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"Väteraufbruch Lippe-Weserbergland": Wenn Väter nach der Scheidung ihre Kinder nicht sehen dürfen

Von der Mission der blauen Weihnachtsmänner

Rinteln (wm). Blaue Weihnachtsmänner? Nicht nur Kinder schauten einigermaßen irritiert, als zwei Herren mit Kapuze und Rauschebart im Weihnachtsmannkostüm über den Rintelner Adventszauber stapften. Erwachsene waren schnell aufgeklärt, denn Vicky Beyer, Jürgen Kreth und Frank Beissner drückten jedem ein Informationsblatt in die Hand.

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Die blauen Weihnachtsmänner, vereint in der Gruppe "Väteraufbruch Lippe-Weserbergland", sind Väter, die nach einer Scheidung ihre Kindern an Weihnachten nicht sehen werden, weil das ihre Ex-Frau zu verhindern weiß, und die sich als Opfer der Familienpolitik und der ihrer Meinung nach zweifelhaften Rechtsauslegung vieler Gerichte fühlen: "Wir haben es satt, immer nur zweiter Elternteil wie zweiter Weihnachtstag sein zu dürfen." Und: Väter ohne Trauschein haben im Fall einer Trennung meist keine Chance, das Sorgerecht zu erhalten. Ein Thema, das nach wie vor in der Gesellschaft und den Medien kaum gesehen werde, schilderte Frank Beissner. Beissner schätzt, dass etwa ein Drittel aller Väter nach einer Trennung im Laufe der Zeit den Kontakt zu ihren Kindern verliert, weil Mütter das systematisch boykottieren. Ziehe ein betroffener Vater vor Gericht, habe er meist schlechte Chancen: Väter müssten sich dann im schlimmsten Fall von ihrer Ex-Frau anhören, "dass sie psychisch krank, pädophil oder gewalttätig" seien, und erleben dann, dass es Gericht oder Jugendamt "unter dem Strich egal ist, was die Mutter mit ihrem Kinde macht". Ein Vater, der auf sein Recht pocht, sein Kind sehen zu wollen, "gilt eher als lästig". Viele Mütter, so die Erfahrung der Vereinsmitglieder, würden dabei tief in die Trickkiste greifen, immer mit der Gewissheit, dass ihr Handeln höchstens eine kurze Ermahnung ohne jegliche Repressalien nach sich zieht. Der Verein "Väteraufbruch", der sich als Selbsthilfegruppe versteht, will Väter nach einer Trennung mit handfesten Informationen unterstützen, wenn die Trennungs- und Scheidungsproblematik eskaliert und Kinder mit in den Konflikt hineingezogen werden. Zwar nähmen sich viele Paare vor, das Kind nicht in die Auseinandersetzungen hineinzuziehen, machten es aber trotzdem. "Das passiert ganz unbewusst", erzählen die Väter. Etwa, wenn die Mutter weint, wenn das Kind zum Vater geht. Mit der Konsequenz, dass ein Kind beim nächsten Mal den Besuch des Vaters einfach schon deshalb ablehnt, weil es der Mutter nicht wehtun will, und in einen Loyalitätskonflikt gerät, der auf Dauer zu seelischen und körperlichen Problemen führt. Dass es auch Mütter gibt, die durchaus Verständnis für frustrierte Väter haben, erlebten die Weihnachtsmänner auf dem Rintelner Adventszauber. Sie seien mehrfach in ein Gespräch verwickelt worden und eine etwa 40-jährige Frau habe spontan erklärt, dafür zu kämpfen, das sei eine gute Idee, freute sich Frank Beissner.

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