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Probleme mit DSL-Ausbau? In Flegessen bittet der Ortsbürgermeister Anwohner um ihre Meinung

Von schnellem Internet – und Surfer-Frust

Bad Münder (jhr). Schluss mit dem Schneckentempo – darauf hatten sich viele Münderaner gefreut, die in den Ortsteilen bislang beim Surfen im Internet auf Ladebalken und Sanduhr starrten. Statt schnellem Seitenaufbau beherrscht in den vergangenen Wochen allerdings in den Bereichen Hachmühlen und Flegessen ein anderes Thema die Gespräche: Der Frust über nicht funktionierende Internet- und Telefonanschlüsse und den Umgang der Telekom mit dem Problem.

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Mit großem finanziellen Aufwand wurden seit März im Bereich Bad Münder Kabel verlegt, um Ortschaften mit schnellem Internet zu versorgen. Das Projekt ist Teil des Breitbandausbaus in Niedersachsen, der aus Mitteln des Konjunkturpaketes gefördert wird. Die Telekom hatte den Zuschlag für den Auftrag erhalten, im „Cluster Süd-

Niedersachsen“, zu dem auch der Landkreis Hameln-Pyrmont zählt, sogenannte „weiße Flecken“ zu beseitigen. Kabel wurden verlegt, Kabelverzweiger als neue Knotenpunkte eingerichtet und angeschlossen, neue Verträge verkauft und schnelle Verbindungen angekündigt. Und an diesem Punkt setzen auch viele Kritiker an: „Das ganze Thema ist einfach eine Katastrophe“, erklärt Detlef Olejniczak. Nach rund 30 Telefonaten mit Kundendienst und Technikern der Telekom habe er inzwischen seinen Vertrag fristlos gekündigt. DSL 16 000 hatte ihm die Telekom im Oktober angeboten, mehr als 2 Megabit pro Sekunde kommen bei Olejniczak nicht an. Und damit kann sich Flegessens Ortsbürgermeister noch glücklich schätzen: In anderen Bereichen des Ortes kämpfen Einwohner mit der grundsätzlichen Erreichbarkeit. „Seit drei Wochen kein Telefon“, heißt es beispielsweise bei Birgit Rohloff. Seit Anfang Oktober ärgern sie und ihr Mann Alexander sich mit dem Thema Internet und Verträge herum, ihr vorläufiger Schluss: „Die verkaufen Verträge mit Leistungen, die einfach nicht zur Verfügung stehen.“ Wie viele ihrer Nachbarn hat sie inzwischen ihre ganz eigenen Erfahrungen mit Auskünften der Telekom-Hotline, Versicherungen im T-Shop Hameln und Auskünften der Techniker vor Ort gemacht. Ihre bisherige Quintessenz: „Da weiß die eine Seite nicht, was die andere sagt – und als Kunde steht man dazwischen und muss wieder und wieder das Problem schildern. Man fliegt aus der Leitung, fängt wieder von vorne an. Wird verbunden, fängt wieder von vorne an. Das zermürbt“, sagt sie – vor allem, weil Besserung nicht in Sicht ist: „Ein Techniker wird angekündigt, der kommt bis zum Verteilerkasten, aber nicht ins Haus. Das Problem bleibt, und keine Stelle, an die man sich als Kunde wenden kann, kann Abhilfe schaffen.“

„Das Hü und Hott nervt“, stellt auch Karl-Friedrich Feuerhake in Brullsen fest. Statt mit Glasfaserkabel soll der Ort mit der Mobilfunktechnik LTE angebunden werden – Auskünfte dazu erhielt Feuerhake im T-Shop Hameln, bei der Hotline und einem Techniker, sie reichen von „bis Januar nicht vorgesehen“ bis hin zu „bereits verfügbar mit bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde“.

Den Frust vieler Münderaner bekommt auch Anika John zu spüren, bei der Wirtschaftsförderin melden sich erboste Einwohner. Die meisten Anrufe habe sie in den vergangenen Wochen aus dem Bereich Flegessen und Hachmühlen erhalten, erklärt sie – dabei könne auch sie lediglich an die Hotline der Telekom und auf den T-Shop verweisen.

Aktiv will in Flegessen jetzt Ortsbürgermeister Olejniczak werden. Gestern legte er an verschiedenen Orten im Dorf Listen aus, in die sich Einwohner mit Problemen bei der Internetversorgung eintragen können. „Schließlich hat die Telekom die Arbeiten aus dem Konjunkturprogramm, also von unseren Steuergeldern, bezahlt bekommen. Dann soll sie auch eine vernünftige Leistung erbringen“, erklärt er.

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