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Die einen hassen ihn, andere lieben ihn: den Schnee / Gewinner und Verlierer des Wetters

Von Wetterfröschen und leeren Regalen

Bad Münder (jemi/jhr). „Einfach prächtig“, sagt Adelheid Tegtmeier – für die 70-Jährige ist die weiße Pracht ein Segen, die zu langen Spaziergängen im tief verschneiten Wald einlädt. Die Auffassung der Schnee-Liebhaberin wird jedoch längst nicht überall geteilt: Der strenge Winter polarisiert, es gibt Gewinner und Verlierer.

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Wer glaubt, dass die münderschen Taxifahrer zu den klaren Gewinnern zählen, liegt falsch. „Wir werden häufiger gerufen. Gerade Senioren fahren bei diesem Wetter lieber mit dem Taxi, als sich auf rutschigen Wegen zu bewegen. Doch auch wir müssen langsam und vorsichtig fahren und sitzen schon mal fest. Das kostet Zeit“, sagt Claudia Breitfeld bei Taxen-Matthes.

Der ohnehin schon kräftezehrende Job der Müllwerker wird bei Schnee und Kälte auch nicht angenehmer: Die Container und Tonnen randvoll, die schneebedeckten Straßenränder mit der schweren Fracht kaum zu bezwingen. „Die Kollegen leisten derzeit ein enormes Pensum“, sagt Ulrich Kaufmann von der Kreisabfallwirtschaft. Die Fahrer der Müllfahrzeuge hätten teilweise Probleme, alle Straßen zu erreichen. „Richtig schlimm wird es aber erst, wenn es taut und wieder friert – dann haben wir vereiste Straßen.“

„Trotz Kälte ist derzeit keine große Grippewelle im Anmarsch“, sagt Mark Herold, Inhaber der Markt-Apotheke. Der Andrang in seinem Laden halte sich aber vor allem in Grenzen, weil viele Menschen vermeiden, glatte Straßen zu betreten. Sie bevorzugen jetzt den Botendienst und lassen sich die Medikamente ins Haus bringen, sagt der Apotheker. Die Zahl der Botenfahrten habe sich etwa vervierfacht.

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Dafür, dass sich die Kraftfahrer, ganz gleich ob sie mit dem Taxi oder dem Müllwagen unterwegs sind, überhaupt einigermaßen von der Stelle bewegen können, sorgt der Räumdienst der Stadt. Carsten Reiss, stellvertretender Bauamtsleiter sagt, dass es seit der Kälte-Periode einen „Wetterfrosch“ gibt. Er selber habe den Job auch schon eine Woche übernommen. Der „Wetterfrosch“ entscheidet je nach Wetter- und Schneelage, wann ein Räumfahrzeug auf die Straße muss. In den vergangenen Tagen war die Nacht der Fahrer immer zwischen 3.30 und 4 Uhr vorbei. So langsam aber sicher wünschen sich die Fahrer sicherlich wärmere Nächte, vermutet Reiss. Aber das frühe Aufstehen gehöre eben zum Job dazu.

Gegen etwas weniger Schnee hätte auch Stefanie Willenbrink nichts einzuwenden. Die dreifache Mutter aus Bad Münder hat beim Spaziergang mit ihrem Zwillings-Kinderwagen einige Probleme. „Die Fußwege sind zu schmal geräumt. Ich muss öfter auf die Straße ausweichen“, sagt sie.

Ausweichen – das ist derzeit auch die Maxime der Kernterrier Bonny und Babsi: Runter vom Gehweg, rein in die Schneewehe. Beide toben nach Herzenslust durch den lockeren Schnee, bis Frauchen Sigrid Büttner kalte Füße bekommt und auf das Ende das Gassi-Runde drängt.

Wer sich nach draußen in die Kälte traut sollte sich verdammt dick einpacken. Das scheinen die Münderaner auch zu machen. Im Kaufhaus Döring leeren sich die Regale mit allen Winterartikeln, berichtet Margarete Engel: „Vor allem warme Strümpfe, Handschuhe und Mützen werden seit zwei Wochen sehr viel gekauft.“ Sie habe auch schon versucht, neue Kleidung zu bestellen, doch auch die Lager seien leer gefegt. Wenn es nach Engel geht, kann es bald wieder wärmer werden. Schließlich kommen schon bald die Frühjahrs-Kollektionen.

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