, der unten einen Wasseranschluss hat und oben einen Auslauf. Dazu gibt es zwei zylindrische Einsätze von unterschiedlicher Länge, die ineinander gesteckt werden und an den unteren Enden umlaufende Gummidichtungen haben. Das ganze Gerät steht auf einem einfachen Ständer aus Metall.

Der Leser kann auch die Funktion beschreiben: „Man legte die nasse Wäsche in den inneren Zylinder des Gerätes und schloss den oberen Deckel. Das Gerät war mittels eines Schlauches an die Wasserversorgung (Wasserhahn) angeschlossen und Leitungswasser wurde in den inneren Zylinder geleitet, in dem sich ein Kolben befand, der durch den Wasserleitungsdruck nach oben gedrückt wurde. Durch den Druck des aufsteigenden Kolbens wurde die Wäsche zusammengepresst.

Das aus der Wäsche gedrückte Wasser floss durch das Sieb im oberen Bereich des inneren Zylinders in den äußeren Teil des Gerätes und durch den Auslauf (im oberen Bereich) nach außen.

Wenn der Pressvorgang beendet war, wurde der Wasserzulauf unterbrochen (Wasserhahn geschlossen) und das Druckwasser aus dem Inneren des Gerätes über den Ablaufhahn abgelassen. Der Kolben senkte sich nach unten, die ausgepresste Wäsche wurde entnommen und das Gerät war wieder einsatzbereit.“ So einfach und ganz ohne elektrischen Strom dürfte unser Fundstück funktioniert haben.

Ähnlich, aber doch anders

Anscheinend hat’s aber noch ähnliche Apparaturen gegeben, die zwar auch mit Wasser, aber nichts mit Wäsche waschen zu tun hatten. Denn Albrecht Hoffmann aus Bückeburg fühlt sich an seine Ausbildung beim Technischen Hilfswerk während der Zeit des Kalten Krieges erinnert. Er schreibt: „Ähnliche Geräte habe ich im Rahmen einer Fachausbildung im Betreuungslagerbau vor rund 40 Jahren) zur Wasserreinigung gebaut. In den Filter kam von unten nach oben Leinen (Bettwäsche), Baumwolle (Windeln) mit Holzkohle, Wolle oder Sand. Oben kommt das verunreinigte Wasser hinein, unten wird es per Hahn abgelassen. Die Durchlaufgeschwindigkeit war sehr langsam.“

Ganz sicher kein Filter

Die Vorstellung vom Wasserfilter können Gerhard Specht (Wohnort fehlt) und die meisten anderen Zusender nicht teilen: Denn „meines Wissens handelt es sich bei dem Fundstück um eine wasserdruckbetriebene Wäsche-Auswringpresse. Als wir unser Haus 1986 nach dem Tod meines Großvaters übernommen hatten, stand so ein Gerät noch in der Waschküche“.

Unterschied im Detail

Auch für Kurt Rummelmann aus Escher ist klar, es muss eine Wäschepresse sein. Denn der Auetaler sammelt selber alte Waschgeräte und besitzt unter anderem eine original „Frauenlob Wäschepresse“. Der Unterschied zum Ackerbürger-Gerät: Das Modell Frauenlob hat einen geführten Stempel, der aber ebenfalls durch Wasserdruck die in den Zylinder eingelegte nasse Wäsche auspresst. Vielleicht stammen ja beide Fabrikate vom selben Hersteller.

Zum Schluss: „Die Schnaps-Idee“

Die Mehrheit erkannte eine Wäschepresse und daran dürfte wohl auch die zuletzt eingegangene Zuschrift von Ilse Nolte nichts mehr ändern. Die Hamelnerin bringt eine ganz andere Deutung ins Spiel. Diese soll unseren Lesern nicht vorenthalten bleiben, weil sie bei den Angehörigen der Kriegs- und Nachkriegsgeneration Erinnerungen mit einem ganz speziellen „geistigen“ sowie „fleischlichem“ Einschlag wachrufen dürfte. Das Gerät „ist meines Erachtens ein Schnaps-Brenn-Gerät“, vermutet sie, setzt jedoch ein Fragezeichen. Der Großvater habe in der alten Heimat Ostpreußen selbst Kartoffel- und Rübenschnaps gebrannt. An seinem neuen Wohnort Kirchohsen habe er sein „Hobby“ wieder aufgenommen mithilfe eines „bei Nacht und Nebel“ vom Nachbarn ausgeliehenen Gerätes.

„Wir Kinder wurden weggescheucht, wenn nachts in der Waschküche Schnaps gebrannt wurde“, erinnert sich Ilse Nolte. Dazu weiß sie noch, dass die Oma den Rohstoff aus Zuckerrüben gekocht hat, die wiederum zuvor hauptsächlich einen passablen Süßstoff ergaben. Aber „den Schnaps erhielt der Hausschlachter, denn es wurde auch ab und zu mal ein Schwein schwarz geschlachtet …“

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