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Mündersche Doktoren erzählen, über welches Thema sie ihre Dissertation geschrieben haben

Von Samen, Blutkörperchen und dem Knast

Bad Münder (st). Ganz Deutschland diskutiert zurzeit über eine Doktorarbeit mit dem schönen Titel „Verfassung und Verfassungsvertrag, Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU“. Worum es in dieser Dissertation geht, spielt aktuell keine Rolle – wichtig ist nur, dass ihr Verfasser, Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, nachweislich abgeschrieben hat. Auch zahlreiche Münderaner haben im Laufe ihrer akademischen Karriere einen Doktortitel erlangt – und wie sie einhellig beteuern: völlig legal, durch harte Arbeit. Die NDZ hat einmal nachgefragt, mit welchen Themen sich die münderschen Doktoren so auseinandergesetzt haben. Und die sind durchaus spannend – wenn sich der Leser nicht schon vom häufig in reinstem Fachchinesisch verfassten Titel abschrecken lässt.


Dr. Gert Hahne: „Sozialhistorische Hintergründe des Göttinger Universitätsgefängnisses: Der Karzer und seine korporierten Insassen“.

Der mündersche Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums und CDU-Ortsverbandschef hat seinen Doktor in den Sozialwissenschaften gemacht. „Das war ein hartes Stück Arbeit neben dem Beruf und mit drei Kindern“, sagt Hahne. In drei Jahren habe er sich den Titel unter Verzicht auf jegliche Freizeit verdient. „Und nur Menschen, die den Doktor ehrlich erlangt haben, sollten ihn auch mit Stolz tragen dürfen“, sagt der CDU-Politiker mit Bezug auf die Plagiats-Affäre.

In seiner Promotion arbeitet sich der Politikwissenschaftler durch die Geschichte des Göttinger Universitätsgefängnisses – genannt Karzer. „Universitäten hatten über Jahrhunderte eine eigene Gerichtsbarkeit, die für Studenten auch Gefängnisstrafen verhängen konnte.“ Diese seien dann im Uni-Knast abgesessen worden.

Dr. Maria Ballmaier: „Untersuchungen zur TNF-alpha-Produktion und deren Subpressionsmöglichkeiten bei der HIV-1-Infektion“.

Die Vorsitzende des Pastoralrates der münderschen St.-Johannes-Baptist-Gemeinde ist Biologin. Ihre Doktorarbeit sei ein erster Schritt gewesen, die Wirkung eines bestimmten Wachstumsfaktors auf HIV-infizierte Zellen zu untersuchen. „TNF-alpha ist ein sogenanntes Zytokin, ein Wachstumsfaktor, von dem ich gelesen hatte, er würde einen positiven Effekt auf die T-Zellen haben, die Zellen, die der Immunabwehr dienen und von den HI-Viren befallen werden.“ Im Reagenzglas habe sie auch einen Effekt nachweisen können, doch sei das Ergebnis nicht auf die Anwendung im menschlichen Körper zu übertragen.

Dr. Axel Goeritz: „Die Bestimmung der Arten- und Sortenechtheit sowie der Sortenreinheit bei Poa-Arten am Saatgut mittels Elektrophorese der Speicherproteine“.

Der Nettelreder Ortsbürgermeister und SPD-Ratsherr hat seinen Doktorgrad in den Agrarwissenschaften erlangt. Sein Ziel: verschiedene Sorten von Gräsersaatgut zu unterscheiden. Es habe zwar bereits eine Arbeit zu diesem Thema gegeben, aber Goeritz hat es nach eigenen Angaben geschafft, 92 verschiedene Sorten mithilfe der Elektrophorese zu unterscheiden. Die Elektrophorese trennt auf einem Geluntergrund bestimmte Stoffe der Samen in einem elektrischen Feld. „Ich habe natürlich die Vorgängerarbeit genutzt und zitiert“, sagt Goeritz und fügt hinzu: „Immer mit den nötigen Fußnoten.“

Dr. Helmut Burdorf: „Chalkogen substituierte Bis-Aren-Chrom-Komplexe“.

Der Ortsvereinsvorsitzende der münderschen Grünen ist promovierter Chemiker. Er hat Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Sandwich-Komplexe betrieben. Anhand des sogenannten Bisbenzolchroms, eines Moleküls bestehend aus zwei Benzolringen und einem Chromatom, kann laut Burdorf die Stromleitung auf kleinster, auf molekularer Ebene untersucht werden.

In den vergangenen Tagen hat Burdorf nach eigenen Angaben seine Arbeit noch einmal hervorgeholt. „Das ist keine Literaturarbeit. Die meiste Arbeit hat bei mir im Labor stattgefunden. Weshalb ich natürlich trotzdem Quellen benutzt habe, die ich allesamt korrekt angegeben habe.“

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