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Arbeitskreis gegen Ausländerfeindlichkeit 20 Jahre in Bad Münder: Aufgaben haben sich verändert

Von Telefonketten bis hin zu Nachtwachen

Bad Münder (lil). Was sie sonst nur aus den Nachrichten kannten, ereignete sich im Herbst 1991 mehrfach vor ihrer eigenen Haustür: Übergriffe auf ausländische Mitbürger. Grund genug für eine Gruppe von Münderanern, den Arbeitskreis gegen Ausländerfeindlichkeit ins Leben zu rufen. Dieser feiert am Mittwoch, 23. November, sein 20-jähriges Bestehen.

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Dass der Arbeitskreis noch immer gebraucht wird, ist für die Mitwirkenden nicht unbedingt ein Anlass zum Feiern. „Zu feiern ist, dass es Menschen gibt, denen es so wichtig ist, etwas gegen Ausländerfeindlichkeit zu tun“, findet Dietmar Adler.

Weniger geworden ist die Arbeit für Adler und seine Mitstreiterinnen Petra Joumaah, Ulrike Hoffmann-Bürrig, Andrea Schäfer, Bärbel Molitor sowie viele Sympathisanten und Helfer nicht. „Das ist hier der wichtigste Arbeitskreis im Hinblick auf Integrationsarbeit“, so Hoffmann-Bürrig, die besonders das menschliche und vertrauliche Miteinander schätzt. Verändert haben sich die Aufgaben des Kreises allemal.

Vor 20 Jahren bildeten Münderaner eine Telefonkette. Diese sollte ausländischen Mitbürgern so schnell wie möglich Hilfe bieten, wenn ihre Wohnung von Rechtsradikalen überfallen wurde. „In den Unterkünften der Asylanten gab es ja keine Telefone oder Feuerlöscher“, erinnert sich Adler, und Joumaah fügt hinzu: „Wir haben nachts Wache vor den Häusern gestanden.“

Ein großer Vorteil heute ist die Vernetzung. „Die Arbeit liegt nicht mehr allein auf unseren Schultern“, weiß der Pastor.

Hervorzuheben ist der Umsonst-Laden an der Petersilienstraße. „Das ist ein niedrigschwelliges Angebot für Migranten, sich an die Stadt zu wenden“, so Hoffmann-Bürrig. Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen, deren Aufgabe eigentlich darin bestand, gut erhaltene Dinge weiterzugeben, seien mit Problemen aller Art konfrontiert worden, so Hoffmann-Bürrig. „Die Frauen haben Fortbildungskurse absolviert, das war auch nötig. Sie hatten vorher schließlich noch nichts mit dem Thema Integration zu tun gehabt.“ Auch Joumaah ist dankbar für den Umsonst-Laden. „Vorher haben alle Leute ihre Spenden – vom Kochtopf bis zum Kinderwagen – immer bei mir Zuhause abgegeben.“

Genauso kooperiert der Arbeitskreis unter anderem mit Vereinen wie der Tafel, Gewerkschaften, Schulen und der Polizei. „Unser Baby, das uns mittlerweile überragt hat, ist die Sozialraum-AG“, sagt Adler. „Die Zusammenarbeit mit der Stadt hat auch immer gut geklappt“, findet Schäfer. Widerstände habe der Arbeitskreis in den 20 Jahren kaum erfahren, so Adler. Sogar eine Auszeichnung vom damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau wurde der Gruppe – die jedem offen steht – zuteil.

Besonders in Erinnerung geblieben ist dem Arbeitskreis die „Lichterkette“ gegen Fremdenhass im Jahre 1992. „2000 Menschen haben sich mit Kerzen in der Hand in der Stadt versammelt – und das bei strömendem Regen“, weiß Adler noch ganz genau.

Zahlreiche Informations-, Kultur- und Begegnungsveranstaltungen hat der Arbeitskreis seit 1991 durchgeführt. Vier Sprachkurse pro Woche bietet Molitor an. Fester Termin im Kalender jedes Jahres ist das Internationale Spielfest im Rohmelbad am zweiten Sonnabend in den Sommerferien. „Ein Highlight war auch die Wanderausstellung ‚Gesichter des Islams‘, zu deren Eröffnung über 100 Leute gekommen sind“, erzählt Hoffmann-Bürrig.

Zur Feierstunde am kommenden Mittwoch sind alle Weggefährten und Interessierten eingeladen. Beginn ist um 19 Uhr im Foyer des Martin-Schmidt-Konzertsaals.

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